"Ich brauchte was zum Abschalten"
31.10.2009 | 07:00 Uhr 2009-10-31T07:00:00+0100
Marsberg. „Ich brauchte was zum Abschalten”: Ein Zeus-Reporter berichtet über seine Erfahrungen im Drogensumpf.
Drogenkonsum ist ein ziemlich häufiges Thema. Viele Menschen in Deutschland und in der Weltbevölkerung nehmen Drogen. Meist versuchen diese Leute, ihre Gefühle mit Drogen zu überspielen, Ansehen in Gruppen zu bekommen oder abzuschalten und somit den Tagesablauf etwas erträglicher zu gestalten.
Auch ich nahm oft Drogen zu mir, meist Cannabis (Gras, Green, Friend) oder auch mal Pilze (Magic Mushrooms).
Meine Erfahrungen waren schlimm genug, um davon abzuraten, irgendeine Art von Drogen zu konsumieren.
Ich wuchs mit Drogen auf, nahm sie zunächst nicht zu mir, lebte aber in einem Umfeld, in dem Drogen zum Tagesablauf gehörten. Höchstwahrscheinlich dachte ich mir, ich könnte es genauso machen, wie ich es abgeguckt hatte. „Es ist ja ganz normal, so etwas zu nehmen”, waren wahrscheinlich die Worte, die ich mir dachte, als ich das erste Mal Shit (Pice, Brown, Dreck) rauchte.
Müde und unmotiviert
Die Wirkung trat schnell ein und ich wurde nur scheinbar zufriedener, ruhiger und hatte mehr Spaß an Dingen, die ich vorher nicht mochte. Die Wirkung von Cannabis war fast gleich, doch noch etwas beruhigender und ich bekam mehr Unlust, etwas zu machen.
Anfangs konsumierte ich noch im Rahmen, doch nach und nach passierten Dinge, die mich veranlassten, noch mehr zu nehmen. Ich flog von der Realschule auf eine Hauptschule und auch wenig später von der Hauptschule auf eine Sonderschule für „schwer erziehbare” Jugendliche.
Der Shit wurde weggelassen, doch ich nahm immer mehr Cannabis zu mir. Die Folgen bemerkte ich schnell. Anfangs spielte ich noch gerne Fußball, was mir aber leider irgendwann nicht mehr gelang, da ich durch das Cannabis sehr müde und unmotiviert wurde.
Ebenfalls nahm ich an Körpergewicht zu, da ich nach der Wirkung einen „Fresskick” geschoben habe. Da ich also kaum was machte, bekam ich immer mehr Langeweile, was mich dann dazu trieb noch mehr zu konsumieren, bis es irgendwann ca. drei Gramm (ca. 15 Euro) pro Tag wurden, mal mehr, mal weniger. Ebenfalls fing ich an, kriminell zu werden, was mir nicht schwer fiel, da ich ja high war.
Ich bestahl meine Pflegeeltern, flog immer wieder auf, doch es hinderte mich nicht, noch mehr Taten zu begehen. Ich habe meistens nicht alleine konsumiert, sondern mit „Freunden”, die meist auch den „Stoff” ranholten.
Falsche Freunde
Heute bin durch meine kriminellen Taten im Maßregelvollzug und bin froh darüber, dass ich hier sein kann, um zu lernen, wie man im Leben klar kommt, ohne kriminell zu werden. Was mich immer wieder ärgert, ist, dass sich meine damaligen „Freunde” immer noch nicht gemeldet haben.
Ich bin jetzt seit ca. zwei Jahren in der Forensik und hoffe, dass ich bald wieder nach draußen zu meiner Familie kann, ohne Drogen zu konsumieren oder irgendwelche kriminellen Taten zu begehen.
Julian Bendel, Klasse 10, Schule am Bomberg, Marsberg

18:13
Hut ab! Ich hätte mich bestimmt nicth getraut so offen über Drogen zu reden, wenn ich sie selbst konsumiert habe. Freut mich, dass du den Weg zur Realität wiedergefunden hast! ;D
08:48
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