"Es fehlt an Einsatz auf beiden Seiten"
28.10.2009 | 15:30 Uhr 2009-10-28T15:30:00+0100
Nur 14 Prozent der Schüler mit türkischen Wurzeln schaffen in Deutschland das Abitur. Noch weniger studieren. Nasit Döner (23) ist einer der wenigen Studenten. Er studiert Geschichte und Sozialwissenschaften auf Lehramt in Wuppertal. Ein Interview.
Was bedeutet es für dich, als Migrantenkind in Deutschland zu studieren?
Nasit Döner: Es ist erfreulich, als Migrant jegliche Ausbildungs- und Bildungschancen in Deutschland zu erhalten. Außerdem bin ich stolz darauf, in Deutschland als Migrant zu studieren.
Wie fühlst du dich als Migrantenkind in dieser Gesellschaft?
Nasit Döner: Ich bin in Deutschland geboren, anschließend in den Kindergarten gegangen, habe die Grund- und Gesamtschule besucht. An der Gesamtschule habe ich mein Abitur absolviert und nun studiere ich. Ich möchte damit klar machen, dass ich seit meiner Geburt in Deutschland lebe und bis heute keinerlei Probleme oder Ausgrenzung erfahren habe. Aber man muss natürlich auch die andere Seite betrachten. Es gibt viele Migranten, die positive Erfahrungen gemacht haben, aber es gibt auch eine andere Seite der Medaille.
Hast du oder jemand aus deiner Bekanntschaft Negatives erlebt?
Nasit Döner: Ich möchte nicht spezielle Beispiele oder Personen nennen. Aber ich kann auf jeden Fall sagen, dass es viele Ereignisse gab und auch gibt, bei denen Migranten generell ausgegrenzt und abgeschottet wurden. Schon der Begriff „Ausländer” bezeichnet eine Art von „Fremdheit” oder „vorübergehend”. Das heißt, dass diese Menschen durch den Begriff schon automatisch untergeordnet und mit einem Stempel gekennzeichnet werden. Ich finde sogar, dass man diesen Begriff als rassistisch ansehen kann.
Wie reagierst du, wenn man dich „Ausländer” nennt?
Nasit Döner: Ich sage ganz deutlich: Ich bin kein Ausländer! Ich bin ein türkisch stämmiger Jugendlicher, der in Deutschland geboren und aufgewachsen ist und sich auch angepasst fühlt.
Was verstehst du unter „angepasst”?
Nasit Döner: Ich finde es sehr wichtig, dass man sich als Migrant mit dem Land, in dem man lebt, mit dessen Kultur und Religion auseinandersetzt, sie respektiert und toleriert. Das heißt aber nicht, dass ich als Migrant die Kultur und Religion übernehmen muss. Denn ich habe meine eigene Vergangenheit und Herkunft, sprich: meine eigenen Wurzeln, die meine Persönlichkeit ausmachen.
Ich würde gerne das Thema „Bildung der Migrantenkinder in Deutschland” ansprechen. Was kannst du als erfolgreicher Schulabsolvent und angehender Lehrer über die derzeitige Situation der Bildung der Migrantenkinder in Deutschland sagen?
Nasit Döner: Ich bin mir im Klaren, dass die Hauptschulen zum großen Teil aus Migranten bestehen. Diesbezüglich muss ich das Schulsystem in Deutschland kritisieren. Generell kann ich sagen, dass das Schulsystem nicht fördernd aufgebaut ist. Es fehlt an der Unterstützung für schwächere Schüler. Dies kann man ja an der PISA-Studie deutlich sehen. Aber man muss natürlich auch klarstellen, dass viele Erwachsene mit Migrationshintergrund ihre Kinder in der Schule ungenügend unterstützen. Das heißt unter dem Strich: Es fehlt das nötige Engagement auf beiden Seiten.
Büsra Ulusoy, Klasse 8a, Gesamtschule Eilpe, Hagen

16:09
Ein sehr gelungenes Interview!
Vielen Herzlichen Dank an Herrn Döner!
18:43
Nasrit Döner !!!!!!!!! Welch schöner Name