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Den Durchblick behalten – trotz Sehbehinderung

11.05.2012 | 16:18 Uhr
Den Durchblick behalten – trotz Sehbehinderung
Leselupen können Menschen mit Sehbehinderung die Lektüre erleichtern. Foto: Knut Vahlensieck

Wesel.  Ein Lebenmit verschwommenem Blick: Für Wendy Uptown ist das Alltag. Unsere Zeus-Reporterinnen haben sie getroffen.

Die Schüler der Klasse 7a sitzen gespannt auf ihren Stühlen und warten darauf, dass die 20-jährige Wendy Upton die Klasse betritt. Wendy ist sehbehindert und kann nur noch 1-5% sehen. Früher konnte sie noch gut sehen. Sie hat eine Krankheit, die sie nach und nach erblinden lässt. Bis vor zweieinhalb Jahren lag ihre Sehstärke noch bei 20%. Heute kann sie im Dunkeln gar nichts mehr sehen.

Wenn die Sonne scheint, hat sie Schwierigkeiten, da sie dann noch schlechter sehen kann. Das dreidimensionale Sehen fehlt ihr komplett, aber sie kann Farben, die direkt vor ihren Augen auftauchen, noch erkennen.

Die Idee, eine Sehbehinderte einzuladen, stammt von den Schülern selbst, denn sie haben das Buch „Behalt das Leben lieb“ von Jaap ter Haar mit ihrer Klassen- und Deutschlehrerin Frau Niesen gelesen. In dem Buch geht es um einen Jungen, der durch einen Unfall sein Augenlicht verliert. Da während des Lesens viele Fragen entstanden, die Frau Niesen nicht beantworten konnte, organisierte eine ihrer Kolleginnen ein Treffen mit Wendy. Diese freute sich und kam der Einladung nach, da sie den Menschen näher bringen möchte, wie das Leben ohne Augenlicht ist.

Die Schüler haben in den letzten Tagen Spiele entwickelt, um herauszufinden wie es ist, blind zu sein. Dabei verließen sie sich auf ihre weiteren Sinne wie Riechen, Schmecken, Fühlen und Hören. Eine Schülerin sagt: ,,Ich habe mich dabei leicht unwohl gefühlt.“ Viele weitere Schüler bestätigen dies.

Für Wendys Besuch haben die Schüler einige Fragen vorbereitet. Ein Schüler will wissen: „Wie erkennst du andere Leute wieder?“ Wendy erklärt: ,,Ich erkenne viele an der Stimme und am Laufen. Viele Informationen entnehme ich der Stimme, z.B. wie ihre Charakterzüge sind und wie sie aussehen könnten.“ Daraufhin fangen die Schüler sofort an zu fragen, wie Wendy sie einschätzen würde. Sie waren erstaunt darüber, dass Wendy viele nach ihrem wirklichen Charakter einschätzen konnte.

Um den Schülern ihren Alltag mit der Sehbehinderung nahezubringen, hat Wendy hat sie eine Zeitschrift, die in Blindenschrift geschrieben ist, eine Brille, die das Sehvermögen vermindert und ihren Laptop mit einer Braillezeilemitgebracht. Die Schüler dürfen in Kleingruppen nach vorne kommen und sich den Laptop mit der Blindenschriftzeile ansehen. Nacheinander dürfen sie ihren Namen eintippen, den Wendy auf ihrer Braillezeile liest. Die Blindenschrift erlernte sie vor zweieinhalb Jahren.

Auf die Frage, ob Wendy einen Wunsch habe, antwortet sie: „Ich würde mir wünschen, dass die Menschen mit mir respektvoller umgehen und mich nicht ansehen wie einen Affen im Zoo.“

Nach Wendys Vortrag fragen wir die Schüler, wie es ihnen gefallen hat. Alle sagen, dass es ihnen gut gefallen hat. Die Schülerin Asli Akbaba sagt noch: „Es hat mir sehr gut gefallen und ich fand es nie langweilig, da Wendy immer mehr erzählt hat und ich auch etwas daraus gelernt habe.“ „Ich fand es auch sehr interessant, da ich schon mal eine Reportage darüber gesehen habe und viel darüber nachgedacht habe. Ich finde, wir wissen jetzt sogar noch mehr, als wir eigentlich wissen wollten, und das finde ich sehr gut. Ich werde auch noch weiterhin darüber nachdenken.“, sagt Can Güzel. Die Deutschlehrerin erzählt uns am nächsten Tag noch: „ Von der Klasse gab es nur positive Rückmeldungen und sie fanden auch, dass Wendy sich sehr gut auf den Besuch vorbereitet hat. Außerdem hat das Gespräch einem auch ein bisschen die Angst genommen. Wir alle, auch Wendy, waren begeistert von diesem Besuch.

Für uns war es auch sehr schön, mal einen Einblick in das Leben eines sehbehinderten Menschen zu erhalten, da es immer neue Eindrücke und Erfahrungen mit sich bringt

Lena Bongartz und Melissa Schroer , Klasse 8a, Konrad-Duden-Realschule, Wesel

 

 

 

 

Lena Bongartz

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