77 Stunden in der Woche wird geprobt
10.11.2008 | 17:19 Uhr 2008-11-10T17:19:00+0100Bochum. Ein ganz normaler Tag einmal völlig anders: Im Bochumer Stadtarchiv gewährten die Schauspieler uns ZEUS-Nachwuchsreporterinnen - Marie Becker (15) und Lisa Tschöpe (15) - einen Einblick in die Bühnenwelt rund um „TheaterTotal”.
Eine Bücherei? Das ist das Erste, was wir denken, als wir das Stadtarchiv betreten. Ringsum stapeln sich Büchertürme. Sofort erklärt uns eine Schauspielerin, was es mit den Büchern auf sich hat. Diese werden für die nächste Performance im Herbst gebraucht: Naturblatt. Die Aufführung, für die schon jetzt eifrig geprobt wird, startet am 17. November. Die Schauspieler touren mit ihrem Theaterstück quer durch Deutschland und besuchen unter anderem auch Schulen.
Um 9 Uhr kommen die 28 Schauspieler mit ihrer Regisseurin Barbara Wollrath-Kramer zusammen und beginnen ihren Arbeitstag mit dem Aufwärmtraining. Plötzlich wird es ganz still. Die Gruppe beginnt mit den Konzentrations- und Reaktionsübungen. Die Konzentrationsübungen nagen an den Kräften, erklärt uns eine Schauspielerin später. Teilweise muss man sich zwei Stunden lang auf seine Füße konzentrieren. Selbst wenn man nur kurz abwesend sei, bemerke es die Regisseurin sofort.
Danach wird die Choreographie geprobt, die bei einem Tennisclub aufgeführt wird. Für dieses Event üben die Akteure verschiedene Tänze mit Tennisutensilien ein. Es ist erstaunlich, was man mit Tennisschlägern alles machen kann. Sie werden in Musikinstrumente, Tabletts und Pistolen verwandelt.
Beim gemeinsamen Mittagessen im Hauptgebäude dürfen wir einen Blick hinter die Kulissen werfen. Jeden Tag wird das vegetarische Essen von drei bis vier Gruppenmitgliedern unter der Aufsicht eines Chefkochs selbst zubereitet. Die Köche wechseln jeden Tag, der Chefkoch nicht.
Beim Essen wird uns berichtet, dass die Schauspieler eigentlich keine Freizeit haben: Sieben Tage in der Woche wird von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends gearbeitet. Da bleibt keine Zeit für andere Aktivitäten oder Hobbys. In der zweistündigen Mittagspause kann man höchstens für die kommende Woche einkaufen gehen.
Ebenfalls erzählen uns unsere Betreuerinnen, dass ihre Gruppe erst seit vier Wochen in der jetzigen Form besteht. Ein Jahr bleiben sie zusammen und gehen dann ihre eigenen Wege. Bei diesem Projekt bekommen sie einen ersten Einblick in die Schauspielerei und wissen danach, ob sie diesen Berufszweig wirklich einschlagen wollen.
Während der Hausführung sehen wir die Kostüme des bekanntesten Stückes von TheaterTotal: der Dreigroschenoper. Dieses Theaterstück wurde vergangenes Jahr aufgeführt - ein voller Erfolg.
Nach dem Mittagessen werden Ideen für die Performance „Naturblatt” besprochen.
In Schwarzlicht getaucht
Beeindruckend ist, dass nicht nur die Regisseurin das Sagen hat, sondern auch die Schauspieler Vorschläge machen können. Dann wird die Bühne in Schwarzlicht getaucht. Die Schauspieler bekommen weiße Papierbögen und üben Figuren ein: Vögel fliegen über die Bühne, Mauern werden aufgebaut und eingerissen - alles nur mit Papier. Danach wird noch einmal die Choreographie geprobt. Viel Zeit haben die Schauspieler nicht mehr.
Auch wenn es uns anders lieber gewesen wäre, aber dieser interessante Tag geht langsam zu Ende. Während wir die Rückreise antreten, müssen die Schauspieler noch ganze fünf Stunden bleiben und an ihrer Choreographie feilen. Kein leichter Job, auch wenn es auf der Bühne immer so leicht erscheint.

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