Schule ist Glückssache
08.12.2010 | 16:23 Uhr 2010-12-08T16:23:00+0100
Oberhausen.Auf dem Weg zur Schule nimmt Jocelin Pérez ihr Kind in die Hände und überquert den Fluss. Es ist der kürzeste und billigste Weg zur Schule. Ihre Hütte und die Schule liegen im gleichen Dorf, 350 Meter entfernt.
Sie arbeitet als Putzfrau für Juana Paula Pérez (nicht mit Jocelin Pérez verwandt) und Wolfgang Heyne, die Bungalows vermieten und einen Keramikladen in der Dominikanische Republik betreiben. Jeden Samstag arbeitet sie im Familienhaus. Pro Tag verdient sie umgerechnet neun Euro. Für eine Putzfrau ist das ein guter Lohn. Die meisten Putzfrauen verdienen umgerechnet 5,50 Euro pro Tag.
5,50 Euro Tageslohn sind normal
Jocelins Mann arbeitet als „motoconcho“ – Taxifahrer. Doch statt mit einem Pkw sind „motoconchos“ mit Motorrädern unterwegs. Ein anderes Wort dafür ist „mototaxi“. Pro Tag verdient ein „motoconcho“ um die 3,50 Euro. Es gibt einfach mehr Mototaxen als Reisende.
Als Jocelin Pérez bei Juana Paula Pérez die Arbeit aufnahm, war ihr Kind Kerly Martinez zwei Monate alt. Mit ihm muss sie die fünfeinhalb Kilometer von ihrer Hütte zu ihrer Arbeitsstelle zurücklegen. Während sie arbeitet, kümmert sich ihre Arbeitgeberin um das Kind. Der älterer Bruder Franchi muss bei seiner Oma wohnen, da die Mutter sich nicht um ihm kümmern kann, weil sie in mehreren Familienhäuser arbeitet und nicht beide Kindern mitnehmen darf. Franchi Martinez wurde auf einer städtischen Schule eingeschult.
Kündigung wegen Schwangerschaft
Als Kerly drei Jahre alt war, wurde Jocelin wieder schwanger. Daraufhin kündigten ihr nahezu alle Hausbesitzer, bei denen sie reinigte. Eigentlich hätte Kerly in dieser Zeit eingeschult werden müssen.
Juana Paula Pérez, die sich einmal die Woche um Kerly Martinez gekümmert hatte , seitdem er zwei Monate alt war, entschied sich, ihm und seinem Bruder Franchi den Weg auf eine bessere Schule zu ermöglichen. So bat sie eine ihrer Ex-Lehrerkolleginnen um eine Abmachung mit Carmen Rosa Bierd – Direktorin der Schule, die näher an der Hütte von Jocelin Pérez liegt.
Stipendium verhilft
zur Schulausbildung
Juana Paula Pérez bat um ein Stipendium für eines der Kinder, denn dann könnten beiden Kinder an der Schule angemeldet werden.
Die Direktorin war einverstanden, und so bekamen die beiden Kinder Ende August des Jahres 2010 eine Chance, eine Schulausbildung zu machen.
Dies ist passiert, als ich noch nicht in Deutschland wohnte, sondern als ich noch dort in der Dominikanischen Republik lebte. Im Sommer des Jahres 2008 bin ich nach Deutschland umgezogen. Damals war Kerly Martinez etwa zehn Monate alt. Als ich im Sommer dieses Jahres zu Besuch war, wurden er und sein Bruder eingeschult.
Lisa Marie Heyne , Klasse 9b , Elsa-Brandström-Gymnasium , Oberhausen
(Dieser Artikel ist während des Zeus-Projekts im Dezember 2010 erstmals veröffentlicht worden.)

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