Mobbing

Ein Phänomen ,,geht online“

22.05.2012 | 16:01 Uhr
Ein Phänomen ,,geht online“
Am 08.04.2011 sitzt die 14-jährige Schülerin Petra K. (Name geändert) vor dem Kinder- und Jugendpsychiatrischen Krankenhaus in Marsberg. Hier wurde das junge Mädchen, nachdem es im Internet gegen Mitschülerinnen gemobbt hatte mehrere Wochen betreut. Cyber-Mobbing nimmt einen immer größer werdenden Raum ein und gilt unter Psychologen als moderne Krankheit. Foto: Matthias Graben / WAZ FotoPool

Essen.   Die Zeus-Reporterin Josefine Hirdes erklärt, was hinter Cyber-Mobbing steckt.

Nadine S. öffnet ihren Account bei Facebook. Auf der Startseite prangt eine neue Meldung – ,,Nadine ist eine Schlampe“.

Wie Nadine geht es tausenden Jugendlichen in Deutschland. Umfragen zu Folge ist jeder Dritte schon einmal Opfer von Cyber-Mobbing gewesen.

Cyber-Mobbing - ein Phänomen, das mittlerweile aus dem Web nicht mehr wegzudenken ist. Das Mobbing in der Schule verlagert sich ins Netz, wo es eskaliert und unkontrollierbar wird. Durch diskriminierende Bilder, Videos und Texte wird das Opfer öffentlich zur Schau gestellt, beleidigt, angegriffen und belästigt. Meist über einen langen Zeitraum.

Treffen kann es jeden zu jederzeit – ob per SMS und Chat oder auf Foren, Videoportalen, Blogs, Webseiten und vor allem in sozialen Communities wie zum Beispiel Facebook. Das Internet saugt Informationen auf, vervielfältigt sie rasend schnell und behält sie für immer.

Das Rollenverhalten bleibt beim Cyber-Mobbing bestehen. Es gibt Täter, Opfer, Wegschauer und Mitakteure. Anders als beim realen Mobbing werden jedoch Grenzen noch extremer überschritten. Aus der (scheinbaren) Anonymität heraus traut sich der Täter mehr – er muss Niemandem etwas ins Gesicht sagen. Die emotionale Reaktion des Opfers bekommt er nicht unmittelbar mit.

Aus anfänglichem Spaß wird Ernst, da sich immer mehr Leute einmischen.

Bei „direktem“ Mobbing, wie Schlägen etc. bieten die eigenen vier Wände Schutz. Dagegen wird man von Angriffen im Internet auch zu Hause verfolgt, rund um die Uhr und sie enden nie.

Die Betroffenen sind häufig zu tiefst verzweifelt, hilflos und wissen keinen Ausweg. Sie leiden, sind verängstigt, ziehen sich zurück. Das Selbstwertgefühl ist „im Keller“. Mittlerweile sind Depressionen und sogar Suizid als schwerwiegende Folgen intensiven Mobbings keine Seltenheit mehr.

Ignorieren hilft nicht. Ein Austritt aus der digitalen Welt bedeutet für viele auch eine massive Einschränkung der Lebensqualität.

Gesetze gegen Cyber-Mobbing helfen dabei nur bedingt. Die Täter sind meist minderjährig und somit nicht strafmündig.

Dennoch drohen in Deutschland kostenpflichtige Abmahnungen, Schadensersatzklagen und andere strafrechtliche Konsequenzen.

Selbstverständlich ist, dass dem Mobbing im Internet entgegengewirkt werden muss. Lehrer und Eltern sind dabei häufig überfordert und sehen keine Möglichkeit zu helfen. Deshalb gibt es inzwischen mehrere, von Psychologen entwickelte Programme und Lehrgänge für Schulen, die zu einem verbesserten Schutz in der medialen Welt führen sollen. Die Medienkompetenz der Schüler soll erhöht und so Mobbing vorgebeugt werden. Die Projektgründer stellen dabei nicht einfach nur Informationen online. Sie gehen aktiv an Schulen und bilden Schüler und Lehrer während der regulären Unterrichtszeit fort. Diese Lehrgänge stärken das Selbstwertgefühl der Schüler, erhöhen die Empathie und erzielen so eine Verringerung des Mobbings.

Josefine Hirdes, Klasse 9a, Carl-Humann-Gymnasium, Essen

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