Interview

Eine Krankheit mit vielen Gesichtern

26.05.2011 | 12:12 Uhr
Eine Krankheit mit vielen Gesichtern
Es dauerte, bis Claudia H. nach ihrer Diagnose wieder Licht am Ende des Tunnels gesehen hat.

Bad Laasphe.Ihr Leben sollte gerade so richtig los gehen. Doch mit 18 Jahren stellten Ärzte fest, dass Claudia H. an Multipler Sklerose erkrankt ist. Im Interview erzählt sie, warum sie dennoch ihr Leben mit niemanden tauschen möchte.

Der Zeus-Reporter Philipp Meyer traf Claudia H. zum Interview. Claudia spach über ihre Krankheit, die sie als Jugendliche vor eine große Herausforderung stellte. Heute ist sie 37 Jahre alt.

Was ist Multiple Sklerose?

Multiple Sklerose (MS) ist eine Autoimmunerkrankung des Zentralen Nervensystems. Das heißt, dass das eigene Immunsystem die körpereigene Schutzschicht am Gehirn und Rückenmark zerstört. Dadurch entstehen Entzündungen, welche anschwellen und vernarben. Das ist die Ursache für Ausfallerscheinungen und Behinderungen.

Seit wann hast du MS?

Die Diagnosestellung kam, als ich 18 Jahre alt war. Aber die ersten Symptome hatte ich schon mit 15 Jahren.

Wodurch hast du es gemerkt?

Angefangen hat es mit Gefühlsstörungen in meinem rechten Bein. Das kann man sich vorstellen als wenn das Bein ganz fest eingeschlafen ist und man es nicht mehr spürt, wenn man es anfasst.

Bei jedem Menschen wirkt sich die Krankheit Multiple Sklerose anders aus. Foto: Getty Images

Wie wird es vom Arzt festgestellt?

Dazu gehören mehrere Untersuchungen. Eine davon ist Schichtröntgen (MRT) von Gehirn und Rückenmark. Dabei müssen mindestens zwei Entzündungen sichtbar sein. Die andere ist eine Untersuchung des Nervenwassers (Lumbalpunktion), womit man Entzündungen im Gehirn und Rückenmark feststellen kann. Auch hier muss eine Entzündung klar nachweisbar sein, wenn diese Faktoren zusammenkommen, kann ein Arzt die Diagnose MS stellen.

Wie kamst du in der Jugend damit klar?

Nachdem ich begriffen hatte, was es bedeutet, nicht mehr so gut. Ich hatte das Gefühl, mein Leben ist zu Ende, bevor es angefangen hatte. Die Bilder, die ich mit MS in Verbindung gebracht habe, haben mir fürchterliche Angst gemacht.

Was für Bilder meinst du?

Die meisten Leute, die an MS denken, denken automatisch an ein Leben im Rollstuhl.

Wie versuchst du, die Krankheit in Schach zu halten?

Ich nehme Medikamente, die das Immunsystem dämpfen. Dadurch versucht man die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten, was auch ganz gut funktioniert. Ansonst ist es wichtig, auf die Signale des Körpers zu hören und sich danach zu richten.

Wie denkst du heute über MS - nach knapp 20 Krankheitsjahren?

MS heißt nicht umsonst „Die Krankheit der tausend Gesichter“. Der Krankheitsverlauf ist bei jedem anders, infolge dessen landet nicht jeder im Rollstuhl. Ich kann zwar nicht mehr als 500 an guten Tagen 1000 Meter laufen, aber das ist nicht schlimm.

Was rätst du anderen Menschen, die eine nicht heilbare Krankheit haben?

Ich habe mich mit der Diagnose angefreundet und sie als Teil meines Lebens akzeptiert. Das Wichtigste ist eine positive Einstellung dem Leben gegenüber. Die Wertigkeiten verschieben sich und rücken Dinge in den Vordergrund, die man unter anderen Umstanden übersehen würde. Ich liebe mein Leben und würde nicht tauschen wollen.

Philipp Meyer, Klasse 8b, Realschule Schloß Wittgenstein, Bad Laasphe

Zeus-Reporter

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