Der Ball rollt – nur wie lange?
20.05.2010 | 15:15 Uhr 2010-05-20T15:15:00+0200
Am 11. Juni 2010 fällt der Startschuss und Südafrika steht mit der Fußballweltmeisterschaft im Zentrum des öffentlichen Interesses. Doch das Interesse sollte nicht nur dem Fußball gehören.
Ein Fußballspiel dauert 90 Minuten. Minuten voller Spannung, voller Emotionen, mit nur einem Ziel. Die gesamte Aufmerksamkeit ist auf den Ball und auf die Spieler gerichtet. Um uns herum wird alles vergessen. Am Ende dann: Ein Sieger und ein Verlierer. Beide Mannschaften haben 90 Minuten gekämpft und der Verlierer hat nochmal die Chance auf einen Sieg, auf einen WM Titel.
Im Hinblick auf die kommende Fußballweltmeisterschaft sind alle Augen auf Afrika gerichtet. Neben der WM sollte aber auch Aufmerksamkeit auf ein anderes Thema gelenkt werden. Weltweit leben 33 Millionen Menschen mit HIV / AIDS. 5,5 Millionen davon kommen aus Südafrika.
Ärzte ohne Grenzen
Seit 1999 ist die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ in Südafrika vor Ort, um das Leben vieler Betroffener deutlich zu verlängern und ihre Lebensqualität zu verbessern. Betroffene werden häufig diskriminiert und können sich keine medizinische Versorgung leisten. Es fehlt außerdem an Laborgeräten, ausgebildetem Personal, kostengünstigen Medikamenten, Aufklärung und sogar an einfachen technischen Geräten, z.B. an Kühlschränken, in denen Medikamente aufbewahrt werden können.
Die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ engagiert sich für die Betroffenen mit Projekten und Medikamentenkampagnen vor Ort. Eine lebensverlängernde Maßnahme ist die Therapie mit antiretroviralen Medikamenten (ARV). „Bevor die lebensverlängernde antiretrovirale Therapie im Jahr 2000 in Khayelitsha eingeführt wurde, war HIV ein Todesurteil. Viele starben und Menschen mit HIV und TB wurden stark stigmatisiert“, berichtet Anna de Vries, stellvertretende Projektkoordinatorin von „Ärzte ohne Grenzen“ in Khayelitsha.
Probleme bei der Diagnostik
Antiretrovirale Medikamente können die Erkrankung zwar nicht heilen, sie können aber das Leben eines Betroffenen erheblich verlängern. Die Virusvermehrung wird gehemmt und führt somit zu einer Rückbildung der HIV-bedingten Symptome und wirkt einer Verschlechterung des Krankheitsprozesses entgegen. Auch die Übertragungsrate des Virus bei Schwangeren auf ihr Neugeborenes kann dadurch deutlich gesenkt werden. „Mit den ARV kam Hoffnung auf. Immer mehr Menschen ließen sich auf HIV testen, und die Stigmatisierung verringerte sich“,erklärt Anna de Vries. „Den Menschen geht es mit der antiretroviralen Therapie im Allgemeinen sehr gut. Die meisten können wieder ein normales Leben führen und sich um ihre Familien kümmern. Allerdings gibt es beispielsweise Probleme mit der Diagnostik und Behandlung bei Kindern“, erklärt sie außerdem.
Die Behandlung bei Kindern ist problematisch. Mangelnde Diagnostik und unzureichende kindgerechte antiretrovirale Medikamente in Form von Saft oder Pulver erschweren den Ärzten die erfolgreiche Therapie. Demnach ist es Ziel aller Therapieprogramme, eine gleichwertige Behandlung von Kindern und Erwachsenen zu erreichen.
Auch nach der WM Aufmerksamkeit schenken
Es darf keine Frage des Geldes sein, über Leben und Tod eines Menschen zu entscheiden. Demnach sollten die Menschen auch noch nach der Fußballweltmeisterschaft Afrika Aufmerksamkeit schenken und Organisationen, wie „Ärzte ohne Grenzen“, unterstützen.
Auch wenn die Betroffenen keine Chance auf Heilung haben, sollten sie zumindest Zugang zu einer Behandlung haben, die ihr Leben deutlich verlängert und ihre Lebensqualität verbessert und somit Ängste und Sorgen reduziert und ihnen weiterhin den Mut gibt, nicht vor ihrer Krankheit davonzulaufen. Es gibt keine Chance die Krankheit zu besiegen, aber es gibt eine Chance auf eine höhere Lebenserwartung.
Für die einen ist es der Kampf um den Sieg, um den WM Titel. Für die anderen ist es der Kampf um Leben, um Überleben. Nur stellt sich die Frage - wie lange habe ich Zeit zu leben? Wie lange habe ich Aussicht auf Überleben?
Ein Spiel dauert 90 Minuten. Ein Leben muss länger dauern, durch unsere Hilfe.
Nadine Gasser, Klasse: AS2B, Weiterbildungskolleg Emscher-Lippe

18:48
Ich finde deinen Artikel sehr gut!
Endlich jemand der sich bemüht andere über so etwas zu informieren
Die Leute wollen nur Fußball gucken und das wars..das ist wirklich schade
Gut wäre wenn du noch nennen würdest wie und wo man helfen kann :)