Konzert

Es begann mit einer Pause

23.12.2011 | 12:15 Uhr
Es begann mit einer Pause
Diese kleine Orgel spielt die nächsten 629 Jahre lang ein Stück des verstorbenen amerikanischen Komponisten John Cage. Seit 10 Jahren läuft das Konzert und ist inzwischen beim 11 Tonwechsel angelangt. Foto Jakob Studnar - fotopool

Halberstadt.   In Sachsen-Anhalt wird bereits seit zehn Jahren das langsamste Musikstück der Welt gespielt. Erst im Jahr 2640 soll der letzte Ton erklingen.

Seit dem 5. September 2001 wird in Halberstadt in Sachsen-Anhalt das langsamste Musikstück der Welt aufgeführt. Die von John Cage im Jahre 1985 noch für Piano komponierte achtseitige Partitur trägt den Namen Organ²/ASLSP, wobei ASLSP auch gleichzeitig das Motto des Stückes ist: as slow as possible, so langsam wie möglich.

Aber wie langsam ist so langsam wie möglich? Diese Frage wurde auch 1997 bei einem Orgelkongress in Trossingen gestellt. Mit der Zeit entwickelte sich ein Projekt, das in der ganzen Welt Aufsehen erregte. Als Aufführungsort wurde Halberstadt ausgewählt, dort wurde 1361 im Halberstädter Dom die erste Großorgel der Welt gebaut, also liegt in Halberstadt eine Grundlage der modernen Musik.

Damit wurde dann auch die Frage der Länge des Werkes beantwortet: 2000 sollte das Orgelspiel beginnen, 639 Jahre nach dem Bau der Orgel im Dom. Man beschloss diese Zahl als Länge des Stückes festzulegen. Leider kam es dann zu einer Verzögerung und das Orgelspiel konnte erst am 5. September 2001 (der John Cages 89. Geburtstag gewesen wäre) beginnen. Es begann mit einer Pause, die eineinhalb Jahre dauerte, bevor dann am 5. Februar 2003 der erste Ton erklang. Dieser Ton wurde wiederum bis zum 5. Juli 2004 durchgespielt, dann erfolgte der erste Klangwechsel.

Sandsäcke auf der Orgel

Wird ein Ton gespielt, werden die entsprechenden Orgeltasten für die Dauer des Tones mit Sandsäcken beschwert. Betritt man die Kirche, hört man die ganze Zeit nur diesen einen Ton. An der Wand hängen Metalltafeln mit Texten darauf. Für eine Spende von mindestens 1000 Euro an die John Cage Stiftung kann man sich ein Klangjahr reservieren und es wird eine dieser Metalltafeln mit einem Text seiner Wahl in der Burchardikirche angebracht. Bis zum Jahre 2091 sind schon alle Klangjahre reserviert, danach aber auch schon ziemlich viele.

Die Menschen finden dieses Projekt toll: Jedes Jahr kommen viele Besucher nach Halberstadt, vor allem zu den Klangwechseln. Allein 2010 waren um die 10 000 Besucher da. Natürlich hofft man, dass das Stück bis zum Ende durchgespielt werden kann und noch viele weitere Besucher dazu kommen. Bis zum vorraussichtlichen Ende 2640 ist ja noch ein wenig Zeit.

Sarah Weber, Klasse 8d, Landfermann-Gymnasium, Duisburg

Zeus-Reporterin

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