Helden auf zwei Rädern
04.11.2009 | 16:33 Uhr 2009-11-04T16:33:00+0100Zwei Zeus-Reporter brettern mit ihren „Dirt Bikes” über Schanzen, Hügel und unwegsames Gelände, ein Sport für "ganze" Kerle.
Akrobaten gibt's nicht nur im Zirkus und Stuntmen sind nicht nur in Hollywood zu Hause. Zwischen Bochum und Witten fliegen Menschen auch in ihrer Freizeit. Sie benötigen kein Trapez, Luftkissenpolster oder doppelten Boden, sondern nur ein paar fette Hügel aus Lehm und ihre zweirädrigen Gefährten mit grobstolligen Reifen. Ronny (18) und Dominik (19) sind zwei dieser jungen Wilden, die – wann immer es geht – mit ihren Dirt Bikes auf den Schanzen ihres Lieblings-Bike-Parks an der Kleinherbeder Straße abheben. „Ein echter Secret Spot”, gibt sich Ronny geheimnisvoll, lässt sich in seiner Begeisterung dann aber doch ein paar Details entlocken. „Der Park an der Kleinherbeder Straße in Witten-Heven ist der Wahnsinn, dort sind die Schanzen selbstgebaut”, sagt er und fügt schnell noch hinzu: „Aber nichts für Anfänger”.
Es gibt die Legende, dass vor Jahren eine ganze Horde begeisterter Biker mit einem Bagger einer Baufirma anrückte und mit der Arbeit in dem kleinen abgelegenen Waldstück begann. Vielleicht saß ja auch ein Papa am Steuer des fleißigen Helfers mit ordentlich Diesel im Tank und hat dabei geholfen, alle Schanzen und Steilkurven so perfekt zu shapen, wie man es sonst nur aus amerikanischen BMX-Videos kennt. Die Hindernisse sind jedenfalls so fett, das dürfte kaum jemand mit Schaufel und Schubkarre geschafft haben.
Steilkurven zum Warmwerden
Die Strecke an der Stadtgrenze zwischen Bochum-Querenburg und Witten-Heven beginnt oben am Hang mit einem kurzen Downhill. Der windet sich dann in etlichen Steilkurven mit kleineren Jumps zum Warmwerden auf den eigentlichen Tummelplatz der Cracks: ein kleines Waldstück mit alten Buchen. Zwischen den Bäumen lauern die vielen Herausforderungen. Tables, Doubles und Obstacles – wie es in der Fachsprache heißt. Normalspringer steigen hier besser ab, schauen zu, staunen und machen ein paar Fotos. Circa ein Dutzend Schanzen, deren Absprunghügel teilweise monstermäßige zwei bis drei Meter erreichen, warten auf die Überflieger. Zwischen den Absprung- und Landezonen ist oftmals einfach Leere. Wer die Weiten von bis zu vier Metern nicht schafft, fällt tief. Das tut weh.
Dirt Bike-Experte Ronny blieb von fetten Verletzungen bisher verschont, bis auf einen gebrochenen kleinen Finger landete er mit seinem Bike immer sicher. Letztlich ist das „Dirten” aber eine Action-Sportart, dabei passieren manchmal auch größere Unfälle. Wie am 15. Juni 2009 im Park an der Kleinherbeder Straße, als ein Biker aus drei Metern Höhe zu Fall kam und sofort mit dem Verdacht auf eine Wirbelsäulenverletzung ins Krankenhaus eingeliefert wurde.
Letztlich ist es wie mit den Stuntmen, die müssen auch lernen, wie man richtig fällt. Das haben Dominik und Ronny, neben allen akrobatischen Tricks, drauf. „Auch ein hochwertiges Bike spielt eine große Rolle”, sagt Dominik. „Stabilität ist das Wichtigste.” Deshalb sind Dirt Bikes eine Mischform aus Mountainbikes und BMX-Rädern, meist mit kleineren Rahmen aus Stahl oder Aluminium (12 bis 16 Zoll) und mit Gangschaltung, Scheibenbremsen, Geländebereifung und Federgabel.
Sprünge über vier Meter
Stolz zeigt Ronny sein eigenhändig zusammengeschraubtes Bike, mit dem er seit zwei Jahren über die Hügel fliegt. „Höhen von zwei Metern und Weiten von bis zu vier Metern sind für mich kein Problem”, erklärt er nicht ohne Stolz. Aber wie schafft man es, auf einem Fahrrad so hoch hinaus zu kommen? Für den Anfang braucht man natürlich ein Bike und – ganz wichtig – eine Schutzausrüstung, bestehend aus Helm und Protektoren für Rücken, Ellenbogen und Knie. „Aber das haut rein”, erklärt Ronny, „wenn du mit dem Dirten beginnst, musst du mindestens 1200 Euro ausgeben oder du machst es wie ich und baust dir aus ersteigerten Teilen selbst ein Bike zusammen.”
Das eigene Schrauben und Werkeln begeistert Ronny und Dominik ohnehin unwahrscheinlich. Da sind sie so fit wie im Sattel. Zum Glück haben beide einen guten Draht zum Bochumer Bike Shop „2nd Unit” an der Herner Straße. Dort macht Dominik eine Berufsausbildung als Mechaniker und Ronny, der noch Schüler am Berufskolleg ist, absolviert dort gerade ein Praktikum. Da dürfen sie die Werkstatt und die vielen Spezialwerkzeuge natürlich auch mal für die eigenen Bikes nutzen und bekommen zudem gute Tipps von den Chefschraubern.
Moritz Lange, Klasse 8c, Schiller-Schule

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