Und die Kinder leidenGuck mal, Carla: Früher war's blöd
12.05.2008 | 19:16 Uhr 2008-05-12T19:16:38+0200Patrick (14) war schon 13-mal vor Gericht. Seine Eltern streiten sich ums Sorgerecht."Es war die Hölle", sagt er. "Es ging nie um mich, sondern immer nur um das Recht"
SCHWERPUNKT SCHEIDUNG Oft können die Eltern sich nicht wirklich über das Sorgerecht einigen. In seltenen Fällen möchte das Kind sogar keinen Kontakt zu einem Elternteil haben. Das ist auch vor dem Gesetz ein Ausnahmefall, da laut Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) (§1626) zum Wohlergehen des Kindes in der Regel der Umgang zu beiden Elternteilen gehört. Wenn das Kind aber mit einem Elternteil keinen Kontakt haben möchte, landet der Fall vor Gericht.
Wie dramatisch ein solches Vorgehen für ein Scheidungskind sein kann, weiß Patrick (14, Name geändert). Er hat bereits 13 Prozesse hinter sich. Der Betroffene berichtet, weshalb er im Moment den Kontakt zu seinem Vater nicht vermisst: "Meine Eltern haben sich kurz nach meiner Geburt vor 14 Jahren getrennt. Ich habe für mich nie eine gute Beziehung zu meinem Vater aufbauen können. Die Besuchskontakte wurden nach der Trennung vom ersten Tag an erzwungen. Ich hatte das Gefühl, als ginge es nie um mich, sondern nur um das Recht."
In den gesamten 14 Jahren nach der Trennung gab es für Patrick und seine Mutter unzählige Verhandlungen, in denen um das Sorge- oder Umgangsrecht gestritten wurde. Dabei strebte Patricks Vater das Umgangsrecht und auch das alleinige Sorgerecht an. Patrick musste jeden Mittwoch zu seinem Vater, und alle zwei Wochen am Wochenende.
"Dieses Gefühl am Mittwoch, wieder zu meinem Vater zu gehen, war einfach nur schlimm", erinnert sich Patrick. Der Streit um ihn bedeutete, schon früh mit dem Gericht und mit Anwälten in Kontakt zu kommen.
Die Verhandlungen zum Sorge- und Umgangsrecht werden vorm Amtsgericht in Essen nur von einem Richter geführt, in zweiter Instanz sind es drei Richter, die in Hamm die Entscheidung treffen. Beides hat Patrick schon durchlebt. "Es ist eine staatliche Hölle! Das schlimme an den Verhandlungen ist, wenn man in Hamm von drei Richtern zusammen befragt wird", erklärt Patrick.
Seine Verfahrenspflegerin Christiane Klaffert ist derselben Meinung wie er: "Sobald Kinder in solch einer Verhandlung dabei sein müssen, ist das sehr schlimm."
Patricks Fall füllt mittlerweile 30 Akten bei dem vertretenden Anwalt. Der letzte Prozess ging jetzt im April zu Ende. Da Patrick jetzt schon 14 Jahre alt ist, darf er nun mitentscheiden, wie oft und wann er seinen Vater sehen möchte.
Bei einer geglückten Trennung bleiben dem Kind beide Elternteile. Für Patrick war das anders, daher hat er schon vor einiger Zeit den Entschluss gefasst, später selbst Jurist zu werden. "Denn ich möchte später Kindern helfen, nicht das zu erleiden, was ich mitmachen musste und immer noch muss."
N. Kuhlmann N. Venghaus P. Kosel Klasse 8a Gymnasium Essen Nord-Ost

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