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Winterberg setzt auf Sommergäste

29.07.2010 | 19:31 Uhr
Winterberg setzt auf Sommergäste

Die Stadt Winterberg entdeckt den Sommertourismus: Im Kurpark der Kleinstadt im tiefen Hochsauerland entsteht für 35 Millionen Euro die „Oversum Vitalwelt Winterberg“ – ein ehrgeiziges Gemeinschaftsprojekt der Stadt mit privaten Investoren.

Für eine Beteiligung von 4,5 Millionen Euro, die sie mit Einnahmen aus Holzverkäufen schultern will, bekommt die Stadt ein Vier-Sterne-Hotel mit Gesundheitsangeboten, eine neue Stadthalle, ein neues Schwimmbad und eine neue Touristeninformation gebaut. Das Besondere dabei: Die Stadt kauft von den privaten Anbietern nur die Zeitkontingente in den Einrichtungen ein, die sie tatsächlich braucht.

Als „führender Wintersportort nördlich der Alpen“ wirbt der Ort im Rothaargebirge gerne und erfolgreich um Touristen. Die Berggipfel ringsum messen alle um die 800 Meter; der Kahle Asten (841 Meter) gilt ebenso landläufig wie fälschlich als höchster Punkt von Nordrhein-Westfalen. Wenn es „Ski und Rodel gut“ heißt, herrscht Hochbetrieb in Winterberg. „An guten Winter-Wochenenden kommen 70 bis 100 000 Gäste“, weiß Tourismusdirektor Michael Beckmann zu berichten. Ein wahrer Touristenansturm auf die knapp 14 000 Einwohner-Stadt.

„Die Stadt lebt vom Tourismus – aber der findet nur vier Monate im Jahr statt“, sagt Beckmann. Mit dieser zeitlichen Begrenzung soll jetzt Schluss sein: Die Stadt hat als „Entwicklungsschwerpunkt“, um Gäste ganzjährig nach Winterberg zu locken, den Kurpark ausgemacht.

Dort, „auf dem Filet-Grundstück unserer Stadt“, wie Bürgermeister Werner Eickler sagt, entsteht die „Oversum Vitalwelt“. Der Kern der Anlage: ein Vier-Sterne-Hotel mit 160 Betten in Form eines überdimensionalen Tannenzapfens, dessen Holz verkleidete Fassade lichttechnisch in Szene gesetzt wird. „Ein Tannenzapfen – das ist eine Symbolik, die zur Region Hochsauerland mit seinen Wäldern passt“, erklärt Wolfram Wäscher, von der Firma s.a.b. aus Friedrichshafen am Bodensee, die ungewöhnliche Bauform. Die Cleverle aus dem Schwabenland haben die Winterberger Sauerländer im Prozess der Stadtentwicklung begleitet. Wäscher bescheinigt: „Die Winterberger haben intelligent gehandelt: Sie haben vier, fünf kommunale Leistungen zusammengefasst und privatwirtschaftliche Leistungen drangehängt.“ Sein Beispiel: Die Stadt bekommt eine neue Veranstaltungshalle von einem privaten Investor gebaut; an 30 Tagen im Jahr darf sie kostenfrei den Veranstaltungsort nutzen. „Viel häufiger braucht die Stadt die Halle auch nicht“, macht Wäscher den Vorteil deutlich. Die restliche Zeit verfügt der Hotel-Betreiber, eine namhafte Kette aus den Niederlanden, über die Halle.

Das gleiche Prinzip gilt für das neue Hallenbad: Es wird betrieben von einem niederländischen Unternehmen; die Stadt bekommt wöchentlich 45 Stunden für den Vereins- und Schulschwimmunterricht eingeräumt. Die Touristik-Information mietet sich ebenfalls in der Oversum-Welt ein.

Wäscher schwärmt angesichts der Konstellation von Privatunternehmen und Stadt von „einem Modellprojekt für Kommunen, das es bisher so in Deutschland nicht gibt“ – und stellt genau so klar: „Das hat nichts mit reiner Privatisierung zu tun!“

In die Zusammenarbeit ist auch das örtliche Krankenhaus eingebunden. Statt Wellness soll es im neuen Hotel für „medizinisch-therapeutische Angebote“ sorgen, erklärt Tourismusdirektor Beckmann und spricht von „Lebensstilberatungen im Sommer-Gesundheitsurlaub“.

Die Eröffnung der Oversum-Welt ist für das Frühjahr 2012 geplant.

Carsten Menzel

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Kommentare
05.08.2010
09:53
Winterberg setzt auf Sommergäste
von walter Maifass | #1

Wie vermutet, der Anfang vom Ende in Siegburg, nachdem die Tinte unter dem Vertrag in Winterberg getrocknet war:

http://www.rhein-sieg-anzeiger.ksta.de/html/artikel/1280133220858.shtml

Siegburg - Die Surfanlage im Schwimmbad „Oktopus“ ist nicht mehr in Betrieb. „Die Anlage war gut, aber der Unterhalt war einfach zu teuer“, sagte ein Mitarbeiter des Schwimmbades. Das Wasser und die Energie für eine Stunde Surfen auf der künstlichen Welle habe 50 Euro gekostet. „Das hat sich nicht so durchgesetzt wie geplant.“ Jetzt soll die Surfanlage wohl verkauft werden.

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