„Wo sollen Kinder denn sonst spielen?“
10.02.2011 | 19:44 Uhr 2011-02-10T19:44:00+0100
Im Westen. Der Chef der Senioren-Union in NRW, Leonhard Kuckart aus Schwelm, hat die Debatte um Kinderlärm in Wohngebieten wieder entfacht.
Mit einem markerschütternden Wiehern trabt das dunkelhaarige Mädchen durch den Flur, ein braun-weißes Steckenpferd fest im Griff. Ein blonder Junge neben ihr lässt die Waggons seiner Eisenbahn gegeneinander rumpeln. Kinder machen Krach. So auch im Dortmunder Matthäus-Kindergarten. Er liegt in einer Seitenstraße, die von ordentlichen Reihenhäusern gesäumt ist. Hier lebt man ruhig und beschaulich, von Ferne ist nur die Klingel der Uhlandschule zu hören.
Im Sommer reagierten ein paar Anwohner verärgert über ein neues Klettergerüst auf dem Außengelände. Zu nah an der Grundstücksgrenze, zu viel Lärm durch turnende und schreiende Kinder; und Sand, der in Kaffeetassen geweht wird: Das Gerüst sollte weg, und zwar schnell. Böse Wortwechsel am Gartenzaun verängstigten schließlich sogar die Kinder. „Es war eine sehr unschöne Situation“, sagt Kindergartenleiterin Lilo Jankewitz.
Im Dortmunder Matthäus-Kindergarten ist mittlerweile Ruhe eingekehrt. Jochen Schade-Hohmann, Leiter des Fachbereichs Jugend und Erziehung bei den Vereinigten Kirchenkreisen Dortmund und Lünen, hat einen Kompromiss erreicht. Zwischen Gerüst und Grundstücksgrenze werden, wie früher, Büsche als Schallschutz gepflanzt. Und die Kinder sind dankbar, dass ihr neues Spielgerät nicht abgerissen wird. Ein Mädchen strubbelt die Mähne ihres Steckenpferdes und sagt mit breitem Grinsen: „Ich liebe das neue Gerüst und ganz besonders – ach eigentlich alles.“
In Schwerte feiert die Initiative „Rettet die Bolzplätze!“ das neue Bundesimmissionsschutzgesetz, denn: Vor zwei Jahren hatte sie sich dafür stark gemacht, dass Bolzplätze mit Kinderspielplätzen gesetzlich gleichgestellt werden und hatte über 1850 Unterschriften gesammelt. Peter Blaschke, Streetworker in Schwerte, sagt: „Wenn noch nicht mal in Wohngebieten, wo sollen Kinder denn dann spielen?“ Leonhard Kuckart, Chef der NRW-Senioren-Union, schaffe eine Front zwischen den Generationen. Blaschke regt als Gegenentwurf zu Kuckarts Forderung den Bau von Mehrgenerationen-Spielplätzen an: Dort könnten Ältere und Kinder gemeinsam ihre Freizeit verbringen. Zusätzlich zu Karussell oder Rutsche sähen solche Plätze Bewegungsgeräte für Senioren vor. „Es gibt Bänke mit Pedalen, auf denen wie auf einem Heimtrainer-Fahrrad trainiert werden kann“, berichtete Blaschke.
Ein gutes Pflaster für Kindertagesstätten scheint auch Lüdenscheid zu sein. Die Kreisstadt im Sauerland (rd. 80 000 Einwohner) hat 40 Kindergärten. Von ernsthaften Beschwerden über die Kitas ist im Rathaus nichts bekannt. Ganz im Gegenteil: Die Nachbarn würden in den Ferien auch schon mal die Paketpost annehmen.
Lärm. Die Mutter aller Nachbarschaftsstreitigkeiten. Sie richtet sich in den letzten Jahren zusehends gegen Kindergärten, Bolz- und Spielplätze. Es gibt keine Studien. Aber es sagen alle. Peter Wenzel bestätigt: „Das Beschwerdeverhalten ist gestiegen. Manche Erzieherinnen erzählen Dinge, da schüttelt’s einen“, sagt der Geschäftsführer des Kita-Zweckverbandes im Bistum Essen: „Es gibt aber auch viele schöne Beispiele, da besuchen sich Kindergarten und Altenheim“ – ganz schön schlau, bevor das Kind in den Brunnen fällt. Aber wehe, es schreit dann! „Kinderlärm ist Zukunftsmusik“ steht am Donnerstag in ungezählten Stellungnahmen zum Polit-Radau um den Lärm von Kitas; aber die Wahrheit ist, dass in diesem Land Zukunftsmusik unter das Immissionsschutzgesetz fällt.
