Ich lebe und ich werde leben!
06.12.2011 | 10:06 Uhr 2011-12-06T10:06:00+0100
Dortmund. Zeus-Reporterin Nina Angela Werning bekam im vergangenen Jahr eine schlimme Diagnose: Sie hatte einen schnell wachsenden, bösartigen Tumor im Oberschenkel. Mittlerweile ist sie operiert. Bei Zeus schreibt sie von ihrem Kampf mit der Krankheit und von ihren Träumen.
Es war ein stürmischer Mittwoch im Februar vergangenen Jahres, als sich mein Leben von Grund auf änderte. Meine Eltern, meine kleine Schwester und ich saßen im Wartezimmer einer chirurgischen Praxis. Wir warteten darauf, dass mein Name aufgerufen wurde: Nina. Heute bin ich 14 Jahre alt. Damals wusste ich noch nicht, was für ein Schicksal mich treffen würde.
Es dauerte nicht lange, bis wir aufgerufen wurden. Danach ging alles sehr schnell. Auf einmal waren wir umgeben von Ärzten und Arzthelferinnen. Es fühlte sich komisch an. Alles. Der Arzt versuchte, uns die Diagnose so vorsichtig wie möglich beizubringen: ein schnell wachsender, bösartiger Tumor im Oberschenkel. Ein sogenanntes Ewing-Sarkom, die zweithäufigste Art von Knochenkrebs. Ich verstand nur Bahnhof. Ich konnte nur anhand der Reaktionen meiner Eltern einschätzen, dass es etwas sehr Schlimmes sein musste: Meine Mutter weinte.
Hochdosierte Intensiv-Therapie
Ab jetzt musste alles sehr schnell gehen: Eine hochdosierte Intensiv-Therapie. Chemotherapie. Die Chemo begann Mitte März in der Vestischen Kinder- und Jugendklinik in Datteln und endete Anfang November. Es war hart. Doch ich gab nie auf. Ich kämpfte mit sehr schlimmer Übelkeit und Mukositis, einer Entzündung an allen Schleimhäuten. Essen, Trinken und Reden fiel mir schwer. Immer wieder musste ich auch deshalb wieder in die Klinik. Es tat so unheimlich weh.
In dieser schweren Zeit entdeckte ich in der Klinik für mich die „Hunde-Therapie“. Gustav, ein Beagle, und Ben, eine Labrador/Golden Retriever-Mischung, gaben mir ganz viel Kraft, und ich hatte nur noch ein Ziel: Ich werde die Krankheit überstehen und mein Praktikum im nächsten Jahr in der Dattelner Klinik bei der Hunde-Therapie machen.
Ende Juli konnte mir der Tumor dann endlich entfernt werden. Es würde sich wieder etwas verändern, aber mein Ziel hatte ich immer vor Augen.
Leichtere Chemotherapie
Die Chemo, die ich jetzt bekomme ist leichter, aber mein Körper macht nicht mehr so mit, wie ich möchte. Ich bekomme Depressionen, weil ich gehofft hatte, in den 21 Tagen Chemopause mal in die Schule gehen zu können. Doch wegen der Nebenwirkungen und den Klinikaufenthalten bleibt es beim Hausunterricht. Vorerst!
Das, was mir immer wieder hilft, wenn ich im Krankenhaus liege, sind die Gedanken an unseren kleinen Cavalier-King-Charles-Hund Sam. Ich will immer ganz schnell wieder zu ihm, denn er war und ist mein Ein und Alles.
Das Ende der Chemotherapie ist nun in greifbarer Nähe und ich träume seit längerem von schönen, langen Haaren, die ich mal hatte: Ich habe nur noch drei Monate, also insgesamt nur noch drei Blöcke, vor mir.
Ich habe eine wunderbare Familie, meinen Hund und auch ein paar Freunde, die mich immer wieder aufbauen. Trotz allem bin ich ein sehr starkes und glückliches Mädchen, denn manchmal sind es die kleinen Dinge im Leben, die einem Freude bereiten!
Nina Angela Werning, Geschwister-Scholl-Gesamtschule, Klasse 8c, Dortmund

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