Natur erleben

Im Waldkindergarten gibt’s Ekelsuppe und Matschepampe

19.12.2011 | 16:14 Uhr
Im Waldkindergarten gibt’s Ekelsuppe und Matschepampe
Wer sich von kleinauf mit der Natur vertraut macht, lernt sie auch später zu schätzen. Foto:Uwe Vogler

Menden.   Es ist beinahe ein gewöhnlicher Kindergarten. Die Kinder sind nur wetterfester angezogen. Die Zeus-Reporterinnen Corinna und Diana besuchten den Waldkindergarten in Wiblingwerde. Hier spielen, kochen und lernen die Kleinen mit Lehm.

Es ist neblig und regnerisch. Mitten im Wald steht eine hell erleuchtete Holzhütte. Wir kommen uns vor wie in einem Märchenwald. Die Leiterin des Waldkindergartens in Wiblingwerde, Nadine Richter, erwartet uns um neun Uhr.

Die Kinder schauen neugierig, als wir die Holzhütte betreten. Im Inneren sieht es aus wie in einem „normalen“ Kindergarten: Es gibt eine Puppen- und Kuschelecke, ein Bücherregal, einen Spiel- und einen Basteltisch. Auf den zweiten Blick aber sehen wir die Unterschiede: Melina und Jonna sitzen in Matschhosen und Gummistiefeln am Tisch und spielen Memory. An den Wänden hängen gerahmte Bilder mit Blättern und Zapfen. Über den Fenstern sind lange Äste als Gardinenstangen befestigt. Und die Weihnachtskrippe besteht aus selbst gefilzten Schafwoll-Figuren.

Aktiv in der Lehmgrube

Frederik und Luca basteln gerade an einem Nikolaus aus Kiefernzapfen. Nur wenige Kinder befinden sich momentan im Gruppenraum, die Anzahl der Gruppe insgesamt ist auf 20 begrenzt. Neben Nadine Richter als Leiterin gibt es eine zweite Fachkraft, eine Ergänzungskraft und eine Integrationskraft.

Frau Richter begleitet uns nach draußen. Obwohl es regnet und kühl ist, sind vier Kinder in einer Lehmgrube aktiv. Warm angezogen mit Matschsachen und Gummistiefeln, hacken Alisa und Leon in dem Lehmhaufen herum. Dann schöpfen sie mit großer Begeisterung Wasser aus der Regenrinne und füllen damit die Lehmgrube. Pia und Jasmin kochen in ihren kleinen Kochtöpfen gerade eine “Ekelsuppe“ – sie laden uns spontan dazu ein. Sofort fühlen wir uns in die eigene Kindheit versetzt. Ein herrliches Gefühl.

Noch immer große Nachfrage

Die „Waldkinder“ erleben jeden Tag etwas Neues draußen. Kleine Frühaufsteher können ab sieben Uhr morgens von ihren Eltern gebracht werden, spätestens um 14 Uhr endet der Kindergartentag.

Eine Elterninitiative gründete die Einrichtung 1998 und die Nachfrage ist auch nach 13 Jahren noch groß. Durch die gute Personalbesetzung bauen die Erzieherinnen ein intensives Verhältnis zu den Kindern auf.

Der Lernort Wald hat den Drei- bis Sechsjährigen viel zu bieten. Wie die Erzieherinnen erklären, wird jeder Tag „im jahreszeitlichen Verlauf und im Einklang mit der Natur“ verbracht. So hat die Ernte der Holunderbeeren allen viel Spaß gemacht, anschließend gab es Saft und leckeren Gelee aus eigener Herstellung. Im Frühjahr wurden Kartoffeln in das Hochbeet gesetzt und Gemüse- und Kräutersamen ausgesät. Kindergartenleiterin Richter erklärt, dass die Kinder das Wachsen und Gedeihen der Pflanzen nicht nur beobachten, sondern gerne und mit einem gewissen Stolz auch ihre Pflege übernehmen.

Äste als Baumaterial

Die Kleinen entwickeln bei ihren Streifzügen durch den Wald ein besonders gutes Körpergefühl: Sie bewegen sich auf unebenem Gelände, balancieren auf Baumstämmen, wippen und klettern – die Anforderungen sind vielfältig. Wie die Kinder gefundenes „Spielmaterial“ verwenden, dafür gibt es keine Vorschriften. So wird die Kreativität der Kinder gefördert und ihre Fantasie angeregt. Äste werden zu Baumaterial, Kochlöffeln oder Malstiften. Oft sieht man die Kleinen im Wald in angeregte Gespräche vertieft. Fortschritte in der kindlichen Sprache entwickeln sie ganz nebenbei. Kinder, die in der Natur aufwachsen, lernen diese zu schätzen und zu schützen. Und durch den täglichen Aufenthalt im Freien wird das Immunsystem gestärkt.

Bei unserem Abschied sammeln sich die Kinder für den Morgenkreis, der draußen vor der Holzhütte stattfindet. Alle sitzen auf Baumstämmen, in der Mitte ist ein Adventskranz, die dicken roten Kerzen stehen in Einmachgläsern. Der Regen macht es schwer, sie am Brennen zu halten. Die Kinder hören eine Adventsgeschichte und singen Weihnachtslieder. Nach dem gemeinsamen Frühstück startet für alle ein neuer, spannender Tag im Wald.

Corinna Hüske, Diana Schulte, Klasse FS11A, Hönne-Berufskolleg, Menden

Zeus-Reporterinnen

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6177697/create

Alle Zeus-Artikel
Von Arnsberg bis Xanten
Als Zeus-Reporter seid ihr überall unterwegs. Eure Artikel findet ihr hier in eurer Heimatstadt.
Rund ums Projekt
Zeus weckt bei Jugendlichen die Lust am Lesen - und am Schreiben. Hier finden Sie Projektinformationen, Termine, Anmeldebereich und Unterrichtsmaterial.
Radioprofis gesucht
Im neuen crossmedialen Projekt von Zeus und Radio Oberhausen lernen Zeus-Reporter neben dem Zeitungs- und Onlinejournalismus auch die Arbeit beim Radiosender kennen. Und produzieren eigene Hörfunkbeiträge.
Zeus-auf-Schalke
Zeus-Reporter blicken hinter die Kulissen von Schalke 04. Was Sie dort erleben, lässt Schalke-Fans vor Neid erblassen. Weitere Infos zur Kooperation gibt's auf: www.schalke04.de
Wettbewerb
Der Strandkorb auf Norderney, die Hängematte in Opas Garten - Lieblingsplätze gibt es viele. Hier verraten Zeus-Reporter, wo ihr HomeSpot ist.
Mit Nachrichten gewinnen

Einen Fußballprofi in seinem Heimstadion treffen? Zeus macht’s möglich! Wer bei unserem NachrichtenCheck ein Event auf Schalke und 600 Euro für die Klassenkasse gewonnen hat, erfahrt ihr hier.

ZeusAwards
Fast so wie beim Pulitzer-Preis: Zeus verleiht jährlich die ZeusAwards an seine Nachwuchsreporter.