Der Streit ist kein Massenphänomen, er kommt aber regelmäßig vor – und das in einem im internationalen Vergleich extrem stillen Land. Es kommt vor, dass da, wo Kinder Fangen spielten, ein Nachbar Stacheldraht spannt. Dass ein Anwohner wegen einer Wippe vor Gericht zieht: Nicht die Wippe störte ihn, sondern das Quietschen der Kinder. „Auf der Wiese vor dem Mehrfamilienhaus dürfen zwar die Hunde ihr Geschäft verrichten, Spielen ist jedoch untersagt. Auch auf dem Spielplatz werden die Kleinen schon gemaßregelt“, sagt die Kindergartenleiterin Stephanie Rösen in Bochum-Wattenscheid.
Wissenschaftlich betrachtet, ist der Vergleich von Kindern mit Presslufthämmern jedenfalls vergleichsweise unsinnig. „Menschliche Laute, selbst wenn sie leiser sind, erregen mehr Aufmerksamkeit als tierische, und die mehr als Motoren. Wir müssen da hinhören. Das ist genetisch und dann keine leichte Situation für jemanden, der mit Kindern nichts am Hut hat“, sagt der Lärmforscher Rainer Guski von der Ruhr-Uni Bochum. Psychologe ist Guski freilich auch, daher weiß er: „Lärm sind immer die anderen, ich selbst mache nur Geräusche.“

17:24
Ein gelungenes und friedliches Miteinander der Generationen kann nur durch gegenseitige Toleranz und Akzeptanz geschehen. Es hilft kaum, eine derartige Diskussion jung gegen alt und/oder andersherum durch populistische Parolen anzuheizen.
Alle Generationen sollten an einem runden Tisch vorhandene Probleme sachlich (!) im Sinne der Gemeinschaft besprechen und lösen.
Nur durch ein Aufeinanderzugehen, Respekt und ein Korrigieren der meist subjektiven Wahrnehmung Einzelner kann unsere zukünftige Gesellschaft den demografischen Wandel sinnvoll und konstruktiv gestalten. Hasstiraden auf Senioren sind ebenso verwerflich, wie z.B. Schilder mit der Aufschrift Ballspielen verboten in Wohngebieten.
In diesem Sinne: auf gute Nachbarschaft!
14:37
Liebe Renter-Union, einfach nur peinlich. Nicht, dass sie mal selbst jung waren und damals ja angeblich nur auf den Strassen spielen konnten mangels Spielplätzen - also direkt auf der Strasse vor den Häusern -, nein, sie vergessen auch, dass diese Kindern in den Pflegeheimen ihre Windeln wechseln und ihre ach so kargen Renten bezahlen. Hier mangelt es den Rentern den Respekt am jungen Leben. Da verurteilen die gleichen Rentner die Playstation-Kinder wie nun auch die Kita-Kinder.
Die meisten Kitas stehen schon lange da wo sie sind. Da machten die Alten also ein Schnäppchen bei Grundstück oder Miete wg. der Kitanähe und wollen die nun im Nachgang wegklagen. Ich würde empfehlen, die Klagekosten den entsprechenden Rentern direkt von der Rente abzuziehen.
12:04
Das hier ist doch viel besorgniserregender:
http://www.youtube.com/watch?v=P7eR8CWEDkU
Und mal so zum Nachdenken:
Da regt man sich drüber auf, weil Kinder/ Jugendliche keinen Respekt mehr vorm Alter haben? Warum? haben die Alten respekt vor ihnen?
Da regt man sich drüber auf, dass die Kinder/ Jugendliche auf der Straße rumlungern? Wo sollen die denn hin, wenn die Alten sie überall verjagen?
