"Mit Krimis im Fernsehen hat das nichts zu tun"
04.05.2008 | 14:40 Uhr 2008-05-04T14:40:00+0200Im Interview: Hauptkommissar Ralf Menkhorst vom Kriminalkommissariat 11 der Essener Polizei Durch ein imposantes Eingangstor gelangen wir in die Vorhalle des Polizeipräsidiums Essen. Mit dem Fahrstuhl fahren wir in die 3. Etage. ...
... Über lange, weiß gekalkte Gänge mit hohen Decken erreichen wir die Diensträume des Kriminalkommissariats 11 (KK 11). An den Wänden hängen Steckbriefe zurückliegender Mordfälle. Es riecht nach frisch gekochtem Kaffee. In den offen stehenden Büros arbeiten Männer hinter ihren Schreibtischen. Hier werden wir von unserem Interviewpartner, Herrn Hauptkommissar Ralf Menkhorst (41 Jahre) erwartet. Guten Tag Herr Menkhorst, schön, dass Sie sich für uns Zeit genommen haben. Wir möchten gerne ein paar Einblicke in Ihre Arbeit bekommen. Was sind Ihre Aufgaben in dieser Dienststelle und aus wie vielen Mitarbeitern besteht sie?
Menkhorst: Zu den wesentlichen Aufgaben des KK 11 gehören so genannte Todesermittlungsverfahren, Tötungsdelikte, Erpressungsdelikte, Brand-, Waffen- und Umweltdelikte sowie Arbeitsunfälle mit Lebensgefahr für den Verunglückten. Diese Aufgaben werden von 22 Sachbearbeitern und einem Dienststellenleiter wahrgenommen. Bei Tötungsdelikten werden regelmäßig Mordkommissionen gebildet.
Wann haben Sie sich dazu entschieden, zu dieser Abteilung zu gehen? Und warum?
Menkhorst: Während meines Studiums zum Kriminalkommissar lernte ich die sehr interessanten und vielfältigen Aufgabenbereiche des KK 11 kennen und wechselte 1995 zu dieser Dienststelle.
Welche Ausbildung benötigt man für die Tätigkeit bei der Mordkommission?
Menkhorst: Ich habe zunächst im mittleren Dienst der Polizei angefangen und mich später für den gehobenen Dienst mit dreijährigem Studium an der Fachhochschule qualifiziert. Das Studium habe ich 1994 als Kommissar und Diplomverwaltungswirt abgeschlossen. Das war auch Grundvoraussetzung für meine heutige Arbeit.
Wie muss man sich Ihre Arbeit vorstellen? Etwa so wie im Fernsehen?
Menkhorst (lacht): Die Arbeit der Ermittler hat nichts mit Krimis im Fernsehen zu tun. Wir müssen viel Zeit mit Büro- und Schreibarbeit verbringen. Auch bearbeitet beim KK 11 nicht ein Beamter alleine einen Mordfall. Ermittlungsarbeit ist Teamarbeit. Hierzu werden Mordkommissionen gegründet, in der bis zu 20 oder mehr Beamte an der Klärung des Falls mitwirken.
Können Sie sich noch an Ihren ersten Mordfall erinnern? Menkhorst: In genauer Erinnerung ist mir noch der erste Mordfall, an dem ich mitgearbeitet habe. Dies war der Mord an einer Geschäftsfrau in Steele im Jahr 1997. Die Tat konnte nach einigen Wochen aufgrund der am Tatort festgestellten DNA-Spuren aufgeklärt und der Täter verurteilt werden.
Was ist das für ein Gefühl, wenn man einem Mörder gegenüber sitzt?
Menkhorst: Ich habe keine Vorbehalte und kann ganz gut mit Menschen umgehen. Das ist wichtig, wenn ich einen Täter vernehme. In unserer Dienststelle muss man in der Lage sein, vorurteilsfrei mit jedem Menschen sprechen zu können. Ich trete daher auch grundsätzlich allen Tätern offen gegenüber. Die Tat verurteile ich, nicht den Menschen.
Gibt es in Essen noch ungeklärte Mordfälle? Wenn ja, besteht die Hoffnung, dass ungelöste Fälle jemals aufgeklärt werden?
Menkhorst: Leider können nicht alle Mordfälle aufgeklärt werden. Dennoch geraten sie bei den Beamten des KK 11 nicht in Vergessenheit. So berichtet die WAZ aktuell in einer Serie über ungeklärte Mordfälle. Denn Mord verjährt nie! Für uns ist der Fall erst dann abgeschlossen, wenn der Täter von einem Gericht verurteilt worden ist. Aufgrund der modernen Kriminaltechnik und anderer Ermittlungsergebnisse ist die Beweisführung in der Regel auch lückenlos.
Aus welchen Gesellschaftsschichten kommen Mörder?
Menkhorst: Generelle Aussagen über das Profil eines Mörders lassen sich nicht treffen. Sehr häufig stehen die Taten in einem engen Zusammenhang mit einer persönlichen Beziehung zwischen Täter und Opfer. Betroffen sind alle gesellschaftlichen Schichten. Die überwiegende Zahl der Täter ist männlich.
Wie verarbeiten Sie diese teilweise psychisch schwerwiegenden Eindrücke nach Dienstende?
Menkhorst: Ich kann nach der Arbeit sehr gut abschalten. Dann vergesse ich das Erlebte. Oft gelingt mir das gut, manchmal dauert es etwas. Meine Familie und andere Aktivitäten sind mir ein starker Rückhalt.
Sprechen Sie mit Ihrer Familie über die Arbeit?
Menkhorst: Im Detail sicherlich nicht. Für mich ist es in bestimmten Situationen schon wichtig, wie ein Außenstehender denkt, der nicht die Kenntnisse eines Polizisten hat. Darüber hinaus möchte ich meine Familie nicht mit meiner Arbeit belasten.
Vielen Dank. Philip Kossen Lena Schimpfke Maximilian Gajewski Klasse 8d Maria-Wächtler-Gymnasium

20:18
Tolle Arbeit ! Sich zu wagen, ist ein Schritt.
Weiter so.