Unterhaltung

Prämierte Kühe

18.11.2011 | 17:04 Uhr
Prämierte Kühe
Dagmar, die Mutter von Dalia, gewann bei der RUW-Schau im Jahr 2007 ebenfalls die Rassen-Kategorie „Jersey". Foto: privat

Hamm.   Laufstegtraining, Haarpflege und Ernährungsumstellung sind nicht nur menschlichen Models vorbehalten. Auch Rinder durchlaufen diese Prozeduren vor ihrem großen Auftritt bei einer Zucht-Schau.

170 Teilnehmer verschiedener Rassen und nur eine Frage: Wer ist die Schönste? Doch am Ende winkt bei der Verbandsschau der Rinder Union West (RUW) nicht etwa ein lukrativer Modelvertrag, sondern tolle Titel, wie „Siegerfärse“, „Siegerkuh mittel“, „Siegerkuh alt“ und „Grand Champion“. Zeus-Reporter Jan Wiethege war mittendrin statt nur dabei.

Lange Vorbereitung

Meine Familie nahm mit sechs Tieren teil. Hierfür musste in den vorherigen Wochen vieles vorbereitet werden. Denn es erfordert viel Training, um aus einer Milchkuh ein Model zu formen. Zunächst standen Spaziergänge auf dem Programm, um die Kondition zu stärken und die Tiere an das Halfter zu gewöhnen. Danach folgte die Haarpflege. Dafür musste ich die Kühe regelmäßig waschen, um Glanz ins Fell zu bringen. Außerdem war noch eine Ganzkörperrasur nötig, da diese für die Modelmaße sorgt.

Zusätzlich war es wichtig, auf eine ausgewogene Ernährung zu achten, die eine Voraussetzung für das richtige Gewicht sowie eine gute Verdauung ist. Für den Ausstellungstag wurden deshalb besondere Leckerbissen in großen Mengen mitgenommen. Immerhin frisst eine Kuh bis zu 60 Kilogramm Silage am Tag.

Spannung und Vorfreude

Der Transport zum Schaugelände erfolgte schon früh morgens mit einem Lkw. In den Zentralhallen der Stadt Hamm angekommen, wurde zunächst wieder gewaschen und frisiert, ehe jede Kuh ihren eigenen eingestreuten Platz mit Namensschild bekam.

Unsere Kühe waren sehr kooperativ und fühlten sich sichtlich wohl in der ungewohnten Umgebung. Das ist nicht selbstverständlich, daher zeigte wohl das Training seine Wirkung. Die folgenden Stunden waren geprägt von Spannung und Vorfreude auf die Schau. Zahlreiche Gespräche mit anderen Züchtern verkürzten jedoch die Zeit und brachten neue Ideen.

Artenkunde
Rinder aus Jersey

Jersey-Kühe stammen, nach Angaben des Verbands Deutscher Jerseyzüchter, von der Insel Jersey, die zu Großbritannien gehört und nahe der französischen Kanalküste liegt. Von dort aus verbreiteten sie sich über die ganze Welt. 1955 wurden die ersten Tiere dieser Rasse aus Dänemark nach Deutschland importiert. Hier werden sie seit 1961 gezüchtet. Jersey-Kühe sind aufgrund einiger spezifischer Eigenschaften besonders beliebt. Unter anderem können sie verschiedenstes Futter sehr gut in Milch umwandeln und haben einen tollen Charakter. Weitere Informationen unter www.jersey-rind.com.

Zweimal erster, zweiter und dritter Platz

Um 18 Uhr ging es dann endlich los: Die erste Kuh der Rasse „Jersey“ betrat den Schauring, einem Laufsteg vergleichbar. An diesem Tag durfte ich selbst Dalia, unsere Jersey-Kuh, dem Preisrichter vorführen. Während die Dame an meiner Seite keine Aufregung zeigte, hatte ich schon ein Kribbeln im Bauch.

Ungeduldig wartete ich anschließend auf das Ergebnis und fragte mich angesichts der Konkurrenz, ob unsere Kühe Aussicht auf einen Siegerpreis hätten. Alle diese Befürchtungen waren aber umsonst. Unsere Models belegten zweimal den ersten, zweiten sowie dritten Platz. Meine Jersey-Kuh Dalia wurde sogar Siegerin in der Rassen-Kategorie „Jersey“. „Ein schöner Lohn für die lange Vorbereitungszeit“, sagte mein Vater Thomas Wiethege danach zu mir.

Jan Wiethege, Klasse: 8c, Anne-Frank-Gymnasium, Halver

Zeus-Reporter

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