Senegal: Mit Kursen die Augen öffnen
08.11.2007 | 17:45 Uhr 2007-11-08T17:45:30+0100Initiative gegen die Mädchen-Beschneidung
Jedes vierte Mädchen wird im Senegal, besonders im Süden und im Osten des Landes, an seinen Genitalien beschnitten. Wenn sie sich nicht beschneiden lassen, gelten sie als unrein und haben kaum eine Heiratschance.
Obwohl die Beschneidung verboten ist, wird die Jahrhunderte alte Tradition, die für die Mädchen sehr schmerzhaft, oft sogar tödlich ist, tief verwurzelt vorgefunden. Ein Leben lang leiden die Frauen unter starken Beschwerden. Aber auch Säuglingen und Kleinkindern, in anderen Regionen etwa zehnjährige Mädchen, werden die Klitoris und die inneren Schamlippen entfernt. Dies geschieht in der Regel ohne Betäubung und mit kaum desinfizierten Messern oder Rasierklingen. Dadurch bekommen die meisten Blutvergiftungen, langwierige Infektionen, Unfruchtbarkeit oder auch Geburtskomplikationen.
Unicef hilft den Mädchen durch Bildung. Im Senegal geht nur jedes zweite Mädchen zur Grundschule, nur ein Drittel der Frauen kann lesen und schreiben. Obwohl ihr Körper noch nicht auf eine Schwangerschaft vorbereitet ist, werden sie schon als Mädchen verheiratet.
Bei der Organisation "Tostan" gibt Unicef den Frauen und den Mädchen eine Chance, damit sie ihre Probleme aus eigener Kraft in die Hand nehmen können. In Kursen können sie das Lesen und Schreiben lernen. Doch natürlich sprechen sie auch über gesundheitliche Fragen und Menschenrechte. Viele Männer und Frauen erkennen zum ersten Mal, dass die Beschneidung die Ursache für gesundheitliche Probleme und sogar für den Tod vieler Frauen ist. Sie begreifen auch, dass sie ihren Kindern nicht geholfen, sondern sie nur geschädigt haben.
Dies erkannte auch Oureye Sall. Sie war bis vor wenigen Jahren Beschneiderin des Dorfes Nguerigne Bambara im Senegal. Oureye Sall übte ihre Arbeit achtzehn Jahre lang aus und hörte erst auf, nachdem sie einen der Kurse besuchte. Sie lernte, dass es Menschenrechtsverletzung ist, wenn man Menschen Dinge zufügt, die die Gesundheit schädigen. Sie sagte, dass sie niemals aufgehört hätte mit ihrer Arbeit im Senegal, wenn sie den Kurs nicht besucht hätte.
Heute hat sie einen neuen Job. Oureye Sall leitet eine Frauengruppe. Das Kind ihrer Tochter ist eines der ersten Mädchen, das nicht beschnitten wurde. Unicef hat sich hier vorgenommen, weitere vierhundert Dörfer zum Verzicht auf die Beschneidung zu bewegen. In dem zwei Jahre andauernden Kurs vermitteln die Kursleiterinnen (meist Frauen aus dem Dorf ) Inhalte wie Gesundheit und Hygiene. Morgens finden die "Tostan"- Kurse in Räumen einiger Gemeindehäuser für Erwachsene und nachmittags die für Jugendliche und Kindern statt. Tostan ist also eine hilf- und lernreiche Investition für Menschen.
Leslie-Anne Erdmann, Klasse 8c, Goethe-Schule

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