Interview mit Autorin Birgit Schlieper via Facebook
09.01.2012 | 17:31 Uhr 2012-01-09T17:31:00+0100
Hattingen „Ich war total beleidigt, dass es keiner wollte“, sagt Birgit Schlieper über ihr erstes Manuskript. Wieso später Verlage dann doch an ihrer Schreibkunst interessiert waren, haben zwei Zeus-Reporterinnen erfahren.
. Wir haben Birgit Schlieper, einer bekannten Jugendbuchautorin, über Facebook geschrieben und sie gebeten uns ein Interview zu gegeben. Das hat funktioniert. Schlieper wurde 1968 in Iserlohn geboren, studierte und arbeitete als Journalistin. Seit 2004 schrieb sie als Autorin Bücher wie „Herzenssucht“, „Polnisch für Anfänger“ oder „Manchmal möchte ich mich totlachen“.
Sie sind über 40 Jahre alt, haben kleine Kinder. Warum schreiben Sie ausgerechnet für Jugendliche?
Ehrlich gesagt, warte ich trotz meines Alters immer noch darauf selber erwachsen zu werden. Die Jugend ist die Zeit des großen Umbruchs, aber eigentlich sind wir immer alle im Umbruch. Permanent fängt eine neue Zeit an, für die wir keine Bedienungsanleitung haben. Das finde ich spannend.
Haben Sie Teile Ihrer Geschichten selbst erlebt oder ist alles frei erfunden?
Manches habe ich erlebt, manches gehört, manches habe ich mir einfach ausgedacht. Ich kann alles nach Belieben mixen. Das ist das Schöne. Früher habe ich als Journalistin gearbeitet. Da mussten alle Informationen gut recherchiert werden. Das fande ich ehrlich gesagt mühsamer.
Wann schreiben Sie?
Abends und nachts. Ich bin ein Nachtmensch, hasse es morgens aufzustehen. Das ignorieren meine Kinder leider. Meist schleppe ich mich in einer Art Wachkoma durch den Tag. Wenn der Tag dann schlafen geht, werde ich wach und tippe, tippe, tippe. Und weil es dann wieder spät wird, bin ich am nächsten Morgen noch müder. Ich freue mich auf die Zeit, wenn ich endlich alt genug bin, um mit weniger als acht Stunden Schlaf auszukommen.
Sie machen auch Lesungen. Wie reagieren die Schülerinnen und Schüler?
Ich mache weniger Lesungen, sondern Schreibworkshops. Das ist für alle interessanter. Reine Lesungen sind für Jugendliche doch eher langweilig. In der ersten Reihe wird noch zugehört, in den Reihen dahinter werden Hausaufgaben abgepinnt oder SMS geschrieben. Bei den Workshops schreiben die Jugendlichen selber, denken sich ein neues Ende für ein Buch aus, spielen Szenen nach oder kreieren ein ganz eigenes Buchthema. Neulich hatten ein paar Schüler eine irre Idee. Ich überlege wirklich, ob ich die aufgreife und einen Roman daraus mache.
Wie viel verdienen Sie pro Buch?
Viel weniger als alle denken. Es gibt vom Verlag einen Vorschuss zwischen 5000 und 15 000 Euro. Das ist Verhandlungssache. Damit ist die erste Auflage abgegolten. Erst wenn ein Buch in die zweite Auflage geht, verdiene ich pro verkauftem Buch wieder – aber nur einige Prozent. Reich wird man so nicht. Außer ein Buch wird verfilmt. Und just sind die Filmrechte für „Polnisch für Anfänger“ verkauft worden. Mein Mann hofft schon, bald nur noch halbtags arbeiten zu müssen.
Wann haben Sie angefangen zu schreiben?
Mit 13 oder 14 Jahren. Fürchterliche Gedichte. Die haben sich sogar gereimt. Als mir keine Reime mehr eingefallen sind, wurden die Gedichte freier. Und dann habe ich eigentlich nicht mehr aufgehört mit dem Schreiben. Ich habe seitenweise Briefe gepinnt, stundenlang Tagebuch. Als ich dann bei der Zeitung angefangen habe, war ich erstaunt, dass man damit sogar Geld verdienen kann. Irgendwann hat mir die Zeitung nicht mehr gereicht und ich habe nebenbei ein Buch geschrieben.
Und das ist dann sofort gedruckt worden?
Nee. Das liegt noch in der Schublade. Ich habe damals völlig naiv und arrogant die vier größten Verlage angeschrieben und denen ganz großzügig mein Manuskript angeboten. Ich war total beleidigt, dass es keiner wollte. Aber ich habe aus Trotz das nächste Buch geschrieben und mir einen Literaturagenten gesucht. Und seitdem darf ich mich Schriftstellerin nennen. Ich mache das nie, weil das so angeberisch klingt. Aber geil finde ich es schon.
Frau Schlieper, wir bedanken uns für das Interview und wünschen ihnen noch viel Erfolg bei weiteren Büchern.
Sarah Ann Dettlaff und Hannah Eckei, Klasse 8e, Gymnasium Schulzentrum Holthausen, Hattingen

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