Interview mit...

Aktiv um Integration bemühen

19.05.2009 | 17:14 Uhr

Unna. Wir treffen Marta Zasina im evangelischen Gemeindezentrum „Die Brücke” in Unna-Königsborn, wo sie seit April 2008 Jugendreferentin ist. Die gebürtige Polin hatte es nicht leicht, sich in Deutschland zurechtzufinden. Sie hat aber viele wertvolle Tipps für eine erfolgreiche Integration.

Wann sind Sie eingewandert?

Meine Mutter und ich sind am 2. Januar 1988 aus Lodz nach Wetter an der Ruhr gekommen.

Wie alt waren Sie, als Sie hergekommen sind?

Damals war ich 13 Jahre alt.

Warum sind Sie hergekommen?

Ich bin mit meiner Mutter zu meinem Vater gezogen, der schon neun Jahre vorher als politischer Flüchtling nach Deutschland gekommen war.

Haben Sie sich aufgenommen gefühlt?

Ja, sehr sogar, ich hatte keine Schwierigkeiten. Aber lange Zeit wollte ich unbedingt zurück nach Polen – meine Freunde und meine Familie fehlten mir.

Wurden Sie damals anders behandelt als heute?

Davon abgesehen, dass ich damals noch ein Kind war, hat sich nichts geändert. Die Behandlung war die ganze Zeit über gut und positiv.

Halten Sie Deutschland für ein ausländerfreundliches oder eher ausländerfeindliches Land?

Das ist eine zu allgemeine Frage, um sie so beantworten zu können. In Deutschland leben so viele Menschen mit Migrationshintergrund. Wir werden immer mehr zu Europäern. Wurzeln sind natürlich wichtig, aber irgendein Nationalstolz wird immer überbewertet. Leider gibt es auch in Deutschland Menschen, die anders ticken und ausländerfeindlich sind, die aber halte ich für emotional und kognitiv äußerst unreif, um es mal freundlich auszudrücken.

Haben Sie einen deutschen Pass?

Ja, seit meinem 14. Lebensjahr.

Was hat Ihnen am meisten geholfen, sich hier in diesem für Sie fremden Land zurechtzufinden?

Ich habe mich nie zurückgezogen und habe mich sofort aktiv um Integration bemüht. Ich habe Deutschkurse belegt, habe mir in der Schule alle Wörter, die ich nicht kannte, erklären lassen oder selbst im Wörterbuch nachgeschlagen, habe viele Freunde gehabt mit unterschiedlichen Wurzeln und habe keineswegs nur mit Leuten aus Polen abgehangen. Durch so ein Verhalten schränkt man sich selbst sehr ein und schadet sich nur. Es ist doch ein Reichtum, andere Menschen und Kulturen kennenlernen zu können. Viele fahren gerne sehr weit in den Urlaub, dabei haben wir oft direkt vor unserer Haustür, was wir in fremden Ländern zu finden suchen. Na gut, die Landschaft und die Sehenswürdigkeiten nicht, aber die Menschen und ihre Kulturgepflogenheiten – und das ist das, was ein Land auch ausmacht.

Welche Sprachen sprechen Sie?

Ich spreche Deutsch und Polnisch fließend. Aber auch Französisch und Englisch beherrsche ich. Außerdem verstehe ich Russisch.

Welchen Abschluss haben Sie gemacht?

Zuerst habe ich, durch fehlende Sprachkenntnisse bedingt, den Hauptschulabschluss gemacht. Später habe ich dann das Abitur nachgemacht und studiert.

Was haben Sie studiert?

Ich habe Diplom-Sozialpädagogik und -Sozialarbeit studiert.

»Die oberste Regel:

Wir reden Deutsch

miteinander«

Spielen Ihre Sprachkenntnisse auch im Beruf eine Rolle?

Ja, ich rede öfters Polnisch, weil es hier ein paar polnische Kinder und deren Eltern gibt, die kaum Deutsch sprechen. Die oberste Sprachregel in der Brücke ist aber: 'Wir reden alle Deutsch miteinander.'”

Frau Zasina, vielen Dank für das Gespräch!

Daniela Beckmann,

Lisa Bartels,

Geschwister-Scholl-

Gymnasium Unna,

Klasse 8d

Danlia Beckmann, Lisa Bartels

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