Kino
Themba – ein mutiger Film
12.08.2010 | 15:18 Uhr 2010-08-12T15:18:00+0200
Essen.Ein Kinofilm über einen Fußballerjungen in Südafrika? Aids noch dazu ?! Wie geht das denn zusammen? „Themba“, ein Film der jetzt in den Kinos läuft, haben Zeus-Reporter in einer Preview gesehen. Mit dabei war Lutz van Dijk, der Autor, der die Romanvorlage geschrieben hatte.
Er lebt seit langem in Kapstadt und ist zurzeit auf Lesereise in Deutschland unterwegs. Wir hatten ihn einmal kurz an unserer Schule erlebt, als er mit zwei Mitarbeitern sein HOKISA-Projekt – ein Heim für Aids-Waisen in einem Armenviertel (Township) von Kapstadt – vorgestellt hatte. „Keine Bange! Der Film hat englische Untertitel. Ich hoffe, die Bilder sprechen aber auch eine deutliche Sprache!“, brachte er nach einer kleinen Dankesrede ein und erklärte den etwa 200 Preivew-Gästen, dass wir uns nicht über Klicklaute wundern sollten. Das sei ein wichtiger Laut in der Xhosa-Sprache, die von den Schwarzen in der Kapprovinz in Südafrika verwendet werde. Und er erklärte auch, dass die Schauspielerin, die die Mutter von Themba spielt, extra 15 Kilo abgenommen hatte, um diese Rolle einer sterbenskranken Frau wirklich überzeugend vortragen zu können. Seine Art, uns auf, harte Kinokost vorzubereiten?!
Der Film „Themba“ von Lutz van Dijk handelt von Fußball, sexueller Gewalt und Aids. Der elfjährige Themba lebt mit seiner Mutter und seiner jüngeren Schwester in armen Verhältnissen in einem kleinen Dorf (East Cape, Südafrika). Sein größter Traum ist es, Fußballer zu werden. Gemeinsam mit seinen Teamkameraden schaffen sie es sogar, sich in eine nationale Liga einzuschreiben. Als die Mutter ihren Job als Teepflückerin verliert, muss sie ihn und seine Schwester im Dorf lassen, um in Kapstadt Geld zu verdienen. Der Freund der Mutter soll auf die Kinder aufpassen, tatsächlich will er sich eines nachts aber an Thembas Schwester vergreifen.
Ex-Nationaltorwart Jens Lehmann als Schauspieler
Der Bruder verhindert das, lässt sie wegrennen, wird aber nun selber vergewaltigt. Voller Verzweiflung macht sich der Elfjährige mit seiner Schwester auf den Weg, endlich seine Mutter in Kapstadt wieder zu sehen. Doch hier lauert der nächste Schock. In einem elenden Armutsviertel ist die kraftlose Mutter mittlerweile an Aids und Tuberkulose erkrankt. Um sie behandeln zu lassen, muss nun der Junge Geld verdienen. Sein Talent hilft ihm weiter: Ein Fußballscout (Jens Lehmann) hat ihn als Jugendspieler entdeckt und gefördert. In seinem ersten offiziellen nationalen Spiel schießt er ein entscheidendes Tor. Doch auf der folgenden Pressekonferenz sorgt er für eine weitere Sensation: Er gibt bekannt, dass auch er mit HIV leben muss.
Ein harter, aber auch ein Mut machender Film. Themba kann nicht nur gut Fußball spielen. Er überzeugt auch als starker Sohn, beschützender Bruder und bester Freund. Der Junge wagt einen großen Tabubruch, der sich im wirklichen Südafrika noch nicht ereignet hat. Bislang haben auch die Prominenten Angst, sich als HIV-Infizierte zu outen. Erst kämpft er ums Überleben, dann für ein besseres Leben und am Ende für ein Leben ohne Angst!
Ganz wichtig: Offen über Aids zu reden
Der Abspann ging in großem Applaus unter. Lutz van Dijk strahlte und fragte nach unseren Eindrücken. Da gab es eine Menge Lob! Vor allem für die drei Schauspieler, die Themba darstellen - als Kleinkind, Grundschüler und Jugendlicher. Und dann wurden auch viele Fragen gestellt, die etwas mit den Drehbedingungen zu tun hatten. Das Wichtigste vorweg: Van Dijk steht hundertprozentig zu der Filmfassung - „auch wenn ich auf einige mir wichtige Passagen verzichten musste“.
In dem Gespräch wurde uns allmählich klar, dass „Themba“ in Südafrika noch viel wichtiger ist. Der Film macht Mut, (öffentlich) über HIV / Aids zu reden und sich im Sinne der Betroffenen damit zu beschäftigen. Er greift Aberglauben und Unwissenheit auf – man bekommt nicht Aids, weil man ein schlechter Mensch ist, sondern, weil man ungeschützt Geschlechtsverkehr hatte. Besonders die Idee der Männer, man müsse sich „nur eine Jungfrau nehmen“, dann werde man wieder gesund, hat für viel Empörung bei uns Zuschauerinnen gesorgt.
Aids und seine gesellschaftlichen Folgen
Natürlich hatten wir im Unterricht schon über Südafrika und Aids gesprochen, als Lutz van Dijk unsere Schule besuchte. Natürlich schocken uns die ‚nackten’ Zahlen: „Dazu gehört im Falle Südafrikas die weltweit höchste Aids-Rate mit fast sechs Millionen Infizierten und rund 1000 Aids-Toten pro Tag. Nur für einen kleinen Teil der Betroffenen gibt es eine medizinische Versorgung und Medikamente. Und so sind die Auswirkungen auf das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben gravierend. Besonders Frauen und Kinder haben an den Folgen zu tragen.“ (www.mainpost.de/specials/events/africa-festival/konzertberichte , Feb. 2010).
Der Film hat uns vor Augen geführt, wie Menschen mit diesen Herausforderungen und Tragödien umgehen. Respekt! Ob wir wohl so viel Stärke aufbringen könnten? Wir wünschen dem Film jede Menge Zuschauer und gute Auseinandersetzungen– und nicht nur im WM-Jahr!
Semaran Harish, Niclas Hilkerbäumer, Aileen Liebscher, Klasse 8a, Realschule am Schloss Borbeck

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