Gelsenkirchen

Sorgenkinder aus Plastik

26.05.2008 | 19:26 Uhr

Beim RealCare-Projekt lernen junge Frauen den Umgang mit Säuglingen - an High-Tech-Puppen.Ziel der Initiative ist es, den Teilnehmerinnen die Schattenseiten des frühen Eltern-Seins vor Augen zu führen

Lernen an der Puppe, bevor es ernst wird: Beim RealCare-Babyprojekt simuliert ein Dummy die Pflege eines lebendigen Säuglings. Foto: Archiv, Arne Poll Vier Teilnehmerinnen des RealCare-Babyprojekts an der Gerhard-Hauptmann-Realschule. Foto: ZEUS

Spielerisch Verantwortung übernehmen - dies ist möglich mit dem RealCare-Babyprojekt an der Gerhart-Hauptmann-Realschule. Die Schülerinnen und Schüler werden in Zweier-Teams eingeteilt und bekommen für ein Wochenende einen Baby-Simulator mit nach Hause.

RealCare-Baby ist ein realitätsnaher Säuglingssimulator. Es gibt kleine Mädchen und Jungen in sechs verschiedenen Hautfarben, europäisch, afrikanisch dunkel, afrikanisch hell, hispanisch, indianisch und japanisch. Doch es gibt nicht nur gesunde Babys: "alkoholgeschädigte" und "drogengeschädigte" Kinder sollen den Jugendlichen demonstrieren, wie es ist, wenn sie in der Schwangerschaft Alkohol oder Drogen konsumieren. Diese Babys haben dünne Arme und Beine, die abschreckend auf die Jugendlichen wirken sollen. Sie müssen sich nun Tag und Nacht darum kümmern, denn es ist wie ein echtes Kind. Also schreit der Säuglings-Simulator auch mal nachts und kann natürlich auch ,,sterben", wenn man sich nicht genügend um ihn kümmert.

Das Projekt soll den Jugendlichen zeigen, dass man sich genau überlegen sollte, wann man ein Kind bekommt, und dass man am besten erst mal Schule oder Ausbildung beenden sollte, bevor man selbst Mutter wird. Denn sonst wird es sehr stressig für die Mütter, die selbst noch Kinder sind.

Es gibt Dinge, die man bei dem RealCare-Projekt beachten sollte: Atemgeräusche beim Baby bedeuten zum Beispiel, dass das Kind schläft. Wenn es hustet oder glückliche Laute von sich gibt, bedeutet dies, dass das Baby wach ist. Wenn man ein Klingeln hört, sich das Baby aber nicht beruhigt, könnte es nörgelig sein. Es fängt an zu schreien, wenn es längere Zeit auf dem Bauch liegt. Wenn der Kopf während des Versorgens nach hinten fällt oder es grob behandelt wird, schreit die Puppe. Dann muss man es vorsichtig wiegen, bis es sich beruhigt hat.

Man braucht einige Dinge, um das Baby das ganze Wochenende versorgen zu können: Zur Ausstattung gehören Windeltaschen mit Babyflasche und Windeln. Darin befinden sich ebenfalls eine Babydecke und Kleidung. Immer mit dabei haben sollte man die sogenannte BabyCard, auf der man bei Fragen immer die korrekten Verhaltensweisen nachlesen kann. Eine Babydecke ist ebenfalls nicht zu vergessen, ebenso wie Schnuller, Babytrage und ein Kinderwagen, in dem der Säugling flach und bequem liegen kann. Viele Erwachsene sind schlecht informiert über den richtigen Gebrauch eines Baby-Autositzes. Das Elternpraktikum ist daher eine gute Möglichkeit zu üben.

Die Schülerinnen, die bisher an dem Projekt teilgenommen haben, waren nach dem Wochenende mit dem Kind ganz schön geschafft, aber es hat ihnen dennoch Spaß gemacht. Für sie was es interessant zu sehen, wie anstrengend es ist, sich um ein Kind zu kümmern. Doch die Jugendlichen haben auch gemerkt, dass es für sie noch viel zu früh ist, sich allein um ein Kind im Säuglingsalter zu kümmern, denn sie selbst sind einfach noch zu jung und unerfahren im Umgang mit Babys.

Alina Jeschke Gianna Lang 8b G.-Hauptmann-Realschule

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