Schreibwerkstatt

Zeitungssprache

08.09.2008 | 13:00 Uhr

Da der "normale" Leser seiner regionalen Tageszeitung im Durchschnitt nur 35 Minuten Beachtung schenkt, müssen die Artikel so verständlich wie möglich geschrieben sein.

Dies geschieht einerseits, wie oben erwähnt, durch eine logische Gliederung des Textes, andererseits durch einen klaren, einfachen Satzbau und eine möglichst präzise Sprache. Mit Fakten überladene, endlos verschachtelte Bandwurm-Sätze verursachen Unwohlsein. Das andere Extrem, nämlich viele aneinander gereihte Minimalsätze – Subjekt, Prädikat, Objekt – verbreiten Langeweile. Wie so häufig kommt es auf die gesunde Mischung an:

  • Satzlänge: Die Satzlänge sollte 20 Wörter nicht überschreiten.
  • Satzvariationen: Die Satzlängen sollen unterschiedlich sein. Mehrere relativ kurze Sätze – Hauptsätze – können die Spannung erhöhen, wirken aber als durchgängiges Stilelement (Boulevardstil) unglaubwürdig und ermüdend.
  • Satztransparenz: Der Satz darf nicht mit Fakten überfrachtet sein. Er soll übersichtlich in der Folge der Wörter und Gedanken sein. In der Regel steht die Hauptsache im Hauptsatz und die Nebensache im Nebensatz.
  • Satzverknüpfungen: In einer kurzen Nachricht lässt es sich gelegentlich nicht vermeiden, dass Sätze isoliert, ohne eine innere Verknüpfung, nebeneinander stehen. Im Bericht, zwingend in der Reportage, müssen im gesamten Text Sätze und Inhalte miteinander in Beziehung gesetzt werden.
  • Aktivsätze: Wenn Passivsätze ins Aktive übersetzt werden können, erhöht das die Lebendigkeit des Textes.
  • Absätze: Die Textgliederung durch Absätze und Zwischenüberschriften erleichtert das Verstehen des Textes.

Sprache

Die Sprache in verschiedenen Zeitungsartikeln unterscheidet sich zwangsläufig – je nach gewählter journalistischer Stilform und anzusprechender Zielgruppe. Darüber hinaus hat jeder Journalist seinen persönlichen Schreibstil und Wortschatz. Das macht Zeitungen so vielfältig, lebendig und spannend. Als Fundament sollten im Nachrichtenjournalismus aber immer folgende fünf Kriterien der Nachrichtensprache berücksichtigt werden:

  • Direktheit
  • Kürze
  • Prägnanz
  • Einfachheit
  • Klarheit

Darauf baut die Nachricht genauso auf wie die Reportage. Diese Grundsätze gelten mit all ihren Variationsmöglichkeiten für die Jugend- wie für die Wirtschaftsseite, sei es bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung oder bei der regionalen Tageszeitung. Ohne "Schreibrezepte" liefern zu wollen, sind einige zusätzliche Formulierungshinweise hilfreich, um die Verständlichkeit des Textes zu erhöhen:

Zu vermeiden ...

  • sind "schiefe" Bilder (Beispiel: "Das haut dem Fass die Krone aus");
  • ist die Amtssprache (Beispiel: "Nach der Anhörung erging die Anfrage an die Funktionsträger");
  • ist die Expertensprache (Beispiel: "Der methodische und didaktische Aufbau des Unterrichts spiegelte die soziale Relevanz des Themas wieder");
  • sind phrasenhafte Ausdrücke (Beispiel: "die weiße Pracht", "die breite Öffentlichkeit");
  • sind Abkürzungen – sie müssen zumindest einmal (nämlich bei der ersten Erwähnung) im Text erklärt werden (Beispiel: SV (Schülervertretung), RP (Regierungspräsident)).

Stimulanz

Neben den bisher beschriebenen Textelementen – Satzbau, Textgliederung und Sprache – gehört zum Zeitungsartikel auch die Stimulanz. Sie macht den Bericht oder die Reportage lebendig und reizt zum Weiterlesen. Das wichtigste Stimulanzelement ist das Zitat in direkter Rede. Eine wichtige Information wird durch ein Zitat personalisiert und dadurch plastisch, manchmal sogar drastisch.

Ein komplizierter Sachverhalt lässt sich leichter anschaulich erklären, wenn der Schreiber sich zum einen auf einige wenige Kerninformationen beschränkt und / oder mit einem markanten Beispiel auf das Wesentliche hinführt.

Weitere Stimulanzelemente, die vor allem in der Reportage genutzt werden, sind …

  • der Ausruf,
  • das direkte Ansprechen des Lesers,
  • der Aufbau inhaltlicher Kontraste, z. B. früher – heute, Exotik – Normalität, Aktualität – Hintergrund,
  • Personalisierungen (ein globales Ereignis an einer konkreten Person festmachen),
  • Einbetten der Information in eine spannende Geschichte,
  • szenische Einstiege,
  • atmosphärische Beschreibungen,
  • Detailbeschreibungen und
  • Wortspiele.

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