Alle wollen in den Himmel kommen
26.11.2008 | 17:57 Uhr 2008-11-26T17:57:09+0100Hagen. An der Luise-Rehling-Realschule fand zwischen dem 16. und 19. September 2008 eine Projektwoche statt - unter anderem auch das Projekt "Multi-Kulti", das von der Lehrerin Frau vom Stein geleitet wurde. ...
... In diesem Projekt konnten christliche Schüler eine Moschee besuchen und moslemische eine Kirche. Die Idee entwickelte sich angesichts der multikulturellen Zusammensetzung der Schülerschaft.
An dem Projekt nahmen zwölf moslemische und sieben christliche Schüler teil, besucht wurden die Luther-Kirche am Bahnhof und die Moschee an der Körnerstraße, die direkt nebeneinander liegen. Auch wenn die moslemischen Schüler/innen durch die Schulgottesdienste schon häufiger eine Kirche besuchten, waren sie dort ebenso interessiert an neuen Eindrücken und Informationen wie die christlichen Schüler/innen in der Moschee.
Die Schüler erfuhren von Pfarrer Hammermeister-Kruse in der Lutherkirche die Besonderheiten des christlichen Glaubens und lernten durch einen ehemaligen Schüler der Luise-Rehling-Realschule, Sait Orak, die Grundregeln des islamischen Glaubens kennen. Die Frage einer Muslima "Haben die Christen gar keine Regeln?" zeigt, dass es in den bewusst gemischten Arbeits- und Diskussionsgruppen Gelegenheit gab, sich gegenseitig zu befragen und so eine andere Religion und Kultur besser kennen und verstehen zu lernen.
Besonders hart diskutiert wurden in der Moschee die Kleidungsvorschriften im Islam. Schwer nachzuvollziehen war für die christlichen Schüler, dass die moslemischen Frauen das Kopftuch als Zeichen ihres Glaubens verstehen und damit dem Koran folgen, der die reizvollen Körperteile bedeckt sehen möchte.
Weitere Unterschiede gibt es zum Beispiel beim Beten. Die Moslems beten auf einem Gebetsteppich mit besonderen Körperhaltungen, das Beten ist eine von fünf Säulen des Islam. Das bedeutet, dass fünfmal am Tag gebetet werden soll und das Freitagsgebet alle Gläubigen in der Moschee versammelt. Christen verstehen dagegen ihr ganzes Leben als Gebet, haben daher keine besonderen Zeiten, beten aber auch sonntags mit gefalteten Händen kniend (katholische Christen) oder stehend (evangelische Christen) in der Kirche.
Bei diesem Projekt haben die Schüler auch festgestellt, dass es bei allen Unterschieden zwischen den beiden Religionen auch Gemeinsamkeiten gibt - zum Beispiel gelten sie beide als Buchreligion. Der -arabische- Koran wird aber von den Moslems viel ehrfürchtiger als Heiliges Buch Allahs verehrt als bei den Christen die Bibel. Doch sowohl Christen als auch Moslems hoffen, dass sie "in den Himmel" kommen. Beide Religionen kennen Jesus. Für die Christen ist es Gottes Sohn, für die Moslems ist er ein Prophet. Außerdem praktizieren beide Religionen das Fasten: Die Moslems haben den Fastenmonat Ramadan, und viele Christen fasten 40 Tage vor Ostern.
Auch die sehr gut besuchte Präsentation des Multi-Kulti-Projektes - zwei parallele Wege zum "Himmel" mit den jeweiligen Glaubensgrundsätzen als Leitplanke - zeigte den Besuchern das Gemeinsame und das Unterscheidende. Aber vor allem ermutigte sie dazu, dass man sich kennen und verstehen lernen muss, wenn man verständnisvoll und friedlich nicht nur nebeneinander, sondern miteinander leben und - an der Schule - lernen will.
Ronhai Karakoc Klasse 9a Luise-Rehling-Realschule

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