Sehnsucht – eine Ballade
22.05.2012 | 10:17 Uhr 2012-05-22T10:17:00+0200
Essen. Die Zeus-Reporterin Julia Kummer hat ein Gedicht über die Sehnsucht nach einer heilen Familie geschrieben.
Wie jeden Morgen in der Früh,
mit Kaffeebecher und viel Müh,
steht großer Mann am Tischchen klein,
schmiert Brote für die Kinderlein.
Und ja endlich irgendwann,
kommt auch die Frau Mutter dann.
„Kinderchen, seid ihr bereit?
Denn es wird jetzt langsam Zeit!“
Der große Mann, er schmunzelt nun
Doch es gibt noch viel zu tun.
Putzen und den Hund versorgen,
und sich eine Zeitung borgen.
Und dann später um halb neun,
sein Hund, der fing schon an zu reuen,
musste dann auch großer Mann,
einmal an die Arbeit ran.
Angekommen bei Anwalt und Co.,
sind auch seine Leute froh,
denn der liebe große Mann,
kommt nun mal bei allen an.
In den Konferenzraum geht er,
tritt ein und wird belagert so sehr,
dass: Er sitzt noch kaum, hat er sofort
schon am Rednerpult das Wort.
Diskussionen allerlei,
doch auch schnell wieder vorbei.
Alle gehen zur Mittagspause,
schnell rüber zu der alten Klause.
Und wenn die Arbeit ist getan,
will er noch schnell zur Schule fahr´n.
Und als die Kinder zur Schule raus,
schreien sie: „Wir haben aus!“
Zu Haus, die Frau steht schon am Herd,
schließt in die Arme, schaut verklärt.
Die Kinder lachen ihn nun an,
weil er so toll spaßen kann.
Nachmittags, alles ist getan,
nun können sie alle Fahrrad fahren.
Einmal um den großen See,
An einer Wiese in den Klee.
Später am Abend dann,
schmeißt großer Mann den Bratrost an,
Die Kinder lieben es zu grillen,
dann können sie am Feuer chillen.
Spät abends noch, mit Wein und Fisch,
treffen sich Freunde an ihrem Tisch.
Mit dem Boot ‘ne kleine Tour,
einfach mal wieder über die Ruhr.
Das war die Geschichte des großen Mann‘,
der sein Leben genießen kann.
Nicht jeder braucht ein großes Boot,
doch träumte er sich einfach fort,
so wär´s Leben manchmal leichter,
doch so wird’s immer ausgebleichter.
Erklärung zu der Ballade „Sehnsucht“
Ich wollte mit dem „großen Mann“ den Vater darstellen, den sich viele Jugendliche wünschen. Auch die Familie, die er hat, ist für viele unerreichbar. Viele Jugendliche wachsen inzwischen in Familien mit nur noch einem Elternteil auf. Sie sind oft mehrere Stunden am Tag auf sich alleine gestellt und beschäftigen sich in Facebook oder mit dem Fernseher. Oftmals müssen sie auch noch ihre jüngeren Geschwister beaufsichtigen. Sie treiben zwar Sport, aber in den seltensten Fällen mit ihrer Familie. Mit meiner Ballade wollte ich den Idealzustand aus meiner Sicht schildern und ich bin mir sicher, dass manch ein Familienmitglied auch solche Sehnsüchte hat.
Julia Kummer, Klasse 8a, Albert-Einstein-Realschule, Essen

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