Herr Lehrer: Setzen, sechs!
18.05.2010 | 15:17 Uhr 2010-05-18T15:17:00+0200
Bottrop. Es ist der Traum mehrerer Schüler-Generationen: Seitdem die Internetseite „Spickmich.de“ in Betrieb ist, können Schüler ihre Lehrer bewerten. Sie können ihnen ein Zeugnis ausstellen. Öffentlich und für alle einsehbar. Im Internet halt. Der Ansturm auf die Seite war besonders zu Beginn enorm.
Das Lehrerzeugnis enthält „Motivation“, „Qualität des Unterrichts“ und „Notenvergabe“, zudem aber auch das „Aussehen“ und die „Coolness“. Längst ist das Geschrei groß: Ist so eine öffentliche Bewertung moralisch in Ordnung? Zwei Zeus-Reporter vom Willy-Brandt-Gesamtschule haben sich genau diese Frage gestellt. Und sie kommen spannenderweise zu zwei unterschiedlichen Antworten.
Ihr vertretet noch eine ganz andere Meinung? Dann diskutiert hier mit uns und nutzt die Kommentarfunktion unter diesem Artikel!
Zeus-Reporterin Vanessa Linne spricht sich gegen „Spickmich“ aus:
Als es kürzlich im Unterricht um die populäre Internetseite „Spickmich.de“ ging, haben alle sofort angefangen aufgeregt zu diskutieren. Ein paar meiner Schulkollegen sind dort angemeldet. Ich persönlich bin gegen diese Seite.
Anhand einiger Beispiele will ich klar machen, dass wir Schüler uns von dieser Seite fern halten sollten. Mir ist klar, dass Seiten wie „Spickmich.de“ sehr reizvoll sind, weil jeder von uns seine freie Meinung äußern kann. Trotzdem sollten wir Meinungen sachlich darstellen und nicht, wie viele die dort angemeldet sind, beleidigend werden. Wir finden es doch auch nicht gut, wenn uns jemand im Internet beleidigt und es jeder lesen kann.
Seiten wie „Spickmich.de“ fördern nicht unbedingt das Verhältnis zu unseren Lehrern, mit denen wir den ganzen Tag verbringen. Wir sehen die Lehrer mehr Stunden am Tag als unsere eigenen Eltern. Ich glaube nicht, dass es dann gut ist, wenn unsere Lehrer kein Vertrauen zu uns haben. Des Weiteren bewerten wir die Lehrer danach, welche Noten sie uns geben.
Wir sollten uns alle bewusst sein, dass jeder von uns selbst verantwortlich für seine Noten ist.
Stellt euch mal vor, ein Lehrer würde euch eine Vier oder Fünf geben, nur weil ihr rumgezickt habt. Würdet ihr das gerecht finden? Ich glaube nicht. Wir sollten uns vielleicht über die Folgen dieser Seite und unserer Taten bewusst werden. Stellen wir Materialien wie Fotos, Videos oder Tonaufnahmen ins Internet, ist diese Tat eine Verletzung der Privatsphäre, wenn die betroffenen Personen, in unserem Fall unsere Lehrer, nichts davon wissen und keine Erlaubnis gegeben haben. „Spickmich.de“ könnten wir somit als Versuchung für uns sehen, da Lehrer, die Material von sich und mit ihnen dort finden, uns anzeigen könnten.
Jedes Mal, wenn ihr auf eure Lehrer sauer seid und sie auf „Spickmich.de“ bewerten wollt, fragt euch, ob ihr Schlechtes über euch im Internet sehen oder hören wollt. Redet lieber persönlich mit ihnen.
Vanessa Linne, Klasse 10e, Willy-Brandt-Gesamtschule Bottrop
Zeus-Reporterin Malika Schmitz spricht sich für „Spickmich“ aus:
Ich halte die Bewertung von Lehrern im Internetportal „Spickmich“ für äußerst sinnvoll. Auch wenn diese Art der Lehrerbewertung sehr umstritten ist und schon für einige Diskussionen gesorgt hat. Aber ich denke, dass sie eine große Hilfe sein kann, sowohl für Schüler als auch für die unterrichtenden Lehrer. Bei positiven und negativen Feedbacks bekommen sie so zum Beispiel Anerkennung oder können an der Verbesserung ihres Unterrichts arbeiten.
Und es ist doch gut für sie, wenn sie Auskunft darüber erhalten, was sie an ihrem Unterricht und ihren Lehrmethoden noch verbessern sollten. Und Anerkennung steigert das Selbstwertgefühl. Dadurch wird auch der Unterricht wesentlich qualitativer, was wiederum den Schülern zugutekommt.
Außerdem werden die Schüler selbst ja auch ständig beurteilt. Da wäre es doch nur gerecht, wenn auch den Schülern eine Bewertung erlaubt ist. Damit würde es dann zu einer Gleichberechtigung kommen. Und warum sollten Schüler schlechter bewerten können als die Lehrer, von denen sie lernen? Das wäre den Schülern gegenüber nur fair, denken Sie nicht auch?
Wenn man mal so nachdenkt wird klar, dass auch ein gewisses Qualitätsbewusstsein für gute Arbeit entsteht. Für die Schüler ist es doch auch von Vorteil, wenn beide Parteien mehr Wissen über wahre Qualitäten haben.
Dazu muss man natürlich sagen, dass nicht alle Schüler auch nach Qualität urteilen, sondern die Bewertung maßgeblich vom Beliebtheitsgrad abhängig machen, etwa von den erhaltenen Noten.
In diesem Punkt sollten die Lehrer ihren Schülern schon etwas Vertrauen entgegen bringen, schließlich könnten die Lehrer ihre Noten ja ebenfalls nach der Sympathie zum Schüler vergeben. Und habe ich Sie überzeugt?
Malika Schmitz, Klasse 10e, Willy-Brandt-Gesamtschule Bottrop

0mitdiskutieren