Interview

Hagener Frauenhaus

25.11.2011 | 17:17 Uhr
Hagener Frauenhaus
Viele Frauen suchen die Schuld für Misshandlungen zunächst bei sich.

Hagen.   Unterdrückt, bedroht, geschlagen: Es gibt viele Gründe für eine Flucht aus dem eigenen zu Hause. Über ihre Erfahrungen mit den Geflohenen sprach Silvia Knotte Leiterin des Frauenhauses in Hagen im Interview mit Zeus-Reporterinnen.

Was sind die häufigsten Gründe, warum Frauen zu Ihnen kommen?

Die häufigsten Gründe sind, dass die Frauen von ihren Männern psychische (Zerstörung des Selbstwertgefühls, Drohungen, Erpressung), ökonomische (Einkommensvorenthaltung, Kontrolle), sexualisierte (Missbrauch von Kindern, Vergewaltigung, Nötigung) und körperliche Gewalt zugefügt bekommen. Es gibt auch durchaus Fälle, in denen die Gewalt von den Eltern aus geht, wie bei einer Zwangsverheiratung.

Kommen die Frauen mit Ihren Kindern?

Meistens ja. Allerdings kommt es auch vor, dass die Frauen nicht in der Lage sind, ihre Kinder bei der Flucht mitzunehmen. In diesen Fällen wird per Gericht versucht, die Kinder zu ihren Müttern zurückzubringen und das alleinige Sorgerecht auf sie zu übertragen.

Wie lange bleiben die Frauen im Durchschnitt?

Durchschnittlich bleiben sie drei Monate. Das hängt davon ab, in welchem Maße die Frauen durch die Gewalterfahrung traumatisiert sind und wie viel Unterstützung und Zeit sie benötigen, ihr beschädigtes Selbstwertgefühl so weit aufzubauen, dass sie sich in ein neues, eigenständiges Leben trauen. Zudem kommt es darauf an, ob sie auf die Unterstützung von Familie und Freunden zurückgreifen können und ob Schulprobleme oder ein ausländerrechtlicher Klärungsbedarf besteht. Letzteres bedeutet, dass die Frau einen unklaren Aufenthaltsstatus hat, wie bei einer Duldung, und nicht aus Hagen stammt. In solchen Fällen muss geklärt werden, wer die Kosten übernimmt und ob die Frau überhaupt bleiben darf oder sich nur, aufgrund der Duldungsbestimmungen, in einer bestimmten Kommune oder einem bestimmten Bundesland aufhalten darf.

Welche Pflichten haben die Frauen im Frauenhaus und wie leben sie dort?

Die Frauen haben Pflichten wie zum Beispiel Telefondienst. Hierbei müssen sie, wenn die Mitarbeiterinnen nicht im Haus sind, immer bereit sein ans Telefon zu gehen und die „neuen“ Frauen von einem bestimmten Treffpunkt abzuholen. Außerdem planen sie ihren Tagesablauf selbst und gehen einkaufen.

Gehen die Frauen zu ihren Männern zurück?

Ja, es kommt auch vor, dass die Frauen zu ihren gewalttätigen Partnern zurückkehren. Wir respektieren die individuelle Entscheidung, in dem Wissen, dass viele von ihnen nicht die Trennung wollen, sondern das die Gewalt aufhört. In der Hoffnung, dass dies gelingen könnte, geben Frauen ihren Männern häufig eine zweite Chance. So suchen einige zum Teil auch mehrmals ein Frauenhaus auf, bis sie zur endgültigen Trennung bereit sind.

Vielen Dank für das Interview.

Jennifer Düllmann, Rebecca Bürger, Klasse: 10a, Luise-Rehling-Realschule, Hagen

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