Schwanger mit 15
01.06.2011 | 11:09 Uhr 2011-06-01T11:09:00+0200
Gelsenkirchen. Es war ein Schock, als Marlena Trandafir aus Gelsenkirchen mit 15 schwanger wurde. Zwei Jahre später bekam sie ihr zweites Kind. Sie heiratete mit 18. Die Zeus-Reporterin vom Weiterbildungskolleg schreibt über die schwierige Zeit.
„Sind das deine Kinder? Wie alt bist du denn?!“ Diese Fragen höre ich immer noch sehr oft.
Mit einem Kugelbauch in der 9. Klasse in der Realschule zu sitzen oder über die Bahnhofstraße zu laufen, war mir mit 15 Jahren unangenehm. Viele verachtende Kommentare, komische Blicke und Demütigungen musste ich über mich ergehen lassen. Doch: Für mich kam es nie in Frage, mein Kind abzutreiben.
Ein Schock war es für mich trotzdem, so früh schwanger zu werden. Damit gerechnet hatte ich nie, obwohl mein Freund und ich nicht richtig verhütet hatten. Als meine Periode ausblieb, machte ich einen Schwangerschaftstest: Er war positiv. Zum Glück standen meine Eltern von Anfang an hinter mir.
Vier Tage nach meinem 16. Geburtstag lag ich in den Wehen. Die Angst vor den Schmerzen, die mich 40 Wochen in der Schwangerschaft begleitete, werde ich nie vergessen. Meine Hebamme beruhigte mich und war sehr fürsorglich. Auch mein Freund war rund um die Uhr im Krankenhaus bei mir.
Am 16. Juni 2005 wurde unsere Tochter geboren. Wir nannten sie Marie-Sophie. Ich war eine stolze 16-jährige Mutter. Ein gesundes, hübsches Mädchen in meinen Armen zu halten, war der schönste Augenblick in meinem Leben.
Als Marie-Sophie sechs Wochen alt war, besuchte ich erneut die neunte Klasse. Meine Mutter versorgte unser Kind ein Jahr, danach ging es in einen Ganztagskindergarten.
Dreimonatsspritze hatte nicht richtig angeschlagen
Doch schon mit 17 Jahren wurde ich wieder schwanger. Diesmal hatte die Dreimonatsspritze nicht richtig angeschlagen. Es war ein großer Schock für mich und auch für meine Lehrer, als ich ihnen in der zehnten Klasse eine erneute Schwangerschaft gestand. Ich hatte keinen Schulabschluss und Angst vor meiner Zukunft. Um so wenig wie möglich vom Unterricht zu verpassen, ging ich selbst hochschwanger noch zur Schule.
Am 7. April 2007 kam dann unsere kleine Maya-Louise zur Welt. Die zweite Geburt verlief schneller als die erste. Auch meine Ängste waren nicht mehr so groß, da ich schon eine erfahrene Mami war.
Mit 18 Jahren heiratete ich meinen Freund, den Vater meiner beiden Töchter. Ich begann mit einer Ausbildung zur Kinderpflegerin und lernte interessante Menschen kennen. Meine neuen Freundinnen nahmen mich das erste mal mit Feiern. Ich lernte das Nachtleben kennen und lieben. Es war eine reizvolle Abwechslung vom Kinderlieder singen und Windelnwechseln.
Doch mein Ehemann warf mir vor, dass ich mich verändert hätte. Und das stimmte: Ich hatte viel gelernt. Bildung war mir jetzt wichtig. Und ich wollte ein gutes Vorbild für meine Kinder sein. Mein Mann und ich entschieden, dass eine Trennung das Beste für uns und die Kinder ist.
Trennung vom Kindsvater
Bei einer Familienberatungstelle nehme ich bis heute die Hilfe einer Jugendamtsmitarbeiterin in Anspruch. Mit ihr kann ich über alle Probleme reden. In einer „jungen Müttergruppe“ vom Jugendamt lernte ich viel im Umgang mit Säuglingen. Ich kann schwangeren Mädchen nur empfehlen, sich Hilfe zu suchen. Es ist nicht leicht,sich um Kinder zu kümmern,egal wie alt man ist.
Meine Eltern stehen heute noch hinter mir. Da beide Rentner sind, können sie meine Kinder morgens zum Kindergarten bringen. Hätte ich nicht so liebevolle Eltern, dann hätte ich niemals meine Schulausbildung als Kinderpflegerin machen können.
Heute drücke ich wieder im Weiterbildungskolleg Emscher-Lippe die Schulbank – um mein Abitur nachzuholen. Es macht mir großen Spaß und ich bin froh, dass ich die Chance habe, auch als Mama noch meinen Schulabschluss zu machen.
Der Alltag zwischen Kindergarten, Hausaufgaben, Haushalt und dem Genörgel von zwei vier- und fünfjährigen Mädchen ist natürlich eine Herausforderung – aber auch ein Geschenk. Meine Töchter und ich sind unzertrennlich. Mein Ziel ist es, Sozialarbeit zu studieren. Damit auch ich anderen Menschen helfen kann – so wie mir geholfen wurde.

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