Ein Revierclub hautnah
30.10.2009 | 15:29 Uhr 2009-10-30T15:29:00+0100Besuch beim VfL Bochum: Pressesprecher Christian Schönhals erklärt, wie der Verein funktioniert – und wie es nach der Ära Koller weitergeht.
Die Zeus-Reporterinnen Alicia Prieur, Nicole Piontek und Tabea Weingarten trafen den Pressesprecher des VfL Bochum, Christian Schönhals, zum Interview.
Wie funktioniert die Nachwuchsförderung beim VfL Bochum?
Christian Schönhals: Zunächst suchen unsere Scouts Talente in Bochum oder bei Turnieren in der näheren Umgebung. Wir sprechen Spieler, die uns auffallen, an und laden sie zum Probetraining ein. Dort beobachtet sie dann entweder der Cheftrainer selbst oder der Jugendtrainer.
Wie viele Jugendmannschaften hat der VfL?
Schönhals: Wir haben gut ein Dutzend Jugendmannschaften mit Spielern bis zum Alter von 19 Jahren sowie eine U23- Mannschaft, die als zweite Mannschaft in der Regionalliga spielt.
Wie funktionieren Spielertransfers beim VfL?
Schönhals: Es wird zuerst überlegt, ob wir neue Spieler brauchen, um den Kader zu verbessern. Anschließend beobachten wir die Märkte. Der VfL sichtet dabei meist den osteuropäischen und griechischen Markt oder schaut in der näheren Umgebung, da große Teams diesen Märkten wenig Beachtung schenken. Wir suchen in der Regel junge Spieler mit Potenzial. Angebote gibt es aber auch von Spielervermittlern. Interessante Spieler beobachten zunächst die Scouts und der Vorstand, dann der Cheftrainer, wenn unser Interesse konkreter wird. Schließlich überlegen wir, ob der Spieler zu Bochum passt und den Verein weiterbringt. Als Letztes wird verhandelt und der Spieler kommt nach Bochum, wo er sich medizinischen Untersuchungen unterzieht. Fallen die positiv aus, wird der Transfervertrag unterschrieben.
Wie hat sich die Mannschaft nach der Freistellung von Marcel Koller verhalten?
Schönhals: Manche Spieler bedauern die Trennung, aber sie spielen für den VfL und nicht für Marcel Koller. Sie werden weiterhin versuchen, sportlich erfolgreich zu sein. Nach der Trennung – gerade einmal zwei Tage vor dem nächsten Spiel – mussten wir schnell zum Tagesablauf zurückkehren und nach vorne schauen.
Der VfL Bochum hat sich in den letzten Spielen verbessert. Ist da noch mehr drin?
Schönhals: Wir arbeiten daran, mit mehr Leidenschaft und der richtigen Einstellung in die Spiele zu gehen. Die Mannschaft soll strukturiert nach vorne und hinten sicher spielen. So wollen wir mehr spielerische Akzente setzen.
Wie ist die finanzielle Situation in Bochum?
Schönhals: Die ist so gut wie noch nie. Der Verein hat nur 200 000 Euro Schulden. Zum Vergleich: Bayern München hat 250 Millionen und Schalke 135 Millionen Euro Schulden. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der VfL nächstes Jahr schuldenfrei ist.
Wie lautet das Saisonziel und wie soll das erreicht werden?
Schönhals: Das Ziel ist klar: Der VfL Bochum soll auch in der kommenden Saison in der 1. Bundesliga mit den anderen 17 besten Teams Deutschlands spielen. Dazu wollen wir das Optimale aus der Mannschaft herausholen. Alles soll funktionieren und die Spieler sollen miteinander harmonieren.
Hintergrund
Zum VfL Bochum gehören viele verschiedene Abteilungen. Die Lizenzspielerabteilung besteht aus Spielern, Trainerteam, Betreuern, Vereinsarzt, Physiotherapeuten und Zeugwarten. Im Vorstand ist eine Person – Ansgar Schwenken – für den geschäftlichen Bereich zuständig, eine Person – Thomas Ernst – für den sportlichen. Dazu kommt noch die Scoutingabteilung, bestehend aus drei festangestellten und mehreren freien Mitarbeitern. Außerdem gibt es noch Abteilungen für Marketing, EDV, Pressearbeit, Buchhaltung, Ticketing, Merchandising die Jugendabteilung. Natürlich hat auch der VfL Greenkeeper, die sich um das Stadion und die Trainingsplätze kümmern. Den engsten Kontakt zur Mannschaft haben das Trainerteam, die Betreuer, das Marketing und die Presseabteilung.

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