Selbstversuch

Tschüss World Wide Web – Eine Woche Steinzeit

09.05.2012 | 17:59 Uhr
Funktionen
Tschüss World Wide Web – Eine Woche Steinzeit
Fast alle Mitschüler von Zeus-Reporterin Katia Schwichtenberg, sie selbst eingeschlossen, sind täglich im Internet unterwegs. Foto: dapd

Lünen.   Als ihr bei einer Umfrage unter Mitschülern auffällt, dass fast alle täglich im Internet unterwegs sind, entschließt sich Zeus-Reporterin Katia Schwichtenberg zum Selbstversuch: Eine Woche ohne Facebook, Youtube, E-Mails und Co.

Das Internet. Ich bin sicher, dass fast alle wissen, was das ist. Hat nicht beinahe jeder einen E-Mail-Account und kann bestimmt erklären, was YouTube ist? Es ist auch kein Geheimnis, dass fast die gesamte heutige Jugend ständig im Internet unterwegs ist.

Darüber nachdenkend beschloss ich, eine Umfrage in meiner Schule durchzuführen: Wie oft benutzt ihr das Internet? Als 90 Prozent – mich eingeschlossen – sagten, sie würden täglich ins Internet gehen, packte mich der Ehrgeiz. Ist das „World Wide Web“ denn wirklich so wichtig? Stimmt etwa die Anschuldigung meiner Mutter, ich „könne ohne Internet nicht mehr leben“?

So wurde es beschlossene Sache: Eine Woche ohne Internet. Doch wie kann man sich am besten von Facebook, YouTube und Co. verabschieden? Das letzte Mal „Gefällt-mir“ bei Facebook klicken, das letzte Youtube-Video gucken und dann für eine Woche „Tschüss“ sagen? Noch bevor ich mir darüber Gedanken machen kann, ist der Tag zu Ende: Ich drücke auf „Log-Out“ – das war’s. Auf Wiedersehen, du Zeitvertreiber!

Tag eins: Internet ade

„Das schaffst du sowieso nicht.“ Meine Freunde sind nicht wirklich motivierend. Die einen lachen mich aus und die anderen schütteln über meine Dummheit nur den Kopf. Alles nur wegen eines Artikels? Verstehen sie denn nicht, dass es nicht um diesen Text, sondern um mehr geht? Ich will allen, die behaupten, die Jugend von heute sei internetabhängig vom Gegenteil überzeugen – mit schönem Gruß an meine Mutter.

Klar, viele meinen, eine Woche ohne Internet, das schafft nun wirklich jeder, aber für jemanden, der damit aufgewachsen ist, für den es selbstverständlich ist, wird die Sache nun mal schwerer. Gerade für mich, oft sitze ich vor dem Computer, selten vor dem Fernseher.

Tag zwei und drei: Entzug beginnt

Es ist wirklich unfair, einen Ohrwurm und den furchtbaren Drang zu haben, dieses Lied zu hören. Doch ich habe diesen blöden Pakt mit mir selbst geschlossen, eine Woche wie ein Steinzeitmensch zu leben. Okay, ich werde aggressiv, vielleicht die ersten Entzugserscheinungen?

Meine Schwester hat meinen Versuch als „Aufopferungsakt“ bezeichnet. Ich glaube: Sie hat Recht. Für die Musikschule müsste ich ein Lied googeln, um die Melodie im Kopf zu haben, doch damit muss ich warten. Die Liste der Dinge, die ich machen werde, wenn die Zeit vorbei ist, wächst stetig.

Tag vier: Das Netz lauert überall

Heute meinte eine Klassenkameradin von mir, sie würde es locker schaffen, eine Woche internetfrei zu leben, doch ist das wirklich so? Sicherlich gibt es Menschen, die nicht so häufig vor dem Bildschirm sitzen wie ich, doch das Internet lauert überall. So nutze ich es zum Beispiel nicht nur zu meinem Vergnügen, sondern durchaus auch für die Hausaufgaben. Die Lehrer von heute gehen generell davon aus, dass man Internetzugang hat. Oder glauben sie allen Ernstes, dass man täglich ins Internet-Café geht? Außerdem kann ich via Internet gut Kontakt zu meinen Verwandten aufrecht erhalten – Stichwort E-Mail und Skype – , denn sogar zu meinen Großeltern ist das „World-Wide-Web“ hinübergeschwappt und Briefe dauern einfach zu lange.

Tag fünf: Ungewöhnlich viel Zeit

Ich habe ungewöhnlich viel Zeit. Was soll ich nur tun? Normalerweise war der tägliche Facebookbesuch, das regelmäßige E-Mails-checken doch ein Akt der Entspannung. Wie soll ich mich heute vom Schultag erholen? Die Bücher, die ich zurzeit lese, sind gerade langweilig und ein neues Buch habe ich auch nicht parat. Im Radio läuft gerade Musik, die mir zu den Ohren herauskommt, und zum Freunde treffen ist es jetzt zu spät. Es ist bereits Abend.

