Geschichte

Deutsche Geschichte auf dem Stadtplan

01.12.2011 | 12:57 Uhr
Deutsche Geschichte auf dem Stadtplan
Straßenschild der Leberstraße in Bochum. Foto: Zeus

Bochum.   Die Leberstraße ist nicht nach dem Organ benannt, sondern nach dem deutschen Widerstandskämpfer Julius Leber.

Letzen Freitag bestellte ich mal wieder eine Pizza. Und wie immer, wenn ich meine Adresse angebe ,wird gefragt: „Leberstraße? Wie das Organ?“ und ich antworte: „Ja, wie das Organ.“ Doch eigentlich steckt viel mehr dahinter.

Normalerweise werden Gebiete nach bestimmten Themen benannt. Doch dann müssten die anderen Straßen ja Herz- und Nierenstraße heißen. Es muss also etwas anderes auf sich haben. Die Namensgeber der Leberstraße, der Witzlebenstraße, der Wirmerstraße, der Bonhoefferstraße und der Stauffenberghöhe sind jedoch Menschen, die sich in der Zeit des Nationalsozialismus gegen das Regime Adolf Hitlers auflehnten und sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzten.

Straße nach Erwin von Witzleben benannt

Die Leberstraße, in der ich lebe, ist also nach einem Freiheitskämpfer, der Julius Leber hieß, benannt worden. Er wurde am 16. November 1891 geboren und trat kurz nach seinem Abitur der Sozialdemokratischen Partei Deutschland (SPD) bei. Von 1933 bis 1937 war Leber im Gefängnis bzw. im Konzentrationslager, weil er als gefährlicher Gegner des Regimes betrachtet wurde. 1940 suchte Leber Kontakt zu Claus Schenk Graf von Stauffenberg, um einen Regimesturz vorzubereiten. Am 5. Januar 1945 wurde Julius Leber in Berlin-Plötzensee erhängt.

Fast gegenüber der Leberstraße liegt die Witzlebenstraße, welche nach Erwin von Witzleben benannt wurde. Dieser wurde am 4. Dezember 1881 in Breslau geboren. Auch er schloss sich den Attentatsplänen von Claus Schenk Graf von Stauffenberg an. Nachdem diese fehlschlugen, wurde er am 8. August 1944 hingerichtet.

Um die Witzlebenstraße zu erreichen, muss ich die Wirmerstraße überqueren. Ihr Namensgeber ist Josef Wirmer. (*19.03.1901; †08.09.1944). Der Jurist hat sich ebenfalls aktiv an den Attentatsplänen Stauffenbergs beteiligt und wurde deshalb in Berlin erhängt.

Dietrich Bonhoeffer wurde am 4. Februar 1906 in Breslaugeboren.

Mehr Aufklärung über Rassismus

Schon 1933 galt der evangelische Theologe als entschiedener Gegner der Nazis. Bonhoeffer war Mitglied der Bekennenden Kirche, die sich entschieden gegen die NS-Ideologie wendete. Anfang April 1943 wurde Bonhoeffer verhaftet. Nach zwei Jahren Haft in einem Berliner Gefängnis wurde er in das Konzentrationslager Flossenbürg gebracht. Dort wurde er kurz vor der Befreiung des Lagers, am 9. April 1945, wegen seiner Widerstandstätigkeit ermordet.

Der wohl bekannteste Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus ist Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Er wurde 1907 geboren und war ein Offizier der deutschen Wehrmacht. 1944 scheiterte das Attentat auf Adolf Hitler, das er geplant hatte.

Rechtsextremismus spielt auch in der heutigen Gesellschaft wieder eine Rolle, wie man an den jüngsten Ereignissen in Zwickau sehen kann, der Neonazi-Mordserie. Umso wichtiger ist es, dass die Opfer der Widerstandskämpfer nicht vergeblich waren und dass die Diskriminierung von Menschen, die nicht so sind, wie es sich manche vorstellen, keinen neuen Höhepunkt erreicht. Zudem sollte es mehr Aufklärung über Rassismus und Information über Menschen geben, die sich aktiv gegen ihn einsetzen.

Niklas Schürmann, Klasse 8c, Neues Gymnasium Bochum

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