Demografischer Wandel

Wenn die Jugend ihre Stadt verlässt

19.12.2011 | 14:15 Uhr
Wenn die Jugend ihre Stadt verlässt
Foto: Hans Blossey

Meschede.   In Zukunft werden immer weniger junge Menschen in Meschede und Umgebung leben. Die Dörfer trifft der demografische Wandel besonders hart. Die Klasse 8b der Realschule Meschede hat Bürgermeister Uli Hess im Interview gefragt, welche Probleme das mit sich bringt.

Der demografische Wandel macht auch vor der Stadt Meschede und den umliegenden Dörfern nicht Halt. In einem aufwendigen Unterrichtsprojekt beschäftigt sich die Klasse 8b der Realschule Meschede mit der Frage, welche Folgen der Bevölkerungsschwund für die Region und ihre Menschen hat. Um Antworten zu finden, führten die Schüler ein Interview mit Bürgermeister Uli Hess.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, was halten Sie von unserem Thema?

Mit großem Interesse habe ich eure Umfragen gelesen. Ich als Bürgermeister und alle anderen Politiker müssen schließlich wissen, was die Menschen gut und was sie verbesserungswürdig finden. Schön ist, dass ihr Schüler euch damit jetzt schon beschäftigt. Man kann nicht früh genug damit anfangen, sich für sein Dorf und seine Stadt zu interessieren. Es ist aber auch wichtig, dass ihr euch mit den Medien beschäftigt, dass ihr Zeitung lest.

Können Sie uns genaue Zahlen zur Abnahme der Bevölkerung bei uns nennen?

Die Alterspyramide wird auf den Kopf gestellt. Wir werden immer älter und immer weniger. Das merken wir im gesamten Hochsauerlandkreis und natürlich auch in Meschede. Der Hochsauerlandkreis verliert bis 2025 rund 30 000 Bürger. Damit Ihr einen Vergleich habt: Meschede hat 31 500 Einwohner. Ganz Meschede wäre weg! Meschede und seine Dörfer verlieren bis dahin rund 5500 Einwohner. Ihr könnt euch vorstellen, dass das Probleme gibt ...

Warum bekommen denn Eltern immer weniger Kinder? Kann es sein, dass Eltern Angst vor der Zukunft haben und deshalb keine Kinder haben wollen?

Meschedes Bürgermeister Uli Hess. Foto: WP

Der Staat muss für die Rahmenbedingungen sorgen. Auf die einzelnen Familien hat er keinen Einfluss. Oft stehen Karriereplanungen, Arbeitszeiten und andere Umstände im Wege. Manche machen sich aber auch keine Gedanken und bekommen einfach Kinder.

Welche Probleme hat die Stadt Meschede?

Zwei Beispiele will ich euch nennen: Eure Eltern müssen Kanalgebühren für die Abwässer bezahlen. Wenn weniger Bürger Frischwasser verbrauchen, dann gibt es auch weniger Abwässer. Die Kosten für die Leitungen bleiben aber und müssen von weniger Bürgern bezahlt werden. Das andere Problem ist, dass wir Schulen schließen mussten und vielleicht noch schließen müssen. Wenn ein Dorf eine Schule verliert, ist das schlimm. Es ist schwierig, das der Bevölkerung deutlich zu machen. Grevenstein und Calle sind die Beispiele.

Was macht die Stadt, damit der Bevölkerungsrückgang gestoppt wird?

Wir überlegen immer, mit welchen Maßnahmen der Bevölkerungsrückgang gestoppt werden kann. Dabei sind für uns die Schlagwörter Bildung und qualifizierte Arbeitsplätze ganz wichtig. Auch das Regionaleprojekt „Henne“ ist für Meschede von großer Bedeutung.

Wenn die Menschen hier gerne wohnen und arbeiten, wenn sie Bildung bekommen, haben wir eine Zukunft.

Was passiert eigentlich mit Hertie?

Da hat die Stadt wenig Einfluss drauf, solange einer der Eigentümer sich nicht entscheiden kann, ob er verkauft. Der Bauantrag liegt bereits in der Schublade.

Was sagen Sie dazu, dass einige Schüler angemerkt haben, dass es an manchen Stellen zu dreckig ist?

Das ist manchmal ein Problem. Sauberkeit fängt bei jedem Einzelnen an. Wenn einer etwas wegwirft, kommt schnell weiterer Müll dazu. Jeder sollte sich an seine eigene Nase fassen.

Was wird eigentlich aus dem geplanten Basketballfeld gegenüber des Freibads?

Auch das ist nicht ganz einfach. Die Bahn verlangt einen großen Fangzaun. Wir wollen das im Jugendparlament noch einmal beraten.

Unsere Fahrkarten sind nur bis nachmittags 14 Uhr für Schulveranstaltungen gültig. Wir Schüler von den Dörfern möchten auch nachmittags und abends mal nach Meschede fahren.

Die Verknüpfung von Dörfern und Kernstadt ist auch uns ein Anliegen. Die Frage ist: Woher kommt das Geld?

Was ist denn eigentlich für Sie das Schönste an Meschede und den Dörfern?

Ich fahre gerne mal in Urlaub. Ich komme aber auch sehr gerne zurück. Dann freue ich mich über die Landschaft. Ich finde aber auch gut, dass die Menschen zusammenhalten, dass sie sich in Vereinen engagieren und ehrenamtliche Arbeit leisten.

Was können wir Jugendlichen für unsere Stadt und unsere Dörfer machen?

Macht mit in Vereinen, engagiert euch, ihr seid die Zukunft! Ihr habt mit eurem Projekt den Anfang gemacht. Ihr sollt wissen, dass alles einer Wechselwirkung unterliegt. Wenn ihr in den Geschäften eurer Dörfer und unserer Stadt einkauft, ist das gut. Ihr könnt auch in anderen Städten die Lehre machen oder studieren. Kommt aber zurück nach Meschede!

Vielen Dank für Ihren Besuch!
Jasmin Alioglu, Marina Vogt, Klasse 8b, Realschule Meschede

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