Für die einen Verunstaltung und Sachbeschädigung, für die...

Graffiti – Schmiererei oder Kunst?

12.11.2007 | 17:24 Uhr
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Graffiti – Schmiererei oder Kunst?

Ennepetal. Kaum eine Erscheinung der heutigen Jugendkultur erregt soviel Aufmerksamkeit wie Graffiti. „Graffiti: Moderne Kunst oder Sachbeschädigung?” – Dieser Frage gingen Philipp Kratochwil und Christoph Schilling nach.

Egal ob „Tags” an den Wänden oder „Scratchings” an Bus- oder Zugscheiben – Die Meinungen über die „moderne Kunst” sind sehr umstritten. Was die einen als Kunst betrachten, ist für die anderen nichts als Schmiererei.

Info
HINTERGRUND

Persönlicher Schriftzug

  • „Graffiti” (Einzahl: Graffito) ist laut Fremdwörterbuch eine auf Wände, Mauern oder Fassaden gesprühte, gespritzte oder gemalte Darstellung.
  • Ein „Tag” ist der persönliche Schriftzug eines Sprayers, den er am Graffiti hinterlässt.
  • Absichtliches Zerkratzen von Glas-, Plastik- oder Farboberflächen heißt „Scratching”.

Für die meisten Jugendlichen gehören Graffiti zum Leben dazu. „Ein Bahnhof ohne Graffiti ist doch eigentlich kein Bahnhof, oder?”, beschreibt ein Jugendlicher. Viele andere Jugendliche teilen diese Meinung. Aber natürlich möchte keiner gerne ein Graffiti an seinen eigenen vier Wänden haben.

Man sah in den 70er Jahren die ersten Graffiti und ihre Verbreitung in den darauffolgenden Jahren. Die Entwicklung einer lebendigen Graffiti-Szene ist seit Mitte der 1980er Jahre in jeder europäischen Großstadt wahrzunehmen. Seitdem verbreitet sich diese „Kunst” immer weiter, und die Zahl der Graffiti ist seither enorm gestiegen. Mittlerweile sind sie in jeder Stadt Deutschlands zu sehen.

Aber was reizt so viele Jugendliche dazu, diese Tags illegal an Wänden, Scheiben etc. zu verbreiten? „Der Platz und die Dreistigkeit”, antwortet ein aktiver Sprayer. „Die illegalen Plätze sind meistens besser zu sehen und bringen damit mehr Anerkennung. Das mit der Dreistigkeit ist so ein anderes Ding: Es ist reine Provokation und Machtausübung, an fremden Wänden zu malen. Und wer will nicht provozieren und Macht besitzen?”

Es gibt aber auch legale Graffiti für Verschönerungen und auch Graffiti-Wettbewerbe, wo die Sprayer ihr Können zeigen. Viele Sprayer sprayen auch, weil sie sich selbst als Künstler sehen und versuchen, mit ihren Bildern Ruhm zu erlangen. Doch die meisten Erwachsenen teilen diese Ansicht der „modernen Kunst” nicht. Für sie ist es Vandalismus, Sachbeschädigung und Verunstaltung ihrer Umgebung. Einige Menschen fürchten sich sogar davor, weil sie Graffiti mit Kriminalität verbinden.

Die Graffiti am Haus Ennepetal gehören zu den wenigen legalen "Kunstwerken" in Deutschland. (ZEUS-Bild)

Was gar nicht mal so falsch ist: Strafrechtlich kommt eine Sachbeschädigung in Betracht, die auch mit einer Freiheitsstrafe sanktioniert werden kann. Weitere mögliche Straftatbestände können sich aus der Verletzung des Eigentumrechts sowie durch Gefährdung des Straßen- und Eisenbahnverkehrs bei Bemalung von Verkehrszeichen, -schildern und -signalen ergeben. In vielen Städten gibt es polizeiliche Sonderkommissionen gegen Graffiti, die die Sprayer strafrechtlich verfolgen, indem sie die Tags fotografieren, vergleichen und die Anzeigen der Bürger sammeln. Fakt ist, dass es immer geteilte Meinungen über Graffiti geben wird. Die Leute müssen wohl weiterhin damit leben, da man Sprühdosen nicht verbieten und Sprayer nicht zwingen kann, ihren Lebensstil aufzugeben.

Philipp Kratochwil und Christoph Schilling, Klasse 8b, Reichenbach-Gymnasium Ennepetal.

ZEUS

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