Tierische Therapeuten

Kleiner Räuber darf ins Bett

15.12.2011 | 12:37 Uhr
Kleiner Räuber darf ins Bett
Das ist Mops Kalle. Foto: Zeus-Reporterin Imke Ruhrmann

Oberhausen.   Im Altenzentrum St. Clemens in Oberhausen sorgen Tiere bei den Bewohnern für gute Stimmung. Demenzerkrankte erinnern sich an Mops Kalle.

Voller Freude machen sich die Bewohner des St. Clemens Altenzentrums in Sterkrade auf den Weg zum hauseigenen Tiergehege. Wer nicht gut zu Fuß ist, benutzt einen Rollator oder wird mit dem Rollstuhl gefahren. Auf dem Schoß eines Rollstuhlfahrers liegt eine Dose mit Trockenmais. Jeden Tag, Punkt 16 Uhr, gehen die Bewohner diesen Weg. Gemeinsam mit ihren Verwandten und Betreuerinnen des sozialen Dienstes füttern sie die Ziegen und Esel.

Für viele ist dies ein Höhepunkt des Tages. Mit leuchtenden Augen nähern sich die Senioren den Tieren. Sie locken die Vierbeiner mit Leckerchen und streicheln ihnen über das Fell. Die Ziegen und Esel scheinen das alltägliche Ritual ebenso zu genießen wie die Bewohner des Altenzentrums.

Seit rund zweieinhalb Jahren arbeitet die Einrichtung mit den Therapeuten auf vier Pfoten. Neben den Eseln und Ziegen gibt es noch fünf Wellensittiche, Mops Bruno und den Neuen: Mops Kalle.

„Tiere als Therapeuten – dieses Projekt, entdeckte ich auf einer Fortbildung“, erklärt Pflegedienstleiterin Anne Verhey. Sie war begeistert und so kamen die Tiere ins Heim. Ihre anfängliche Anziehungskraft haben Ziegen und Esel nicht verloren. Täglich besuchen die Bewohnerinnen Anneliese Werner und Maria Garbosnik mindestens ein Mal die Tiere. „Wir gehen schon immer nach draußen, aber durch die Tiere ist es noch schöner geworden. Sogar bei Regen gehen wir auf den Balkon, um den Tieren zuzugucken“, erzählt Anneliese Werner. „Oft setzen wir uns eine Viertelstunde ans Gehege. Es ist interessant, wie die Ziegen sich manchmal streiten. Und wenn die Ziegen müde sind, scheint es, als passen die Esel auf sie auf“, ergänzt Maria Garbosnik.

Ball spielen statt Traurigkeit

Die beiden Bewohnerinnen beobachten alles ganz genau: „Ja, der Pfleger behandelt die Tiere sehr gut“, da sind sich die beiden Frauen einig. Sie bemerken sofort, wenn Tiere fehlen und informieren sich dann, wo sie sind. „Vor einiger Zeit waren die Ziegen im Krankenhaus, auf einer Ausstellung zum Tag des Kindes“, erinnert sich Maria Garbosnik.

Einige Bewohner können nicht nach draußen zum Tiergehege. Sie haben Demenz oder sind bettlägerig. Damit auch sie die Möglichkeit erhalten, etwas von dem „Zauber“ der Tiere mitzubekommen, besuchen die beiden speziell ausgebildeten Hunde Kalle und Bruno sie regelmäßig. Beim „Rundgang“ mit Mops Kalle wird schnell klar: Der Hund tut den Bewohnern gut.

Wir treffen einen an Demenz erkrankten Senioren, der sich nicht an den Namen seiner Pflegerin erinnern kann. Aber Kalle erkennt er wieder. „Wie heißt er denn“, fragt Anne Verhey. Klar: „Kalle!“ ist die Antwort.

Auch das kann Kalle bewirken: Im Speisesaal sitzt ein Bewohner, der sich sonst nicht alleine rührt. Kaum kommt Kalle um die Ecke, richtet sich der Mann auf, um mit dem Hund Ball zu spielen. Früher habe es eine ältere Dame gegeben, die jeden Tag traurig an ihrem Tisch saß, erinnert sich ein Pfleger. Wir treffen diese Dame auch heute, aber von Traurigkeit keine Spur. Sie sitzt auf ihrem Bett und begrüßt Kalle mit strahlenden Augen: „Da ist ja mein kleiner Räuber!“

Da Kalle stubenrein ist, und ein spezielles Laken auf der Decke liegt, darf er aufs Bett springen. Brav lässt er sich anfassen und läuft ein wenig um die Bewohnerin herum. Diese setzt sich ohne fremde Hilfe auf die andere Seite, um ihren Kalle zu streicheln. „Danke, kommen Sie bald wieder“, ruft sie uns noch hinterher.

Zeus-Reporterin Imke Ruhrmann, Freiherr-vom-Stein-Gymnasium Oberhausen, Klasse 8 c

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