Ganztag

Als Turboesser durch den Alltag

09.12.2011 | 16:06 Uhr
Als Turboesser durch den Alltag
In einer Stunde müssen über 1000 Schüler ihr Mittagessen bekommen. Ist die Mensa jedoch zu klein für alle Schüler, bleibt nichts anderes übrig, als zum „Turboesser“ zu mutieren. Foto: Kerstin Kokoska/WAZ FotoPool Essen

Duisburg.   Seit diesem Schuljahr gilt die Regel: Wer das Ganztagangebot einer Schule nutzt, hat ein Recht auf eine einstündige Mittagspause. Das klingt sinnvoll. Bringt für die Schüler aber eine Menge Stress. Denn das Essen muss schnell vertilgt werden, um rechtzeitig in den Nachmittagsunterricht zu starten.

Es ist Mittag, die Schule ist aus, der Schüler geht nach Hause, dort wartet schon ein deftiges Mittagessen.

Klingt gut, oder? In der h eutigen Zeit schon fast zu gut. Denn seit der Nachmittagsunterricht an vielen Schulen in Nordrhein-Westfalen weiter ausgebaut wurde, kommen die Schüler erst spät nach Hause.

Noch später wird dies nun, da seit Beginn des Schuljahres 2011/12 in NRW die Regel gilt, dass jeder Schüler an einer weiterführenden Schule eine einstündige Mittagspause machen muss, wenn er am Nachmittag noch Unterricht hat.

Zwar klingt es vernünftig, die Kinder vor Ort für den zweiten Teil des Schultages zu stärken, doch Zeus-Reporter Simon hat sich umgehört und herausgefunden, dass die Idee gar nicht so leicht umzusetzen ist.

Das erste Problem besteht darin, dass es eine Mittagspause erst geben kann, wenn eine Mensa gebaut ist, in der alle Schüler essen können.

Ein großer Teil der Schüler ist allerdings strikt gegen diese Regelung. So sagt ein Schüler:

„Es hat bis jetzt doch auch ohne größere Unterbrechungen mit dem Nachmittagsunterricht geklappt, warum sollte das jetzt plötzlich anders sein?“ Manche sehen allerdings auch Vorteile: „Einerseits finde ich es natürlich schlecht, so spät nach Hause zu kommen, andererseits ist es gut, dass man die Unterbrechung zum Abreagieren hat“, meint Landfermann-Schüler Alexander Gehl.

Doch schon die Planung bereitet Probleme: An großen Schulen können die Mensen nicht so gebaut werden, dass genügend Schüler darin Platz finden.

So auch am Landfermann-Gymnasium: Die Schule hat über 1200 Schüler – in die Mensa passen jedoch nur knapp 75.

Da drängen sich die Fragen auf: Wie schnell sollen die Schüler essen, damit alle „dran kommen“? Was sollen sie nach dem Turboessen in der Schule anfangen?

Natürlich besteht die Möglichkeit für Aktivitäten auf dem Schulhof.

Viele Schüler machen nach dem Essen schon ihre Hausaufgaben. Das ist sicherlich eine sinnvolle Lösung – nicht jedoch für Schüler die nicht viel auf haben.

Auch Freizeitaktivitäten außerhalb der Schule werden in Mitleidenschaft gezogen. Um fünf Uhr beim Fußballtraining zu sein, ist durch die langen Schultage längst unmöglich.

Einige Politiker schlagen deshalb vor, dass die Vereine erst später mit dem Jugendtraining beginnen. Für die Schüler würde dies jedoch bedeuten, dass sie den Tag noch später beenden und zur Ruhe kommen können.

Ob das Sprichwort: „Voller Bauch studiert nicht gern“ sich am Ende bewahrheitet und der Mittagspausenzwang sinnlos war, wird sich in Zukunft noch zeigen.

Zeus-Reporter Simon Gidlewitz, Landfermann-Gymnasium, Klasse: 8e, Duisburg

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