Duisburg

Autor erzählt Schülern über Mülheim im Zweiten Weltkrieg

27.11.2007 | 20:17 Uhr

Hans-Werner Nierhaus stellte den Achtklässlern des Landfermann-Gymnasiums sein Buch vor

Hans-Werner Nierhaus, Autor des Buches "Die Stadt Mülheim an der Ruhr und der Zweite Weltkrieg", hat die Klasse 8e des Landfermann-Gymnasiums besucht. ZEUS-Reporter Jens Wischnewsky berichtet, was er bei dem Besuch über Mülheim in der Zeit während und nach dem Zweiten Weltkrieg erfahren hat:

Mülheim war, auch wenn es jetzt verdrängt wird, eine Hochburg des Nationalsozialismus. Aus Mülheim kam viel Geld, das unter anderem auch zur Finanzierung von Kriegen verwendet wurde. Außerdem gab es in Mülheim die Geheime Staatspolizei, kurz Gestapo, welche die Bürger überwachte und mögliche Verbrecher im Voraus festnehmen konnte, selbst wenn diese sich noch nichts zu Schulden kommen ließen. Es gab auch Heldenfriedhöfe, wo die Menschen lagen, die für ihr Vaterland gestorben sind. Aber war das alles wirklich so?

Mülheim hatte einen ziemlich großen Aktienbesitz, war relativ reich. Irgendwann missfiel der Regierung der Aktienhandel, der bald gesetzlich verboten wurde. Im nächsten Schritt mussten alle Aktien verkauft und das daraus erhaltene Geld in Staatsanleihen investiert werden. Also floss, ob freiwillig oder gezwungen, alles verfügbare Geld in die Staatskasse und wurde auch zu Kriegszwecken verwendet.

In Mülheim gab es die mysteriöse Gestapo, die Angst und Schrecken verbreitete, obwohl niemand wirklich wusste, was es mit dieser auf sich hatte. Man könnte genau so gut einem Elefanten erzählen, dass über ihn die allmächtigen Mäuse wachen, und schon fürchtet er sich vor Mäusen. In Wirklichkeit gab es in Mülheim nämlich nur zwei Beamte der Gestapo und diese kümmerten sich auch nur um die Verwaltung.

Was hatte es mit den Heldenfriedhöfen auf sich? Jeder, der bei einem Bombenangriff oder ähnlichem durch Feinde ums Leben kam, wurde zum Helden erklärt und hatte das Recht auf einen Platz auf solch einem Friedhof. Einmal ist ein Junge bei dem Versuch, nach einem Bombenangriff die letzten Überbleibsel des Familienbesitzes zu bergen, gestorben. Danach wurde er durch die Propaganda der Regierung zum Helden erklärt, der für Führer und Vaterland gestorben ist, und unter Aufmarsch von Soldaten und zum Klang von Salutschüssen beerdigt.

Im Großen und Ganzen wurde das meiste durch Propaganda so präsentiert, wie die Regierung es brauchte. Das, was die Bürger glaubten, musste nicht unbedingt der Realität entsprechen. Das einzige, dessen man sich sicher sein konnte, war, dass man sich niemals sicher sein konnte.

Jens Wischnewsky Klasse 8e, LFG

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