Nur Berichte über Gewalttaten Wir helfen auch der Oma Schuld ist die Sensationslust
20.04.2008 | 17:33 Uhr 2008-04-20T17:33:34+0200Von Fleiß, Talenten und Zivilcourage unter Jugendlichen wird viel zu selten gesprochen Die vielen positiven Kleinigkeiten sind zu normal und alltäglich für die Medien
BRUTAL, DUMM, VERWAHRLOST WIE SCHÜLER IN DEN MEDIEN DARGESTELLT WERDEN Über Schulen in Deutschland, bei denen die Kriminalität nur in einem geringen Umfang stattfindet, wird leider nur sehr wenig in den Nachrichten berichtet. Das heißt, dass viele Leute über uns Schüler nur Negatives unter die Nase gerieben bekommen.
Natürlich sorgt so eine Schlagzeile in manchen Nachrichtensendungen für eine hohe Einschaltquote. Das wiederum bedeutet für uns Schüler, dass wir immer wieder lesen, wie schlecht und böse wir sind.
Doch wenn die Menschen etwas genauer hinsehen würden, dann würden sie bemerken, dass es auch noch andere Schüler gibt. Diejenigen, die z. B. einer Mutter helfen, den Kinderwagen aus Bus oder Bahn zu heben. Oder auch einer alten Dame über die Straße helfen, Schüler die den Abfall nicht auf die Straße werfen und auch nicht rumgrölen.
Tim Fütterer (15) GS Holsterhausen, Klasse 8aIn den letzten Tagen und Wochen sorgten Kriminalfälle an deutschen Schulen für immer mehr negative Berichte in den Medien. Auslöser waren, nach Meinung vieler Experten, die vermehrten außerschulischen Gewalttaten, die für zahlreiche Schüler Leitbilder darstellen.
Es wird berichtet, dass ihr persönliches Fehlverhalten die Jugendlichen stolz macht und sie versuchen, bei Mitschülern dadurch Anerkennung zu erlangen. Ältere Menschen und Eltern sind erschüttert.
Doch: Es geht auch anders! Die Mehrzahl der Schüler versucht sich von den Schlagzeilen, in denen Gewalt an Schulen eines der Hauptthemen ist, bewusst zu distanzieren. Erst vor kurzem wurde wieder eine Gruppe von Schülern im Rahmen des Forschungsprojekts "Jugend forscht" für besondere Leistungen ausgezeichnet. Viele Schüler sehen es als normal an, hilfsbedürftigen Personen Hilfe anzubieten oder sich sozial zu betätigen. Diese Zivilcourage und das mutige Verhalten dieser jungen Erwachsenen wird von der Presse leider häufig nicht so stark gewichtet. Es ist das Gewaltverhalten, das betitelt wird. Dadurch wächst der Tatendrang und Stolz der jungen Kriminellen weiter, so dass dieser Kreislauf kein Ende findet. Jan Gulbins (14) Klasse 8a Gesamtschule Holsterhausen Kinder laufen in Schulen Amok. Ein 14 Jahre altes Mädchen wird von Mitschülern in die Magersucht getrieben. Jugendliche werfen Feuerwerkskörper gegen ein Altenheim.
Von all diesen erschreckenden Ereignissen kann man ständig in irgendeiner Zeitung lesen oder Berichte im Fernsehen sehen. Alte Leute machen heutzutage oft einen Bogen um Jugendliche aufgrund solch negativer Schlagzeilen.
Aber wo liest man heute noch in der Zeitung von dem Schüler, der zum Beispiel zwei Jahre lang freiwillig den Dienst als Schülerlotse übernommen hat? Oder von einer Schülerin, die nach der Schule regelmäßig für ihre Großmutter einkauft. Selten, wenn nicht nie. Junge Leser denken vielleicht, dass sie selbst uninteressant sind, wenn sie nicht schon irgendwelche gefährlichen oder verrückten Dinge getan haben. Wen interessieren schon alltägliche Tätigkeiten, bei denen man sich freiwillig für andere einsetzt? Möglicherweise motiviert gerade diese Sensationslust der Medien Jugendliche, verrückte, eventuell auch illegale Dinge zu tun. Schließlich berichten die Medien ja ständig davon. Marie Schulten 8a, GS Holsterhausen

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