Leichtes Lernen
25.05.2012 | 11:10 Uhr 2012-05-25T11:10:00+0200
Essen. Der Zeus-Reporter Felix Michalik hat sich damit beschäftigt, wie Lernen leichter werden kann.
„Man kann Kinder nicht unterrichten.“ ,, Schließlich kann man keine Vernetzungen im Gehirn machen.“, so die Worte des Gehirnforschers Prof. Dr. Gerald Hüther, Präsident der Sinn-Stiftung und Leiter der Zentralstelle für Neurobiologische Präventionsforschung der Universitäten Göttingen und Mannheim/Heidelberg. ,,Kinder lernen immer dann am besten, wenn sie eigene Erfahrungen machen dürfen und immer am wenigsten, wenn jemand glaubt, ihnen etwas beibringen zu müssen.“
Wenn wir negative Erfahrungen, zum Beispiel in der Schule, machen, dann verbinden wir auch in Zukunft diese negativen Erfahrungen mit der Schule. Indem zu schwierige oder zu einfache Aufgaben gestellt werden, oder man zum Lernen gezwungen wird, ist das Streben nach Belohnung und damit auch die Lust am Lernen zum Scheitern verurteilt. Man braucht Aufgaben, an denen man sein persönliches Interesse und seine Kreativität mit einbringen kann. Was lernt man denn aus langweiligen Vorträgen, für die man sich nicht interessiert? Man muss seine eigenen Erfahrungen machen, etwas ausprobieren.
Beim neuen Entfalten von Kreativität können uns unsere negativen Erfahrungen, die wir durch Unlust und Langeweile gemacht haben, nur behindern. Daher ist es wichtig, immer wieder neue Begeisterung aufzubringen. Es kann nicht erwartet werden, dass man an allem Spaß haben muss. Hausaufgaben, Lernen – das muss keinen Spaß machen, schon gar nicht jeden Tag, aber ist es nicht deutlich einfacher wenn man seine Hausaufgaben mit Zuversicht anpackt, als wenn man sich schon vorher einredet, dass man keine Lust dazu hat und scheitern wird?
Manchmal ist es schwerer, sich einer Sache anzunehmen, aber dann ist man am Ende stolz auf das was man geschafft hat. Wenn wir Lernen mit Begeisterung verbinden können, dann können wir leicht lernen. Deshalb lernen Schüler mit guten Noten meist viel leichter. Denn ihr Erfolg ,,beflügelt‘‘ sie und dann wollen sie sich immer öfters beweisen. Schüler mit schlechteren Noten schalten dagegen manchmal schon, wenn sie die Aufgabenstellung hören, ab oder haben Angst sich zu melden, obwohl sie vielleicht die richtige Antwort kennen – und das nur, weil sie irgendwann einmal die Erfahrung gemacht haben, dass sie eine falsche Antwort gegeben haben. Aus diesem Grund müssen auch Aufgabenstellungen dem Lernstand der Schüler angepasst sein. Denn nur dadurch kann man ,,beflügelt‘‘ werden.
Zusätzlich muss Bildung einen ,,Sinn‘‘ für uns ergeben. Bildungsangebote müssen bedeutsam und wichtig sein. Sie müssen für den praktischen Lebensalltag von Nutzen sein. Wenn wir wissen, für was wir Lernen, dann fällt uns diese Begeisterung wieder ein Stück einfacher. Wenn wir das tun, den ,,Sinn‘‘ hinter dem Lernen verstehen dann lernen wir auch für unser Leben. Das bedeutet, wir nehmen einmal benutzte Verbindungen von Gehirnzellen öfter. Jede dieser Gehirnzellen hat eine Erfahrung gespeichert und wenn wir sie verknüpfen, dann können wir daraus Schlüsse ziehen, zum Beispiel, das 1+1=2 ist. Man kann sich diese Verknüpfungen wie einen Weg vorstellen. Beim ersten Mal müssen wir uns durchs Unterholz kämpfen, doch wenn wir diesen Weg immer wieder gehen, dann entsteht ein Trampelpfad, den wir viel schneller und viel einfacher benutzen können. Genauso ist es bei 1+1. Diesen Weg haben wir schon oft benutzt und wir kennen die Lösung viel schneller als beim ersten Mal. Doch damit wir einen Weg immer wieder benutzen, brauchen wir wieder diese Begeisterung.
Vor allem Bewegung ist für Spaß und Begeisterung wichtig. Wenn wir uns bewegen, dann werden Glückshormone frei gesetzt, die für Spaß und Begeisterung sorgen. Manchmal ist es aber auch so, dass es in den Energiebahnen des Körpers ,,Verstopfungen“ gibt, so dass unsere Energie gar nicht mehr zum Gehirn gelangt. Dabei kann dann manchmal Kinesiologie (griech.: Lehre der Bewegung) helfen. Kinesiologie vereint Erkenntnisse aus Pädagogik, Neurowissenschaft (Gehirnforschung), chinesischer Energielehre und westlicher Medizin. Sie ist damit geeignet, Denken, Fühlen und Handeln optimal zu vereinen.
Ein Bereich der Kinesiologie ist Brain-Gym. Das sind, wie der Name schon sagt, Übungen für das Gehirn. Die wohl einfachste Brain-Gym-Übung ist das Wasser trinken. Unser Gehirn besteht nämlich zu circa 90 Prozent aus Wasser. Das Weitergeben von Informationen im Gehirn geschieht auf elektrischem und chemischen Weg.
„Dass diese Übung essenziell wichtig für gutes Denken ist, ist kaum verwunderlich“ , sagt die Kinesiologin Iris Michalik. Eine weitere Übung sind Überkreuzbewegungen. Unser Gehirn besteht aus zwei Gehirnhälften, die unterschiedliche Aufgaben haben, diese müssen aber trotzdem gut zusammenarbeiten, damit Geist und Körper harmonieren. Dabei können uns Überkreuzbewegungen helfen.
Man sieht, dass leichteres Lernen aus Begeisterung und Spaß kommt. Leider wird trotz dieser Erkenntnisse in vielen Schulen Deutschlands ,,falsch‘‘ unterrichtet. Spaß und Begeisterung werden von Sport unterstützt. Eine gute Möglichkeit, schulische Probleme zu beheben, kann die Kinesiologie sein. Denn schulischer Misserfolg muss nicht unbedingt daher kommen, dass man etwas nicht kann, sondern oft auch daher, dass es irgendwo eine Blockade gibt, die es uns schwer macht, von unserem Wissen Gebrauch zu machen.
Felix Michalik, Klasse 8a, Carl-Humann-Gymnasium, Essen

0mitdiskutieren