Wege in den Journalismus

Das Praktikum - die Eintrittskarte in den Journalismus

04.03.2011 | 17:00 Uhr
Das Praktikum - die Eintrittskarte in den Journalismus

Als Zeus-Reporter hat Benjamin Weber vor vielen Jahren zum ersten Mal in die Welt des Journalismus hineingeschnuppert. Heute ist Benjamin freier Mitarbeiter bei seiner ehemaligen Projektredaktion - der Westfalenpost in Bad Berleburg - und feilt an seiner journalistischen Karriere.

Wenn der Ehrgeiz geweckt ist

Wenn du, wie Benjamin, die Arbeit mit Stift und Notizblock nicht mehr sein lassen willst, solltest du dir früh die Frage stellen: Wie werde ich eigentlich Journalist? Denn den "einen, richtigen" Weg in den Journalismus gibt es nicht. Bis auf den Ausbildungstarifvertrag existiert in Deutschland keine geregelte Journalistenausbildung.

Ein Weg ist die in der Regel zweijährige Redakteursausbildung bei einem Printmedium - das sogenannte Volontariat. Eine Alternative bieten auch Journalistenschulen. Aber Achtung, ohne praktische Erfahrung geht so gut wie gar nichts – egal welchen Weg du wählst.

Das Praktikum als Einstieg

Als Einstieg und für erste Praxiserfahrungen im journalistischen Bereich eröffnet dir ein Praktikum sehr gute Möglichkeiten. So hat es auch Benjamin angestellt. Nach dem Zeus-Projekt landete seine Bewerbung im Briefkasten der Westfalenpost. Kurze Zeit später erlebte er hautnah, wie in einer Redaktion gearbeitet wird. "Erst musste ich etwas öde Pressemitteilungen für das Blatt umschreiben." Doch schnell wurde es aufregend, erinnert er sich. "Zusammen mit dem Volontär schickte mich der Redaktionsleiter zu Verhandlungen ins Gericht." Die Ausgabe des nächsten Tages zierte dann ein Artikel aus seiner Feder.

Praxis contra Klischees

Auf der Wunschliste vieler Berufsanfänger steht der Journalismus ganz weit oben. Bevor du dich für diese "Traumberuf" entscheidest, solltest du wissen, ob sich die Wirklichkeit mit deinen eigenen Vorstellungen tatsächlich deckt. Auch dazu bieten sich Praktika an. Denn Klischees von skandalträchtigen Enthüllungsstorys, die einen "groß rausbringen", stimmen selten.

Neben dem Blick hinter die Kulissen haben Praktika auch andere bedeutende Vorteile. Sie öffnen Tür und Tor beim späteren Berufseinstieg. Chefredakteure und Personaler legen bei der Auswahl ihrer zukünftigen Mitarbeiter besonderen Wert auf praktische Erfahrung. An konkreten Beispielen wollen sie sehen, was du drauf hast. Daher sind Arbeitsproben wie Artikel oder Bilder wichtige Trophäen, die du als Praktikant sammeln musst. Überdies sind Praktika dazu da, um Kontakte zu knüpfen und einen Fuß in die Tür zu bekommen.

Was kann ich am besten

Jeder Mensch hat andere Talente und Neigungen. Praktika können dir helfen, im breit gefächerten Berufsfeld des Journalismus den richtigen Job zu finden. Weißt du mit Sicherheit, dass dir ein Job bei einem Printmedium mehr Spaß macht als bei einem Fernsehsender, beim Radio oder in einer Online-Redaktion? Kannst du besser schreiben oder reden? Probier es aus!

Startrampe Lokalredaktion

Willst du deine guten Vorsätze umsetzen und ein Praktikum absolvieren, stellt sich die Frage: Wo soll ich mich bewerben? Ein wahrer Zeitungsdschungel liegt vor dir, aber wo solltest du anfangen? Die Möglichkeiten reduzieren sich schnell auf einen beschaulich kleinen Kreis. Vor allem dann, wenn du regional gebunden bist. Einen Platz bei einer der großen Tageszeitungen zu erhaschen, ist ohnehin sehr schwer - und als Erst-Praktikant bist du praktisch chancenlos. Der Kontakt zum Lokalblatt vor Ort hingegen ist meistens einfacher herzustellen – sofern du über Zeus nicht bereits einen Ansprechpartner kennst. Die Lokalredaktion als Startrampe für den Einstieg in den Journalismus ist bestens geeignet.

Journalistisches Handwerk in der Lokalredaktion lernen

In Lokalredaktionen können Anfänger das Recherchieren und Schreiben am besten üben, denn hier wird man zumeist schnell ins kalte Wasser geschmissen. Auch sind Aufgabengebiet während des Praktikums dort oftmals größer als bei einer überregionalen Zeitung. Nach mehreren Wochen in einer Lokalredaktion wird dein Repertoire schließlich vom Schreiben einer Unfallmeldung bis hin zu Berichten über kulturelle Ereignisse reichen.

Nutze deine Chancen

Haben dich die Redakteure einmal kennen gelernt, hast du in der Regel gute Aussichten auf eine Stelle als freier Mitarbeiter. Es ist allerdings sinnvoll, über den Tellerrand zu blicken und in andere Zeitungsredaktionen oder auch andere Medien hineinzuschnuppern.

Benjamin Weber jedenfalls ist sich sicher, dass der Journalismus sein Traumberuf ist. Nach dem Abi möchte er studieren, um sich auf den Job vorzubereiten. Vorher will er aber noch in andere Printformate schnuppern – ein Praktikum beim Magazin "Musikexpress" steht in Aussicht.

Fakten zum Praktikum:

  • Ein Praktikum kann sechs Wochen, aber auch mehrere Monate dauert.
  • Praktika sind in der Regel unbezahlt.
  • Je mehr Praktika du absolvierst, umso größeren Einblick erhältst du in die verschiedenen Berufe im Journalismus.
  • Bewirb dich frühzeitig um ein Praktikum. Wartezeiten sind in der Regel lang, besonders während der Schul- und Semesterferien.
  • Knüpfe Kontakte, sammle deine Arbeitsproben.
  • Vergiss nicht, dir ein Arbeitszeugnis bzw. eine Praktikumbestätigung austellen zu lassen.

LITERATURTIPPS und INTERNETADRESSEN:

  • Ahlswede, Elke: Das Praktikum im Journalismus. Konstanz 2002.   
  • Worth, Maria-Anna, Martina Weinem: Gezielt bewerben für Praktika im Studium. Praktikum nach Maß als Karrierestart. Niedernhausen 1999.

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