Schwimmsport

Spannender als ein Krimi

19.12.2011 | 15:36 Uhr
Spannender als ein Krimi
ISo wie dieser Sportlerist auch Steffen ein Schmetterlings-Schwimmer. Foto: Sebastian Konopka

Essen/Oberhausen.   Zeus-Reporter Steffen berichtet über einen nervenaufreibenden Schwimmwettbewerb in Essen. Sensation im Pool!

Wie ihr ja sicherlich wisst, ist Schwimmsport eine Individualsportart und nicht, wie zum Beispiel Fußball, ein Mannschaftssport. Damit die Schwimmerinnen und Schwimmer aber auch ein mannschaftssportliches Gefühl entwickeln können, gibt es auch beim Schwimmen einen Mannschafts-Staffelwettbewerb.

Eine Mannschaft besteht immer aus den besten Schwimmern eines Vereins. Beim jüngsten Wettbewerb starteten Hendrik Löchte, Henri Hinze, Jannik Löchte, Luca Weber, Maurice Rene Labudda und Steffen Auschrat. Bei so einem Wettbewerb starten jeweils vier Schwimmer in einer Staffel in den Schwimmlagen Freistil, Brust, Rücken, Schmetterling und Lagen.

15 Sekunden Rückstand

Zunächst beginnt der Wettkampf auf der Ebene des Bezirks Ruhrgebiet. Die geschwommenen Zeiten werden addiert. Die zeitschnellsten Mannschaften qualifizieren sich für das NRW-Landesfinale, welches in diesem Jahr in Essen stattgefunden hat. Wir Schwimmer aus Oberhausen mussten gegen die Jungen aus Münster, Bonn, Dortmund, Köln und Wuppertal/Uerdingen/Dormagen antreten. Wir sind aber im Vorkampf nur die zweitschlechteste Zeit geschwommen und hatten einen Rückstand von 15 Sekunden auf die besten Schwimmer aus Münster. Unser Trainer Günter Jatzek (69 Jahre alt, kann Lahme zum Schwimmen bringen!) hat uns sechs Jungen aber super gut auf den Wettkampf vorbereitet.

Wir wussten, dass wir die 15 Sekunden aufholen können. Die Stimmung während der Wettkämpfe war wie auf dem Fußballplatz.

Die Ausgangslage: Sechs Jungen aus Oberhausen gegen die Besten aus Nordrhein-Westfalen. Es ging darum, die Landeswertung zu gewinnen, um sich für das Bundesfinale qualifiziert.

Gähnen vor dem Start

Was sich dann beim Wettbewerb in Essen abspielte, war für die Eltern und die Trainer ein nervenaufreibendes Duell im Pool. Kein Krimi hätte spannender sein können. Wir Jungs sind dabei aber ganz cool geblieben und hatten (fast) alles im Griff. Meine Mutter fragt immer: „Wie hältst du das aus?“ Aber ehrlich gesagt: Ich war noch nie nervös vor dem Start, auch nicht bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin. Meistens muss ich sogar gähnen vor dem Start. Das führt dann zu einer kleinen Herzattacke bei meinem älteren Herrn.

Aber zurück zum Wettbewerb: Am 1. Tag (Samstag) lief es zunächst gut. Wir siegten in der 4 x 100 Meter-Freistilstafel mit einem Vorsprung von vier Sekunden. Die zweite Disziplin war das Brustschwimmen. Hier verloren wir acht Sekunden und hatten somit in der Gesamtwertung einen Rückstand von vier Sekunden.

Die dritte Lage war das Rückenschwimmen. Problem: Wir können alle nicht gut Rückenschwimmen. Der Trainer erteilte die Marschroute – nur nicht zu viel Zeit verlieren. Hinzu kam, dass wir in allen Lagen auf der Außenbahn schwimmen mussten. Dort entstehen durch die anderen Schwimmer immer die meisten Wellen.

