Immer mehr Mädchen kicken

Fußball-Frauen nicht länger im Abseits

02.11.2009 | 16:36 Uhr

Zwei Mal Welt- und sieben Mal Europameister: die Deutsche Frauen-Fußball-Nationalmannschaft ist in den letzten Jahren erfolgreicher gewesen als die Männer von Joachim Löw. Doch die Fußballfrauen stehen noch immer oft im Abseits.

Frauenfußball ist immer noch ein Amateursport. Während der Saison besucht ein Großteil der Bundesliga-Spielerinnen die Schule oder Universität. Andere Spielerinnen gehen einer ganz normalen Arbeit nach. Nur wenige Spielerinnen können vom Fußball leben. Immerhin: Der Frauenfußball ist auf dem Vormarsch. Vor gut dreißig Jahren waren Frauen am Ball noch richtige Außenseiterinnen, wie die Koordinatorin der Kreisauswahl Hagen Anne Lepis berichtet: „Früher habe ich selber aktiv Fußball gespielt. Aber es gab für Mädchen nur den so genannten Hof- und Straßenfußball. Es war nicht gerade angesehen, dass man als Mädchen Fußball spielte.”

„Es ist etwas Besonderes, als Mädchen zu kicken”

Ähnliche Erfahrungen machte auch Myriam Knieper. „Ich habe mit 13 Jahren in der Damenmannschaft von Westfalia Hagen angefangen, Fußball zu spielen. Wir mussten ,kleine Reisen' zu Spielen machen, so wenige Mannschaften gab es”, sagt die heute 41-Jährige. Auch ihre Schwester spielte früher Fußball. Sie sagt: „Es war etwas Besonderes, als Mädchen Fußball zu spielen. Unsere Eltern haben heftig darüber diskutiert."

Zum Glück haben sich die Zeiten geändert. In insgesamt 23 Vereinen spielen über 380 Mädchen, derzeit die meisten davon in einer U17-Manschaften. Vor zehn Jahren gab es in Hagen nur sieben U17-Mannschaften, heutzutage aber 24. Im Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen-Lippe (FLVW) stieg die Zahl in diesem Zeitraum ebenfalls von 320 auf 458 Mannschaften.

In einer dieser Mannschaften spielt die 18-jährige Alessa Geis, Trainerin der jüngeren Kreisauswahlspielerinnen und Spielerin beim TuS Wengern. „Ich habe mit zwölf Jahren in der Mädchenmannschaft von TuS Wengern begonnen, Fußball zu spielen. Da ich mehrere Mädchen in der Klasse hatte, die auch in meiner Mannschaft spielten, wurde ich nicht in der Klasse ausgelacht.”

Der Trainer vom Talentförderzentrum West (TFZ) Christian Düren meint: „Der Mädchenfußball hat sich aus meiner Sicht positiv verändert. Man findet heute mehr spielerische und taktische Elemente als früher, und in den meisten Vereinen ist der Mädchenfußball dem Jungenfußball ebenbürtig.”

Männer-Fußball ist schneller und härter

Trotzdem werden fast nur Fußballspiele der Männer im Fernsehen übertragen. Selbst bei Großereignissen wie der Frauen-Europameisterschaft wurden nur die Spiele der deutschen Mannschaft gezeigt. Ein Grund könnte sein, dass der Männerfußball die deutsche Bevölkerung mehr anspricht, weil er härter und schneller ist.

Christian Düren bestätigt dies: „Einer der auffälligsten und größten Unterschiede sind naturbedingt die körperlichen Unterschiede. Der Männerfußball ist athletischer und schneller als der Frauenfußball.” Dafür sei der Frauenfußball koordinativer. „Es kommt nur selten zu böswilligen Fouls und Meckereien gegenüber dem Schiedsrichter”, so Düren.

Alessa Geis erklärt, was sie am Fußball so toll findet: „Einerseits hat man viele Freunde in der eigenen, aber auch in den anderen Mannschaften. Andererseits ist Fußball eine gute Beschäftigung um auf andere Gedanken zu kommen und einfach abzuschalten.”

Maike Ewerdwalbesloh,

8a, Hildegardis-Schule

ZEUS-Reporter

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