Die Herren der Holzkohle
10.06.2011 | 17:36 Uhr 2011-06-10T17:36:00+0200
Dietzhölztal. Der Beruf des Köhlers ist in Deutschland ein nahezu ausgestorbener Handwerksberuf. Einer, der dieses Handwerk von der Pieke auf erlernt hat, ist Adolf Hausner aus dem Dietzhölztal.
Über viele Jahre hinweg hat er das Köhlerhandwerk in der Gemeinde Dietzhölztal geprägt, besonders durch die jährliche Errichtung eines Traditionskohlenmeilers im Berger Wald von Ewersbach. Damit hat er dieses alte Handwerk immer wieder lebendig werden lassen. Inzwischen hat sich Adolf Hausner aus Altersgründen zur Ruhe gesetzt. Zeus-Reporter Michael Stowasser hat den 83-Jährigen besucht und ihn über die Köhlerei befragt.
Herr Hausner, das Köhlerhandwerk hat in Ihrer Familie eine lange Tradition. Bereits in der fünften Generation üben Sie diesen Beruf aus. Seit wie vielen Jahren bauen Sie denn schon Kohlenmeiler im Dietzhölztal?
Adolf Hausner: Von 1976 bis zum Jahr 2006 habe ich die Kohlenmeiler im Dietzhölztal aufgebaut und abgekohlt.
Können Sie mir etwas über die Geschichte der Köhlerei erzählen?
Die Köhlerei gibt es schon, seitdem man Eisenerz aus dem Gestein herausgeschmolzen hat. Denn nur mit Holzkohle konnte man so hohe Temperaturen erreichen, dass das Erz flüssig wurde. Später wurde auch Holzkohle zu Kohlenstaub gemahlen. Mit diesem Kohlenstaub konnte man eine Oberflächenhärtung von Eisen bewirken.
Wie viel Holz braucht man für den Bau eines Kohlenmeilers und welches Holz eignet sich dafür am besten?
Für einen Meiler werden ungefähr 50 bis 60 Raummeter Holz benötigt. Aber man kann auch schon ab zehn Raummeter einen Meiler aufbauen. Am besten geeignet ist dafür Buchen- oder Eichenholz.
Wie wird der Kohlenmeiler aufgebaut?
Für den Kohlenmeiler werden einen Meter lange aufrecht stehende Hölzer kreisförmig angeordnet. Dies geschieht über zwei Schichten, die dann nach oben hin pyramidenförmig zusammenlaufen. Anschließend wird der Meiler mit Fichtenreisig rundum abgedeckt und eine etwa 15 Zentimeter dicke, feuchte Kohlenstaubschicht aufgetragen.
Danach wird der Meiler angesteckt und es dauert ungefähr zehn Minuten, bis das Feuer zur Kuppe oben angebrannt ist. Diese wird mit einer Blechplatte abgedeckt und wieder mit Kohlenstaub abgedichtet. Damit der Meiler auch Luft ziehen kann, werden oben rund um die Kuppe Zuglöcher gestochen.
In den nächsten Tagen müssen dann nach unten hin auch noch weitere Zuglöcher gestochen werden, damit er gleichmäßig von oben nach unten durchglühen kann. Wichtig dabei ist, dass der Meiler nie unbeaufsichtigt sein darf.
Wie lange brennt ein Kohlenmeiler und was passiert, nachdem er fertig verkohlt ist?
Ein Meiler brennt je nach Holzmenge acht bis zehn Tage. Danach wird die Glut mit einem Wasserschlauch abgelöscht und der Meiler muss in Ruhe auskühlen. Um sicher zu gehen, dass in der Holzkohle keine Glut mehr vorhanden ist, dauert dieser Vorgang drei Wochen.
Wie hoch ist der Ertrag von Holzkohle aus dem Kohlenmeiler?
Ein Raummeter Holz ergeben 100 Kilogramm Holzkohle. Ein Raummeter Holz hat ein Gewicht von ungefähr 450 Kilogramm.
Gibt es einen Unterschied zwischen der industriell hergestellten Holzkohle und der von einem Kohlenmeiler?
Die industriell hergestellte Holzkohle kann in einem viel schnelleren Verfahren in eineinhalb Stunden hergestellt werden. Darunter leidet allerdings die Qualität. Mit Holzkohle aus einem Kohlenmeiler können viel höhere Temperaturen erreicht werden, da das Holz langsamer und gleichmäßiger verkohlt wird.
Vor drei Jahren haben Sie sich zur Ruhe gesetzt und das Köhlerhandwerk an einen Jüngeren übergeben. Wird es denn in diesem Jahr wieder einen Kohlenmeiler im Berger Wald von Ewersbach geben?
Ja. Am 5. Juni 2011 findet das Kohlenmeilerfest statt, wo man den Meiler auch besichtigen kann.
Michael Stowasser, Klasse 8a, Realschule Schloss Wittgenstein, Bad Laasphe

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