Das Rückenschwimmen war ein Desaster

Das Rückenschwimmen war ein Desaster. Wir konnten unsere Leistungen nicht bringen, die Eltern waren entsetzt, der Trainer wollte nach Hause gehen und die Konkurrenz hat sich über uns Nichtschwimmer kaputtgelacht. Wir waren 15 Sekunden langsamer als die Schwimmer aus Bonn. In der Gesamtwertung hatten wir einen Rückstand von zehn Sekunden, der eigentlich nicht mehr aufzuholen war. Ergebnis des ersten Tages: Platz zwei, zehn Sekunden Rückstand, alle waren sauer. Also ab nach Hause, essen, Bett.

Am Sonntag sah dann die Welt schon wieder etwas anders aus. Alle hatten sich wieder beruhigt und alles wird gut, so die aufmunternden Worte aller Beteiligten. Wir gingen mit der Schmetterlingsstaffel, unserer Paradedisziplin an den Start. Und ehrlich gesagt, ohne dass wir uns selbst loben wollen, aber gegen uns ist „Flipper“ ein Nichtschwimmer. Aus den zehn Sekunden Rückstand machten wir einen Vorsprung von sieben Sekunden. Ein wahrer Kraftakt.

Die Gesichter wurden länger und länger

Jeder ist an seine absolute Leistungsgrenze gegangen, ich erreichte eine persönliche Bestzeit über 100 Meter Schmetterling in 01:05,68 Minuten. Der Titel war zum Greifen nahe. Wir wussten aber, dass beim Lagenschwimmen die Bonner Jungs uns um zehn Sekunden überlegen waren.

Der Trainer hat vor dem Start noch mal mit uns gesprochen. Wir durften unseren Vorsprung um maximal sechs Sekunden verringern, dann würden wir Deutscher Mannschaftsmeister der Jugend C im Schwimmverband NRW werden.

Das Rennen startete mit dem Rückenschwimmen und erwartungsgemäß lagen wir (wie immer) hinten. Der Vorsprung schmolz und schmolz, die Gesichter wurden länger und länger. Der Rückenschwimmer wurde durch unseren Brustschwimmer abgelöst. Er erwischte eine wahre Sternstunde und kämpfte sich Sekunde um Sekunde wieder heran.

Die Fans schrieen sich die Seele aus dem Leib, die Muttis hatten Tränen in den Augen und der Vater starrte wie versteinert auf das Wasser. Der Rückstand war, als ich über die Schmetterlingsstrecke an den Start ging, noch immer riesengroß – mehr als sieben Sekunden.

Der Jubel kannte keine Grenzen

Ich startete und brachte die von mir erwartete Leistung gegen meinen Kaderkollegen aus Bonn. Ich kämpfte mich heran und schaffte es, den Rückstand auszugleichen. Unser letzter Schwimmer startete zur Freistilstrecke, er schwamm um sein Leben. Bonn schlug als erstes an. Dann lief die Uhr: eine Sekunde, zwei Sekunden, drei Sekunden, vier Sekunden, fünf Sekunden . . . Henri schlug zeitgleich mit Münster an.

Der Jubel kannte keine Grenzen. Wir hatten es geschafft. Nach zwei harten Tagen mit fünf Staffelstarts und einer Endzeit von 24:11,21 Minuten (Bonn: 24:12,98 Minuten) hatten wir mit fast zwei Sekunden Vorsprung gewonnen und Vereinsgeschichte geschrieben.

Als gute Sportler haben wir uns dann bei der Siegerehrung die Hand gegeben. Der Landestrainer, Jürgen Verhölsdonk, hat uns einen Pokal überreicht und uns ebenfalls gratuliert.

Den restlichen Tag hatte ich dann Freizeit. Am Montag ging dann wieder die Schule los. Die ersten beiden Stunden hatte ich Sport . . .

Zeus-Reporter Steffen Auschrat, Friedrich-Ebert-Realschule, Klasse 8 b

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