Miteinander arbeiten – effektiver lernen
21.10.2010 | 17:10 Uhr 2010-10-21T17:10:00+0200Was versteckt sich eigentlich genau hinter dem Begriff "Kooperatives Lernen"? Tobias Saum kennt die Antwort.
Was ist das Ziel vom Kooperativen Lernen?
Tobias Saum: Kooperatives Lernen und schüleraktivierendes Lehren – hinter diesen Begriffen verbirgt sich ein umfassendes Konzept für eine neue Lernkultur an unseren Schulen. Ziel dieses Konzeptes ist die geistige Aktivierung der Schülerinnen und Schüler in jeder Phase des Unterrichts. Wir wollen damit auch den Erwerb von Lernkompetenz in fachlicher, methodischer, personaler und sozialer Hinsicht sowie die individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler erreichen.
Was bringt das Kooperative Lernen den jungen Leuten?
Tobias Saum: Beim Kooperativen Lernen erwerben die Schülerinnen und Schüler Fähigkeiten, die wichtig für den späteren Beruf sind, aber auch für das familiäre Zusammenleben und für das Miteinander mit Freunden und Nachbarn. Die Schüler lernen, mit unterschiedlichen Menschen zurechtzukommen – Menschen anderer Kulturen, Menschen mit anderen Interessen und anderem Temperament. Menschen, mit denen sie sonst nicht ins Gespräch gekommen wären. Neben den sozialen Fähigkeiten erwerben die Schüler auch die Kompetenzen, die sie für die Abschlussprüfungen benötigen. Ein nach den Prinzipien des Kooperativen Lernens gestalteter Unterricht ist effektiver und nachhaltiger. Die Auseinandersetzung der Schülerinnen und Schüler mit den Inhalten des Unterrichts wird intensiviert und vertieft.
Gibt es denn Erfahrungen aus der Wissenschaft, die den Erfolg von Kooperativem Lernen unterstreichen?
Tobias Saum: Aber ja! Die Forschung hat herausgefunden und unsere Erfahrung hat bestätigt, dass Kooperatives Lernen sehr lernwirksam ist – im Gegensatz zur Gruppenarbeit, bei der Schüler eine gemeinsame Aufgabe bekommen, die dann von ein oder zweien erledigt wird. Kooperatives Lernen ist deswegen erfolgreich, weil die Schüler einer Gruppe aufeinander angewiesen sind. Der Einzelne erreicht nur sein Ziel, wenn die anderen auch ihr Ziel erreichen. Daher kann sich keiner der Arbeit entziehen und jeder unterstützt die anderen. Zur Grundstruktur des Kooperativen Lernens gehört nicht nur, dass die Schülerinnen und Schüler zusammenarbeiten, sondern auch, dass sie zuerst immer alleine arbeiten.
Für welche Schulen ist das Kooperative Lernen interessant?
Tobias Saum: Schulen aller Schulformen interessieren sich inzwischen für das Kooperative Lernen. An vielen Gesamtschulen wird es schon länger praktiziert. Doch sowohl Kollegien an Gymnasien als an Haupt- und Realschulen fordern Fortbildungen zum Kooperativen Lernen an und sind davon so begeistert, dass viele es gleich umsetzen und zum Bestandteil ihres Unterrichts machen. Auch die bekannte Schule Schloss Salem hat ihr Kollegium im Kooperativen Lernen von Moderatoren der Gesamtschule Haspe weiterbilden lassen.
Zur Person
Tobias Saum, Jahrgang 1969, studierte Deutsch und Philosophie an der Freien Universität Berlin und der Bergischen Universität Gesamthochschule Wuppertal. Seit 1999 unterrichtet er in der Sek. I und II an der Gesamtschule Haspe in Hagen. Von 2000 – 2002 wurde er von Norm Green zum Trainer für "Instructional Intelligence with a focus on Cooperative Learning" ausgebildet. Davon ausgehend hat er das Kooperative Lernen weiterentwickelt und in eine Didaktik der Schüleraktivierung integriert. Seit 2002 führt er Fortbildungen für Kooperatives Lernen und schüleraktivierendes Lehren durch. Er arbeitet als Fachmoderator und Trainer für Deutsch sowie Unterrichtsentwicklung und neue Lernkultur/ Kooperatives Lernen für die Bezirksregierung Arnsberg (NRW). Er ist - gemeinsam mit Ludger Brüning – Autor der Bücher "Erfolgreich unterrichten durch Kooperatives Lernen" (2006) und "Erfolgreich unterrichten durch Visualisieren" (2007).
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