Voll im Leben
19.05.2008 | 17:56 Uhr 2008-05-19T17:56:22+0200Dominik ist zwölf, geht zur Schule und macht Judo. Alles ganz normal? Nein, weiß Zeus-Reporterin Stefanie van Beek, die ihren behinderten Bruder einen Tag lang begleitet hat.
BEHINDERUNG.
B oah, der ist ja voll behindert - heißt es oft. Aber was eine Behinderung zu haben wirklich bedeutet, wissen viele nicht. Deshalb berichte ich von einem Tag aus dem Leben meines behinderten Bruders. Er ist zwölf Jahre alt, heißt Dominik und ist geistig behindert.
Um 7.30 Uhr beginnt der Tag: Dann heißt es für Dominik aufstehen, Zähne putzen, anziehen. Dabei und bei der Auswahl seiner Kleidung braucht mein Bruder Hilfe. Anschließend frühstückt er alleine oder mit unserer Mutter, wenn sie nicht Arbeiten ist.
Immer in Bewegung
Um 8.15 Uhr steht der Bus vor der Haustüre. Damit geht's zum Haus Freudenberg, einer Schule für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung. Dort beginnt um 9 Uhr der Unterricht. In der ersten Stunde steht Rechnen auf dem Plan, in der zweiten Stunde Lesen und Schreiben. Danach hat Dominik Pause und isst er gemeinsam mit der Klasse sein Brot von zuhause. In der dritten und vierten Stunde wird Hauswirtschaft oder Textilgestaltung unterrichtet. Im Fach Hauswirtschaft lernen Dominik und seine Mitschüler kochen, bei Textilgestaltung geht's unter anderem um das Annähen von Knöpfen.
Danach isst er zusammen mit seinen Klassenkameraden zu Mittag. In der Klasse sind nur 13 Schüler - nicht wie bei mir 28. In der fünften und sechsten Stunde ist "Bildnerisches Gestalten" an der Reihe. Dabei wird gebastelt, zum Beispiel Tiere aus Pappmasche. Um 15.45 Uhr ist die Schule zu Ende - außer freitags. Dann ist schon um 12.45 Uhr schulfrei. Auf dem Stundenplan stehen jeden Tag andere Fächer.
Nach der Schule fährt Dominik mit dem Bus zurück nach Hause. Meistens kommt er dort um 16.15 Uhr an. Dienstags geht er nach der Schule zum Judo. Die Gruppe ist speziell für Kinder mit Behinderung eingerichtet worden. Freitags geht er direkt nach der Schule zum Fußball. Auch das Kicken ist ein spezielles Angebot für Behinderte.
Seine Hobbys machen Dominik viel Spaß. Wenn er nachmittags keinen Sport macht, geht er im Sommer mit Opa oder seinem Vater in den Garten. Im Winter spielt er gerne Playstation oder schaut fernsehen. Mit Ausruhen hat Dominik nicht viel am Hut. Bis er gegen 21 Uhr ins Bett geht, muss am besten immer "Action" sein.
Stefanie van Beek, 8c, Städtische Realschule Kalkar, Kalkar.

09:33
Schöner Text! Sehr gefühlsvoll!