Wie Josef Salomon rettete
25.11.2008 | 18:20 Uhr 2008-11-25T18:20:20+0100Die Flucht nach vorn rettete einst Sally Perels Leben. Mit gefälschter Identität überlebte der Jude die Nazi-Zeit.In den Kaufmännischen Schulen 2 erzählte er von seiner Zeit als "Hitlerjunge Salomon"
Der Höhepunkt der Projekttage zum Thema "Interkulturelle Kompetenz und Toleranz" an der KS 2 war der Besuch von Salomon Perel, der von seinem Leben im dritten Reich erzählte. Perel, der diese Erfahrungen auch in dem autobiographischen Werk "Ich war Hitlerjunge Salomon" niederschrieb, schaffte es, die große Aula an der Westenfelder Straße gleich zweimal zu füllen.
Die ersten zehn Jahre seines Lebens verbrachte er in Braunschweig, wo seine Eltern ein Geschäft besaßen. In Anwendung der Nürnberger Rassengesetze wurde Perel, damals achtjährig, der Schule verwiesen. Die Worte des Direktors: "Ab sofort lernen Juden nicht mehr bei uns", habe er nie vergessen. Einige Jahre später, Perels Familie war längst nach Polen geflohen, greift Deutschland im September 1939 Polen an.
Um ihre Kinder vor dem Schicksal im Ghetto zu bewahren, entscheiden die Eltern, den vierzehnjährigen Salomon und seinen älteren Bruder fortzuschicken. Sie sollen fliehen, was zunächst auch gelingt. Doch Perel fällt zwei Jahre später in die Hände deutscher Soldaten, denen er, trotz Todesangst, glaubhaft versichert, Deutscher zu sein.
In der Tat mutet es fast wie ein Wunder an, dass es ihm gelingt, sich mit der falschen Identität "Josef Perjell" Achtung und Respekt zu schaffen, so dass er, nachdem er einige Zeit als Übersetzer für die deutschen Gruppen an der Front tätig war, sogar in die Hitlerjugend aufgenommen und einer Schule in Braunschweig, einer "Ritterburg der NS-Arbeit", zugewiesen wird.
"Ich kam an die Grenzen zum Selbsthass", gesteht Perel, als er den Schülern davon berichtete, wie er sich selbst als Hitlerjunge wahrnahm. "Ich habe nur vier Jahre dort verbracht, aber glaubt mir, für mich waren es vier Ewigkeiten", führt er bewegt aus. "Jeden Tag, jede Stunde lebte ich in Todesangst davor, dass die Wahrheit entdeckt würde."
Besonders schlimm seien die Unterrichtsstunden im Fach Rassenkunde gewesen. Sein Lehrer erklärte der Klasse, woran man Juden angeblich erkennen könnte. "Ich dachte, jeden Moment zeigen alle mit dem Finger auf mich und sagen: Herr Lehrer, der Neue da ist ein Jude", erzählt Perel, doch dann kam anders: Sein Lehrer nutzte ihn als Beispiel, um der Klasse einen Arier zu zeigen. "Die ganze Rassen-Theorie wurde in diesem Moment ad absurdum geführt und ich dachte: Herr Lehrer, mit deiner Theorie kannst du baden gehen."
Aber Perel erzählt nicht einfach nur von damals. "Wenn ich jetzt sehe, dass in Deutschland wieder Menschen mit Hakenkreuzen aufmarschieren, dann ist das für mich unfassbar", sagt er. Über sechs Millionen Juden wurden in Konzentrationslagern umgebracht, darunter eine Millionen Kinder. "Ich höre die Schreie dieser vergasten Kinder noch heute", bekennt er mit wackliger Stimme. "Ich möchte euch mit den Tränen dieser Kinder impfen. Jeder einzelne von euch soll ab heute mein Zeitzeuge sein und allen davon berichten, damit es nicht vergessen wird und nicht noch einmal passiert."
Aber er macht auch deutlich, dass die deutsche Jugend sich nicht schuldig fühlen muss für die Verbrechen der Vergangenheit. "Ich verzeihe der deutschen Jugend nicht, denn ich habe ihr nichts zu verzeihen." Auch seinen Kameraden in der HJ-Schule könne er nichts vorwerfen, denn auch er hätte angefangen, unter der Indoktrination der Nazis deren Propaganda Glauben zu schenken. "Es war wie Gift, was einem ins Gehirn getropft wird, Tropfen für Tropfen." Aber eins habe er nie geglaubt, sagte er: dass die Juden teuflisch seien und daher ausgerottet werden müssten. "Eine Millionen vergaste Kinder - darauf hat selbst der Teufel keine Antwort."
die gesamte Klasse HHU2 Kaufmännische Schule 2

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