„Du nervst“, teilt mir meine stets aufgeschlossene Freundin mit, als ich zum Telefon greife und ihre Nummer wähle. Ja, ich nerve, aber wer tut das nicht, wenn ihm langweilig ist? Aus Verzweiflung mache ich sogar die Hausaufgaben, die erst nächste Woche fällig wären. Positive Nebenwirkungen oder erste Anzeichen von ernsthafter Verrücktheit?

Tag sechs: Nervige Freunde

Meine Freunde haben ein neues Hobby: Sie erzählen mir nun furchtbar gerne, was sie heute noch so im Internet vorhaben.

Doch mich lässt das kalt. Schließlich bin ich hart im Nehmen und ich halte das schon aus. Glaube ich.

...Vielleicht auch nicht, denke ich später am Tag. Wieder einmal hat mich die Langeweile eingeholt. Es ist aber auch gemein, am PC diesen Text zu schreiben und nicht einmal eben im Internet vorbeizuschauen. Der Computer fleht mich geradezu an und die Maus wandert ganz von alleine auf den Internet-button. Gruselig, diese Technik.

Letzter Tag: Fast geschafft!

Ich habe es fast geschafft! Ich gebe zu, wenn dieser Versuch noch ein paar Tage länger dauern würde, wäre ich wirklich in Versuchung, ihn abzubrechen, aber diesen einen Tag kriege ich auch noch ‘rum.

Am Tag danach: Erfolgserlebnis

Es ist offiziell. Eine Woche wie „früher“, das geht. Endlich habe ich wieder meinen herrlichen Zeitvertreib und bin nicht mehr im Visier der Hänseleien meiner Freunde. Ob sich wohl etwas im Netz getan hat, während ich nicht da war?

Na klar. Nachrichten auf Facebook und auch neue Freundschaftsanfragen und mein E-Mail-Postfach meldet sich ebenfalls. Auch bei YouTube gibt es neue Videos und auf ProSieben wartet die letzte Folge von „Germany’s Next TopModel“. Schon bald sind die Facebook-Nachrichten gelesen und beantwortet und auch mein E-Mail-Postfach hat sich wieder geleert. Ich kann durchatmen. Locker habe ich diesen Selbstversuch nicht geschafft, aber mein Erfolg ist nicht zu bestreiten.Ich kann allen, die viel vor dem Computer sitzen, nur empfehlen es einmal auszuprobieren. Man hat mehr Zeit – und mit den schadenfrohen Freunden wird man auch noch fertig.

Katia Schwichtenberg, Klasse 8d, Gymnasium Lünen-Altlünen

Zeus-Reporterin

Kommentare
Von Arnsberg bis Xanten
Zeus-Reporter sind in vielen Städten unterwegs. Um eure Artikel zu finden, klickt hier einfach auf eure Heimatstadt.
Aus dem Ressort
Zeus-Reporterin – Ich bin jetzt mal Veganerin
Ernährung
Warum nicht einfach mal machen? Das fragte sich Zeus-Reporterin Franziska Stoewer und versuchte sich in veganer Ernährung. Schon nach wenigen Tagen...
Zeus-Reporterin besucht die Gelbe Wand
Borussia Dortmund
90 Minuten pure Emotion auf Europas größter Stehplatz-Tribüne – Zeus-Reporterin Inga Rau stand am letzten Bundesliga-Spieltag auf der Südtribüne im...
,,Held“ des BVB berichtet über vergangene Zeiten
Borussia Dortmund
Von 1965 bis 1971 spielte Siegfried „Siggi“ Held beim BVB. Im Gespräch mit den Zeus-Reportern Tom Ritter und Julius George zeigt der ,,schnellste...
Der neue Teil von X-Men toppt alle seine Vorgänger
Film-Kritik
„X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ lautet der Titel des neuen Marvel-Films. Die Zeus-Reporterinnen Sophia Karantzia & Lena Ulrich haben sich das Werk...
Zeus-Reporterin testet die Achterbahnen des Europaparks
Europapark
Unsere Zeus Reporterin Lina Opländer besuchte mit zwei Freundinnen zwei Tage lang den Europapark in Rust. Dabei fuhren die drei hauptsächlich mit den...
Kontakt
Der heiße Draht zu uns
Fragen, Wünsche, Mitteilungen? Hier könnt ihr mit uns in Kontakt treten. Telefon: 0201 / 804 1965 oder über unser Kontaktformular.