Bochum und Wattenscheid
Steine gegen das Vergessen
12.11.2007 | 19:26 Uhr 2007-11-12T19:26:23+0100In Bochum wird mit kleinen "Stolperfallen" der Opfer des Holocaust gedacht.Zeus-Reporterinnen erzählen die Geschichte der jüdischen Familie Lewkonja
Es gibt Steine, über die man stolpert, doch besondere Stolpersteine gibt es auch. Sie sind aus Messing und ins Pflaster eingelassen. Sie erinnern an die Juden, die unter Hitler gestorben sind. Auf ihnen stehen Name, Geburts- und Todesdatum der Opfer. Verlegt werden diese Stolpersteine von Bochumer Bürgern, die nicht wollen, dass die Geschichte dieser Juden vergessen wird.
Ein solcher Stein liegt auch an der Ecke Kortumstraße/Nordring und erinnert an die jüdische Familie Lewkonja, die dort wohnte: Erich, seine Frau Irma und Sohn Heinz. Er wurde 1925 in Köln geboren und im August 1928 adoptiert.
Die traurige Geschichte der Lewkonjas begann im Jahr 1938, als Erich Lewkonja nach der Pogromnacht in das KZ Sachsenhausen verschleppt wurde. Einen Monat später wurde er entlassen. Bald darauf musste das kleine Wollwarengeschäft an der Brüderstraße 32, deren Inhaber die beiden Brüder Lewkonja waren, unter Wert zwangsverkauft ("arisiert") werden.
Das Eheglück von Irma und Erich war schon früher vorbei, weil Erich 1928 eine Dame bei einer Karnevalsfeier traf, mit der er eine Affäre hatte. Um sich nach langer Zeit wieder zu sehen, verabredeten sich die beiden im Sommer 1939 im Berliner Grunewald. Sie begingen einen Fehler, als sie im Wald rauchten, was strengstens verboten war. Prompt wurden sie erwischt. Auf der Wache stellte sich heraus, dass Erich Jude war. Sein Vergehen war nicht nur das Rauchen im Wald, schwerer wog sein Verhältnis. Nach den Nürnberger Gesetzen war es nämlich verboten, dass Juden mit so genannten "Ariern" eine sexuelle Beziehung unterhielten.
Unter Druck gab die Frau zu, mit Erich Lewkonja sexuellen Verkehr gehabt zu haben. Gegen ihren Willen, sagte sie - wohl um sich selbst zu schützen. Seitdem kam er nicht mehr frei. Nachdem er von einem Zuchthaus ins nächste kam, wurde er nach Auschwitz verlegt und dort 1942 umgebracht.
Nach der Inhaftierung ihres Mannes versuchte Irma Lewkonja, in die USA zu immigrieren, doch sie schaffte es nicht mehr. Den Briefen, die sie an Freunde in den USA schrieb, merkt man an, dass sie immer verzweifelter wurde, Selbstmordgedanken hatte. Ihre einzige Hoffnung war, dass Heinz, den sie im Januar 1939 mit einem Transport jüdischer Kinder nach Holland schickte, überleben könnte. Aber auch diese Hoffnung trog, er wurde wahrscheinlich auch in ein Vernichtungslager transportiert, nachdem die Wehrmacht Holland besetzt hatte. Auch Irma Lewkonja wurde 1942 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Dies ist nur eine von vielen Familien, denen durch die Stolpersteine ein Name und eine Geschichte wiedergegeben wurde. Und wenn man ein bisschen aufpasst, stolpert man über weitere Stolpersteine in unserer Stadt.
Liena Rumberg, Paulina Voß und Alina Wiethoff, 8d Schiller-Schule

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