Arbeitsplatz statt Leben in türkischer Heimat
21.06.2011 | 15:21 Uhr 2011-06-21T15:21:00+0200
Lünen.Der gebürtige Türke Ramazan Aksoy ist 1943 geboren und im Jahr 1973 nach Deutschland umgesiedelt. Im Gespräch mit Zeus-Reporterin Esra Alicier, seiner Enkelin, erzählt er, warum er nach Deutschland kam und wie es ihm ergangen ist.
„Meine Familie gehörte zu den reichsten Familien in der Türkei, bis eines Tages mein Vater schwer krank wurde und wir das ganze Geld, das wir hatten, ausgeben mussten für Medikamente und Arztbesuche.
Auch unsere Felder mussten wir eines nach dem anderen verkaufen. Da ich der Älteste in der Familie bin, trug ich die ganze Verantwortung für meine Familie – sowohl für meine Eltern als auch für meine Geschwister. Nachdem wir alles verloren oder verkauft hatten, näherten sich die schlechte Zeiten. Mein Bruder, der ein Jahr jünger ist als ich, und ich haben Tag und Nacht hart gearbeitet, um die Familie ernähren zu können. Aber unser Verdienst reichte nicht aus, um annähernd so zu leben wie früher. Somit habe ich mich 1973 dazu entschlossen nach Deutschland auszuwandern.
„Die Entscheidung fiel mir nicht leicht“
Ich habe mich informiert, meine Papiere vervollständigt und mich um einen Job beworben in der Hoffnung, ein gutes Leben zu leben. In kürzester Zeit habe ich Bescheid bekommen und bin mit vielen anderen türkischen Kollegen nach Deutschland eingereist.
Es fiel mir nicht leicht die Entscheidung zu treffen, mich von meinen Heimatland und meiner Familie zu trennen, aber einer von uns musste in ein fremdes Land gehen, um Geld zu verdienen.
Als ich nach Deutschland kam, war ich einerseits froh darüber, dass ich überhaupt eine Arbeit hatte. Aber andererseits hatte ich auch eine sehr große Sehnsucht nach meinem Heimatland und meiner Familie. Ich habe in einem Heim gewohnt und nach vier Jahren Aufenthalt habe ich eine Wohnung gemietet und meine Familie nach Deutschland nachgeholt.
Eigentlich hatte ich vor, nur ein paar Jahre lang in Deutschland gutes Geld zu verdienen und wieder zurück in die Türkei zu fliegen – für immer. Aber nach und nach wurde mir bewusst, dass ich meiner Familie hier in Deutschland ein besseres Leben ermöglichen konnte.
Somit habe ich beschlossen mit meiner Familie in Deutschland zu bleiben. Denn dieses Land hat mir vieles gegeben und ermöglicht.“
Esra Alicier, Klasse BR 1, Lippe-Berufskolleg Lünen

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