10:07
arum sollen Kitas außerhalb von Wohngebieten liegen. Meines Erachtens sollten Sie wie Spielplätze zu Fuß erreichbar sein, um überflüssige Autofahrten zu vermeiden. Bisher hatte ich den Eindruck, dass Kinder Kindergärten in der Nähe ihres Zuhauses besuchten und auch die Grundschule zu Fuß gut erreichbar ist, sodass die Kinder sich schon aus der Nachbarschaft und aus dem Kindergarten kennen. Wo außer in Wohngebieten sollen Kitas hin?
14:07
Die Äußerungen von Herrn Kuckart finde ich zum Kotzen! Schade, dass seine Eltern vor langer Zeit einen Kinderwunsch hatten!
11:22
also ich bin der Meinung jeder sollte sich freuen dass viele Kinder spielen und dabei auch krach machen, waren wir nicht alle ´mal jung?
Schlimmer finde ich wenn ein schlecht erzogener Hund ununterbrochen bellt
Was ist mit den alten Leuten los, warum reagieren sie so?
Auch mir geht manchmal ein quängeldes Kind im Supermarkt auf den Nerv, aber was solls es sind kleine Kinder und wir waren früher vielleicht auch so, nur wissen wir es nicht mehr
klaus h aus DU, 70 Jahre
10:29
@snape0901
sie haben Recht! Rücksicht und Erziehung sind wichtig! Richtig ist auch, dass dies viele Eltern nicht mehr tun! Und die Wohnsituation tut ihr übriges dazu!
ABER auch ich habe oft genug erlebt, dass Kinder angefeindet werden obwohl diese sich angemessen und richtig verhalten haben.
Jeder hat Recht, nur werden die der Kinder immer weiter beschnitten und das ist FALSCH! Kinder die sich altersgerecht vernünftig benehmen müssen sich nicht anschreien lassen (wobei das vielfach wesentlich lauter ist).
Und beleidigen lassen müssen sich Kinder auch nicht. Mein Sohn ist kein Bälger, Blag, Mistkind o. ä. und dies gilt auch für die anderen Kinder.
Ich weiß, dass es müßig ist sich mit vielen Eltern zu unterhalten. Denn die sind die eigentlichen Schuldigen.
Warum gibt es immer noch keine guten Angebote um Eltern zu erziehen?
09:46
Kinderlärm mag störend sein. Hundegebell ist es auch. Mancher Hund nervt weitaus mehr mit Dauerbellen als viele Kinder, doch scheint gerade hier der Knackpunkt zu sein.
Jedes Geräusch, das vom Einzelnen als angenehm empfunden wird ist ein akzeptiertes Geräusch. Abgelehnt werden nur Geräusche, die als unangenehm empfunden werden.
Es gibt in Dortmund eine erkleckliche Schar von Menschen, die sich über Fluglärm aufregen. Wenn sie aber am Flughafen sind und auf den eigenen Flieger warten, ist es plötzlich ein gutes Geräusch.
Jeder -und insbesondere jeder Erwachsene- ist gehalten, Toleranz zu üben. Bei Kindern ist die Rücksichtnahme altersbedingt geringer. Das ist naturgegeben. Wer etwas anderes will, verweigert die natürliche Entwicklung.
Ach ja, das Gebrüll von Fußballfans übersteigt hinsichtlich des Lärmpegels regelmäßig das Kindergeschrei. Viele, die gerne gegen Kinder stänkern, konnte man bei Fußballspielen am WE grölen hören.
Und im übrigen, in Deutschland leben wir ausgesprochen ruhig. Also, wo ist das Problem.
09:20
Sie nennen sich Christliche Union...
08:54
@Snape:
kann dir nur bepflichten.
Bei uns herrscht auch Chaos. Nachbarkinder oder (tschuldigung) blagen machen Lärm, spielen Fußball in der Wohnung, den Vermieter (große Gesellschaft) interessierts nicht. Ich finde auch das Kinder auf einem Spielplatz oder auf einem Bolzplatz spielen sollen und nicht in der Wohnung lautstark.
Ich bin schon genervt wenn ich Feierabend habe und weiß das ich in DIESES Mietshaus muß, weil ich da ja wohn :-)
Also ich breche eine Lanze für alle die sich belästigt fühlen. Ruft so oft wie möglich die Polizei, die schicken Berichte an Vermieter ( eigentlich) und dann muß was passieren und was noch ziehen könnte: Mietkürzungen bis 15 % bei übermäßiger Lärmbelästigung.