Meine Erlebnisse während der ägyptischen Revolution
25.10.2011 | 16:27 Uhr 2011-10-25T16:27:00+0200
Hurghada.Zeus-Reporter Ramadan Al-Shawa lebt in der ägyptischen Stadt Hurghada. Für Zeus beschreibt er seine Erfahrungen, während der Revolution in seinem Heimatland.
Alles fängt mit Facebook an. Jugendliche kontaktieren sich, um einen Treffpunkt und einen Termin festzulegen. Sie wollen gegen die Regierung protestieren. Sie treffen sich nach dem Freitagsgebet am Tahrir-Square, zeigen Schilder und rufen, was sie verlangen. Keiner nimmt sie ernst. Viele glauben, in paar Tagen ist alles vorbei. Anfangs waren es Hunderte, dann Tausende und dann viel mehr in ganz Ägypten. Nach einigen Tagen wird es heftig und das Militär versucht, die Unruhe mit Panzern zu beenden. Ohne Erfolg.
Bald gibt es auch in Hurghada Unruhen und von der Polizei ist nichts zu sehen. Sie war in Ägypten verhasst und jetzt haben die Polizisten Angst vor Racheakten der Bevölkerung. Als Folge treiben Kriminelle ihr Unwesen. Sie zerstören Geschäfte und entführen Menschen. Unter der Bevölkerung verbereitet sich Angst und Schrecken.
Bewaffnet mit Stöcken und Messern
Ich, Ramadan Alshawa, habe als Zwölfjähriger daran teilgenommen, als die Menschen in Elkawther (Stadtteil von Hurghada) bewaffnet mit Messern und Stöcken, auf die Straße gehen, um sich und ihre Mitmenschen vor den Verbrechern zu schützen.
In Windeseile verbreitet sich die Nachricht, dass angeblich Schlägertrupps auf Motorrädern die Häuser angreifen. Ein Nachbar sagt: „Wir müssen uns verteidigen, ich habe eine Pistole im Haus, ich hole sie.“ Die Nachbarn riefen alle Männer zusammen. Sie bewaffneten sich mit Holzstöcken und Eisenstangen von Baumaterial und versperrten den Eingang zu unserer Straße.
Plötzlich ruft einer: „Die Tankstelle (50 Meter weiter) steht in Flammen.“ Ich halte die Hand meines Vaters fest und renne mit ihm in Richtung Tankstelle, aber ein Feuer gab es nicht. Diese Nacht ist unheimlich für mich. Anfangs fand ich es spannend, aber bald habe ich doch große Angst, die sich erst am nächsten Tag legt. Gegen 2 Uhr morgens gehen wir ins Bett. Die Hausmeister wechseln sich ab und halten Wache. Mein Vater geht alle paar Stunden auf die Straße, um zu schauen, ob alles okay ist.
Fotos vor Panzern
Am nächsten Morgen rücken vier Panzer der Armee an, um die Banken gegenüber unserem Haus zu schützen. Ich lasse mich mit den Soldaten vor den Panzern fotografieren. Das war aber noch nicht alles, denn jeden Freitag nach dem Gebet gehen die Menschen auf den Tahrir-Square, um weiter zu protestieren und beruhigen sich vorerst, als der Präsident Hosni Mubarak vom Amt zurücktritt.
Nach Fernsehangaben kommt er wegen eines Herzanfalls ins Krankenhaus, dann angeblich in eine Krankenstation im Gefängnis. Aber die Menschen glauben das nicht so richtig und spüren, dass diese Angaben nur gemacht wurden, damit das Volk mit den Demonstrationen aufhört.
Im November sollen die Wahlen des neuen Parlaments stattfinden und ich bin gespannt, wie alles weitergeht. Ich hoffe, dass alles wieder besser wird, denn ich würde gern weiterhin hier leben.
Ramadan Al-Shawa, Klasse 7, Deutsche Schule Hurghada

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