Schwanger als Teenager

Neun Monate ohne Bewährung

25.10.2009 | 09:00 Uhr

Tausende junger Mädchen werden schwanger, obwohl sie noch minderjährig sind. In welcher Situation sind sie dadurch, wie sieht ihre Zukunft aus? Ein Interview mit Gynäkologin Astrid Platzmann.

So stellen sich viele junge Mädchen ihr Leben vor: Schule abschließen, Ausbildung oder Studium, ein guter Job und später eine Familie. Aber was, wenn schon Kinder Kinder kriegen? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, trafen wir uns mit Astrid Platzmann, einer Bochumer Frauenärztin.

Was ist der Hauptgrund für eine ungewollte Schwangerschaft bei Teenagern?

Astrid Platzmann: Es ist bekannt, dass junge Mädchen immer früher sexuell aktiv werden. Und, obwohl sich die wenigsten bewusst gegen Verhütung entscheiden, entstehen viele Kinderschwangerschaften durch Verhütungsunfälle, weil die Jugendlichen nicht wissen, wie die gängigen Verhütungsmittel richtig angewandt werden. Es wissen z. B. über 50% der Mädchen nichts von der „Pille danach”!

Gibt es Mädchen, die willentlich schwanger werden?

Ja, selbst in solch jungen Jahren entscheiden sich manche Mädchen bewusst für ein Kind. Das ist insbesondere der Fall, wenn Mädchen aus einem schwachen sozialen Umfeld kommen. Junge Frauen, die eine aussichtsreiche berufliche Zukunft haben, setzen diese seltener durch unvorsichtiges Verhalten aufs Spiel. Diejenigen, die wenig Aussicht auf gute Jobs haben, sehen eine Chance und einen Sinn fürs Leben in ihrem Kind.

Übernimmt der Vater seine Verantwortung?

Wie reagieren die Mädchen auf die Schwangerschaft?

Je jünger die Mädchen sind, desto verzweifelter reagieren sie. Viele haben große Angst, es ihren Eltern zu beichten. Gleichzeitig spielt es natürlich eine Rolle, ob der Vater des Kindes seine Verantwortung übernimmt oder überhaupt eine dauerhafte Beziehung mit dem Mädchen eingehen will.

Bestehen besondere Risiken für Minderjährige?

Bei jungen Schwangeren ist das Risiko, dass etwas außerplanmäßig verläuft, entschieden höher. Beispielsweise ist die Gebärmutter meist noch nicht ausgereift und durchblutet genug, um ein Kind versorgen zu können. Daher kommt es bei Kinderschwangerschaften häufiger zu Risikoschwangerschaften.

Wut, Empörung, Enttäuschung

Wie reagieren die Eltern der Kindereltern?

Von Enttäuschung bis zu Wut sind alle Emotionen zu erwarten, auch wenn die wenigsten begeistert sind. Viele sind einfach nur fassungslos, und, obwohl es natürlich Eltern gibt, für die es von Anfang an klar ist, dass sie ihre Kinder unterstützen wollen, drängen andere zum Beispiel eher auf einen Schwangerschaftsabbruch.

Was passiert nach der Entbindung?

Wenn sich alle Beteiligten arrangieren können, ist es möglich, die Mädchen ihre Ausbildung beenden zu lassen, doch gerade vor schwachem sozialen Hintergrund schaltet sich oft das Jugendamt ein. Viele schwangere Minderjährige werden in Wohngruppen untergebracht, bis sich ihr Leben wieder eingerenkt hat. Dies lässt sich vermeiden, wenn sich Freunde und Angehörige entsprechend kümmern.

Wie alt war Ihre jüngste schwangere Patientin?

Zwölf. Aber das ist doch ein ziemlicher Einzelfall und sie war mit Abstand die Jüngste.

Junge Mädchen müssen Nein sagen können

Warum gehen junge Mädchen überhaupt das Risiko ein, schwanger zu werden?

Dr. Astrid Platzmann / Fachärztin f. Frauenheilkunde. Foto: ©Jürgen Hein

In den meisten Fällen haben Mädchen in diesem Alter ältere Freunde, die entsprechend reifer und erfahrener sind. Deshalb kommt es leider häufig vor, dass sich Mädchen nicht trauen Nein zu Sex zu sagen, um nicht für kindisch gehalten zu werden. Auch ist es ihnen oft unangenehm, mit ihrem Partner über Verhütung zu sprechen. Heranwachsende müssen lernen, offen über Sex zu reden. Auch kommt es zu Situationen, in denen keiner an Verhütung denkt, denn bei spontanem Sex schließt sich die Pille natürlich aus, und nicht jeder hat rund um die Uhr ein Kondom dabei.

Inwiefern ist Sex strafbar?

Sexuelle Handlungen sind erst ab 14 erlaubt. Weiter ist es Volljährigen verboten, sexuellen Kontakt zu Minderjährigen unter 16 Jahren zu haben.

Welche Folgen hat die Abtreibung für die Schwangere?

Es kommt ab und an vor, dass Mädchen, die in ihrer Jugend ungewollt schwanger geworden sind und sich für eine Abtreibung entschieden haben, diesen Entschluss später bereuen. Für andere ist es die richtige Entscheidung, das hängt von der jeweiligen Lebenssituation ab.

Annika Dahm, Jule Scholten, Laura Awakowicz, Klasse 8c, Schiller-Schule, Bochum 

Zeus-Reporter

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Kommentare
26.10.2009
10:06
Neun Monate ohne Bewährung
von Siri123 | #1

Meines Erachtens geht Frau Dr. Platzmann zu wenig darauf ein, dass Schwangerschaften bei Minderjährigen keine Katastrophe sind. Es gibt auch bei Minderjährigen immer Alternativen zu einer Abtreibung. Die Beraterinnen des Projektes 1000plus (www.1000plus.de) zeigen den jungen Frauen, wie sie trotz ihrer Schwangerschaft z.B. eine Ausbildung (z.B. in Teilzeit) machen können. Auch wird ihnen bei finanziellen Problemen u.s.w. geholfen.

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