Sport

Vom Taubenzüchter zum Fechter

01.12.2011 | 11:42 Uhr
Vom Taubenzüchter zum Fechter
Beim Fechten sind Kondition und schnelle Reflexe gefragt. Foto: Fabian Strauch / WAZ FotoPool

Hagen.   Peter von der Wiesche hat sein ganzes Leben dem Fechtsport gewidmet. Im Zeus-Interview erzählt der Trainer, wie er sich langsam hochgearbeitet hat.

Viele denken, dass der Fechtsport langweilig ist. Da denken sie falsch, denn der Fechtsport macht Riesenspaß und ist gut für die Kondition. Aber es gibt – anders als zum Beispiel beim Fußball – nicht so viele Vereine und Trainer. Wie also kommt man dazu Fechttrainer zu werden? Peter von der Wiesche vom Fechtzentrum Hagen erzählt von seinem Werdegang.

War es schon immer Ihr Traum zu fechten?

1954, als 15-jähriger Junge, begann ich meine Lehre zum Werkzeugmacher in Gevelsberg. Hier traf ich meinen Lehrgesellen, der Taubenzüchter war. Da ich mich immer schon für Tiere interessiert habe, nahm ich sein Angebot, mir zwei Zuchtpaare zu überlassen, dankend an. Zu der Zeit wohnte ich in der Goetheschule in Gevelsberg und baute mir direkt einen Dachgiebel zum Taubenschlag um. Meine Tauben vermehrten sich und ich nahm ein Jahr später mit Erfolg an den ersten Wettkämpfen teil. Nun ist es aber so, dass Tauben viel fliegen müssen, um fit zu sein. Unten auf dem Schulhof hatten die Mädchen Sportunterricht und oben auf dem Dach hatte ich bis zu zwanzig Tauben, die bevor sie ihre Runden drehten, sich erst mal erleichterten. Die Folge war: Beschwerde mit der Auflage die Tauben abzuschaffen.

Wie sind Sie dann vom Taubenzüchten zum Fechten gekommen?

Da ich gerne Sport treiben wollte und so um die 1,80 Meter groß war, dachte ich an Basketball. Das Training bei Eintracht Jahn Gevelsberg begann um 20 Uhr. Wie immer war ich zu früh da. Die Halle war noch mit den Fechtern vom 1862 Gevelsberg belegt. Von da an war für mich klar: das ist mein Sport.

Wie teuer ist eine Fechtausrüstung?

Damals, 1956, trainierte Martin Zimmermann die Gevelsberger Fechter. Auf meine Frage, was so eine Ausrüstung kostet, bekam ich die Antwort: so um die 200 DM. Bei mir hatte es geklingelt. Vom Verkauf meiner Tauben hatte ich 200 Mark in der Tasche. Ein Fechtschüler wollte Aufhören und seine Sachen für 150 Mark verkaufen; besser konnte ich es nicht treffen. Natürlich schlug ich sofort zu und startete meinen ersten Trainingsabend gleich in weiß.

Peter von der Wiesche

Wie lange hat es gedauert bis Sie Fechten gelernt hatten?

Wie schon erwähnt, wohnte ich in einer Schule, die auch eine Turnhalle besaß. Nach meinem ersten Trainingsabend trafen wir uns zu mehreren Fechtern, alles Fortgeschrittene, sonntagmorgens in der Schule, um zu trainieren. So machte ich natürlich große Fortschritte, zumal ich wie ein Besessener auch noch montags nach Haspe zum Training fuhr, um mehr von Martin Zimmermann und Wolfgang Süllwald zu lernen. Nach ca. drei Monaten konnte ich die Turnierreife-Prüfung ablegen und kurze Zeit später an einem Leistungsklassen-Zwei-Turnier teilnehmen.

Mit was für Waffen wird gefochten?

Meine Waffen waren Säbel und Florett. Nach zwei Jahren kam dann der Degen dazu. Zum Degenfechten musste man einen besonders festen Fechtanzug tragen. Der war nötig, denn die Degenspitze hatte die Form eines kleinen Morgensterns und hätte den normalen Fechtanzug glatt durchlöchert.

Konnten Sie sich hocharbeiten?

Nach zwei Leistungsklassen-Zwei-Turnieren mit Endrundenteilnahme stieg man in die Leistungsklasse Eins auf und war berechtigt an den Westfalenmeisterschaften teilzunehmen. Dieses Ziel wurde von mir nach ca. zwei Jahren erreicht. Kam man in die Endrunde, zählte man zur Landessonderklasse. Diese berechtigte dann zum Start bei den Deutschen Meisterschaften.

Sind Sie die ganze Zeit beim TSV Gevelsberg geblieben?

Der TSV 1862 Gevelsberg hatte seine Fechtabteilung aufgelöst, deshalb war ich dem Hasper Sportverein beigetreten. Mit 21 Jahren ging ich zur Bundeswehr. Leider bot sich dort keine Gelegenheit zum Fechten, meine Sachen hatte ich aber immer dabei.

Wie sind Sie Trainer geworden?

Nach meiner Bundeswehrzeit habe ich mich schon um den Nachwuchs im HSV gekümmert und meine Kenntnisse weitergegeben. Mit 25 Jahren habe ich dann auf mehreren Wochenendlehrgängen meinen ersten Trainerschein gemacht. Damals war es der F- Schein, der heutige C- Schein.

Gab es für Sie auch mal eine Zeit ohne Fechten?

Nachdem auch die Hasper Fechter mangels Halle ihren Fechtbetrieb eingestellt hatten, war erst mal Ruhe im Karton. Erst als die Kinder der Familie Michels, Kumpmann und von der Wiesche im Schüleralter waren, begannen wir ganz zaghaft mit dem Fechten. Die Abteilung wuchs rasant und die Halle in der alten Heubingschule wurde zu klein. Wir bekamen die Empore der Hasper Rundturnhalle zugewiesen. In Westfalen galten wir als die Hasper Mafia, weil wir immer im Rudel auftraten und kaum ein Turnier ausließen.

Haben Sie auch mal bekannte Fechter getroffen?

1974 musste der B-Schein her, weil wir als Landesleistungsstützpunkt im Gespräch waren, was sich dann auch bald bewahrheitete. Den B-Schein machte ich in Bonn, dem dann 1984 der A-Schein folgte. Dazu fuhr ich für eine Woche in den Herbstferien nach Tauberbischofsheim, meine Dozenten waren der Bundestrainer Emil Beck und der Floretttrainer Paul Neckermann. Leider sind beide schon verstorben.

Wie sind Sie schließlich zum TSV Hagen gekommen?

Seit 1991 bin ich nun Mitglied und Trainer in der Fechtabteilung des TSV Hagen 1860, dem heutigen Fechtzentrum. Und jetzt kommt es knallhart: Beide Lizenzen sind verschollen. Es gab nur eine Möglichkeit um das Fechtzentrum, das seit 1997 Landesleistungsschützpunkt für Degen ist, weiter zu trainieren: Es musste der B-Schein nachgemacht werden. Also habe ich 2006 wieder in Bonn die Schulbank gedrückt und den B-Schein nachgemacht.

Sarah Samuela Franco, Franka Flierler, Klasse 8C, Ricarda-Huch-Gymnasium, Hagen

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